Experten sehen nur wenig Chancen für eine Erholung der japanischen Währung
Japans ungelöste Probleme belasten den Yen

Trotz kurzer Zwischenerholungen bleiben Experten für den Yen meist pessimistisch gestimmt.

DÜSSELDORF. Der japanische Yen bleibt unter Druck. Gegenüber dem Euro notiert er auf dem niedrigsten Niveau seit drei Jahren, ein Euro kostete zeitweise bis zu 123 Yen. Auch der US-Dollar legt gegenüber dem Yen nahezu kontinuierlich zu und steht so hoch wie seit über vier Monaten nicht mehr.

Trotz kurzer Zwischenerholungen bleiben Experten für den Yen meist pessimistisch gestimmt. Nach Ansicht von Bastian Hepperle, Volkswirt bei der Westdeutschen Landesbank (WestLB), löste bereits Mitte September die Bank of Japan (BoJ) die Schwäche des Yens aus. Die BoJ hatte angekündigt, dass sie den schwächelnden Kreditinstituten des Landes große Aktienpakete abkaufen will. Damit sei die Regierung unter Druck gesetzt worden, das Bankenproblem endlich anzugehen. Zudem belasteten zuletzt die Bombenanschläge auf Bali den Yen. Das Attentat "strahlt auf die ganze Region aus", sagt Hepperle.

Frank Packert führt die Yen-Abwertung auch auf die sinkende Binnennachfrage Japans zurück. Der Director of the Economics and Market Analysis Group of Nikko Salomon Smith Barney in Tokio glaubt: "Die Nachfrage wird sich schlechter entwickeln als Anfang des Jahres." Zudem sei der Export nach einer Zunahme im ersten Halbjahr erneut rückläufig. "Wir raten Investoren, sehr vorsichtig zu sein," sagt Packert. Mäßig optimistisch ist auch die Notenbank. "Die Wirtschaft Japans hat sich insgesamt stabilisiert, aber klare Anzeichen einer Erholung sind noch nicht erkennbar", heißt es im Monatsbericht.

Panikartige Verkäufe fürchtet Packert indes nicht. Zwar sei eine Bankenkrise nicht hundertprozentig auszuschließen, doch habe die Regierung mehrfach versichert, dass sie das verhindern werde. "Eine Finanzkrise erwarten wir deshalb nicht", sagt er. Und sollte es der neue Chef-Finanzreformer Heizo Takenaka schaffen, konkrete Reformen durchzuführen, wäre ein längerfristiger Fortschritt im Finanzsektor möglich. "Doch diese Hoffnung ist wirklich eher als Spekulation zu bewerten", sagt Packert. Entspannen dürfte sich auch die Situation, wenn sich die US-Wirtschaft erholt. Dies wirke sich über die japanischen Exporte auf den Yen aus.

Auch Kimihiko Tomita, Chef des Devisenhandels von JP Morgan in Tokio, weist auf die Bedeutung der Exporte für Japan hin. Im Frühling habe es noch so ausgesehen, als ob sich die Weltwirtschaft erholen würde. Die Exporte stiegen, der Yen verteuerte sich und japanische Aktien wurden für ausländische Investoren wieder interessant. Jetzt mache sich Enttäuschung breit. Bis zum Jahresende erwartet Tomita daher "zwar keinen scharfen, aber ein kontinuierlichen Fall des Yens".

Nicht ganz einheitlich sind sich die Spezialisten in ihrer Einschätzung der weiteren Entwicklung. Die WestLB rechnet bis Ende des Jahres mit 125 Yen zum Dollar und rund 123 Yen zum Euro. Nach einer Zwischenerholung im März schätzt Hepperle, dass der Yen dann im September/Oktober 2003 bei 120 Yen bzw. 126 Yen liegen wird. Zu Grunde gelegt werden dabei unter anderem eine Erholung der Weltwirtschaft und ein festerer Euro.

JP Morgan glaubt, dass der Yen 2003 wieder steigen könnte. Doch der offiziellen Prognose seines Mutterhauses will Tomita nicht folgen. Er meint, dass der Yen zwischen Januar und März unter Druck geraten und bis auf 130 Yen zum Dollar fallen könnte. Denn Ende März gehe das Geschäftsjahr zu Ende. "Es ist zu befürchten, dass viele Unternehmen Anfang kommenden Jahres Insolvenz anmelden müssen. Das würde auch die Banken unter Druck bringen, die dann auf ihren Krediten sitzen blieben," erklärt Tomita. Bis Jahresende sieht er den Yen bei 120 bis 127 Yen pro Dollar und 118 bis 125 Yen pro Euro.

Nikko-Analyst Packert ist pessimistischer. Auf Sicht von sechs Monaten erwartet er einen Fall auf 132 Yen zum Dollar und auf etwa 127 Yen zum Euro. Schon in den vergangenen Monaten hätten viele inländische Anleger ihr Kapital aus Japan abgezogen. "Dieser Trend wird sich fortsetzen", erklärt Packert.

Quelle: Handelsblatt

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