Experten sehen Potenzial des FTSE-100-Index bei 4000 Punkten ausgeschöpft: Verbraucher belasten britische Aktien

Experten sehen Potenzial des FTSE-100-Index bei 4000 Punkten ausgeschöpft
Verbraucher belasten britische Aktien

Der Nachfrage-Boom der britischen Verbraucher beeinflusst die Finanzmärkte. Steigende globale Risiken und ein zunehmend auf Pump finanzierter Konsum verschlechtern die Aussichten für Dividendenwerte von der Insel. Analysten sind der Meinung, dass das vor allem Wachstums-Aktien trifft. Bei Banken teilt sich die Meinung.

LONDON. Wenn Gordon Brown am Mittwoch ein rotes Köfferchen vor seinem Amtssitz 11 Downing Street in die Fernsehkameras hält, wiederholt sich ein Ritual. Alle Jahre wieder beginnt der britische Schatzkanzler so eine Prozedur, an deren Ende die Präsentation des Haushalts-Budgets für das kommende Jahr steht. Doch diesmal ist etwas anders: Im siebten Amtsjahr des Finanzministers dürften die Akten in dem roten Koffer anders als bislang gewohnt den Aktienmarkt beeinflussen.

"Am Markt sind derzeit andere Themen wichtig", sagt Dhaval Joshi, globaler Stratege der französischen Bank Société Générale. Damit meint er erstens den Krieg im Irak und dessen Auswirkung auf die britische Wirtschaft. Zweitens bereitet den Akteuren am Finanzmarkt auch das Verhalten der heimischen Verbraucher zunehmend Sorge.

Waren die britischen Konsumenten bislang wegen ihrer Ausgabefreude der wichtigste Garant für den Erfolg der Wirtschaft, mehren sich nun die Anzeichen, dass ein - zunehmend auf Pump finanzierter - Konsum langfristig die Wachstumsaussichten und damit die Märkte negativ beeinflusst. "Wir fertigen vermutlich gerade den Schild an, der das Nachfragewachstum der nächsten Jahre und damit das Wachstum der Aktienmärkte zurückdrängt", sagt Humphrey van der Klugt vom britischen Fondsmanager Schroders plc.

Kurzfristig dürften die britischen Aktien wie fast alle auf der Welt vom erfolgreichen Ende des Irak-Feldzugs profitieren. Doch nach einer kurzen Rally wenden sich die Märkte wieder den Fundamentaldaten zu. Und die sehen zunächst einmal die Gefahr einer globalen Stagnation. Die britische Bank HSBC sieht deshalb Risiken vor allem für Energie-Aktien. Der Ölpreis dürfte nach einem kurzen Irak-Krieg eher wieder zurückgehen, was zusammen mit dem unsicheren wirtschaftlichen Umfeld vor allem Papiere wie BP und Shell trifft. Aus wirtschaftlichen Gründen sind auch Minen-Aktien von Rio Tinto und Anglo American laut HSBC überbewertet. Zudem haben sie sich in der Vergangenheit gegenüber dem Markt wesentlich besser entwickelt.

Neben den globalen Risiken sehen die Analysten So nehmen die britischen Verbraucher, von denen etwas weniger als zwei Drittel eine eigene Immobilie besitzen, den drastischen Zuwachs der Immobilienpreise offenbar zu selbstverständlich hin. Insgesamt liegt die Verschuldungsrate Privater mittlerweile bei 55 % des Bruttoinlandsprodukts. Bislang ist der Knall ausgeblieben. "Irgendwann wird sich aber zeigen, dass die Verbraucher sich nicht alles borgen können, was sie ausgeben wollen", sagt van der Klugt.

Für Aktien bedeutet so etwas nichts Gutes. Analysten wie Joshi setzen deshalb auf defensive Papiere. Für ihn gehören Nahrungsmittel-Hersteller wie Cadbury-Schweppes oder Unilever zu den Favoriten, weil diese auch in schwierigen Zeiten auf einen zuverlässigen Einnahmenstrom zählen können. Gleiches gilt für Einzelhändler wie WM Morrison, Tesco oder Sainsbury. Dagegen lehnt er wie die Analysten von HSBC Technologie-Werte ab. Aktien aus der IT Hardware und Software, die auf investierende Firmen angewiesen sind, seien derzeit zu unsicher. Uneinig sind sich Analysten über Bankenwerte. Bei den einen heißt es, sie könnten von Zinssenkungen profitieren, andere warnen vor weiteren Rückstellungen für geplatzte Kredite. HSBC lehnt gar den gesamten Sektor ab. Nach ihrer Ansicht kommen bei den großen Vier (neben HSBC sind das Royal Bank of Scotland, Barclays und Lloyds TSB) angesichts schwächerer wirtschaftlicher Aussichten und höherer Konkurrenz die Margen stärker unter Druck. Das Risiko gebremster Kredite führt die Großbank dazu, den gesamten Sektor ganz oben auf die Verkaufsliste zu setzen.

Auch für den Index FTSE (knapp 3800 Punkte) sind die Aussichten bis Ende des Jahres nur verhalten positiv. Der Markt hat sich zwar von seiner akuten Schwächephase erholt, die ihn bis unter 3300 Punkte führte. Ein Niveau von 4000 Zählern sieht Paul Niven, Leiter der Strategie des Fondsmanagers Isis Asset Management bis Ende des Jahres als realistisch an. Damit dürfte er laut Dhaval Joshi aber schon sein Potenzial erreicht haben.

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