Experten sehen Vorteil für Amerikaner und halten Übernahmeangebot von Henkel für wenig wahrscheinlich
Procter lässt bei Wella nicht locker

Procter & Gamble bleibt am Ball. Der US-Konzern wird voraussichtlich ein Angebot zur Übernahme von Wella abgeben. Davon könnte auch der neue Wella-Aktionär Henkel profitieren.

beu/lip HAMBURG. Das Störfeuer des Düsseldorfer Henkel-Konzerns bei der Darmstädter Wella AG zur Abwehr des US-Konzerns Procter & Gamble (P&G) geht offenbar ins Leere. Wie das Handelsblatt aus Verhandlungskreisen erfahren hat, wird weiter ein Übernahmeangebot des weltgrößten Konsumartikelherstellers aus Cincinnati erwartet. Henkel dürfte dagegen nicht mit einer eigenen Offerte kontern, heißt es aus Aufsichtsratskreisen von Wella. Eine Stellungnahme war von keiner Seite zu erhalten.

Der Haarpflegespezialist Wella AG mit 6 000 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 3,4 Mrd. Euro ist seit Wochen als Übernahmekandidat im Gespräch, da sich die vier Eigentümerfamilien offenbar zu einem Verkauf ihrer Anteile entschlossen haben. Sie halten zusammen rund 78 %. Henkel hatte überraschend mitgeteilt, 4,99 % am Wella-Stamm- und 10,39 % am Vorzugskapital zu besitzen. Dies entspricht 6,9 % am Gesamtkapital. Bei Wella sank der Kurs der Stämme gestern um knapp 3 % auf 74,30 Euro und der Vorzüge um 4 % auf 60,10 Euro. Henkel verteuerten sich indes um 1 % auf 45,79 Euro.

Ein öffentliches Übernahmeangebot von P&G könnte sich allerdings verzögern, da sich der US-Konzern auf die neue Lage seit der Bekanntgabe der Beteiligung von Henkel an Wella einstellen muss. Daher ist auf der heutigen ordentlichen Aufsichtsratssitzung von Wella noch nicht mit einer Offerte aus den USA zu rechnen, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen des Aufsichtsrats.

Auf der Sitzung des Kontrollgremiums soll nur die Bilanz für 2002 festgestellt und der Beschluss über die Dividende gefasst werden. Erwartet wird, dass Wella für das Geschäftsjahr 2002 die Dividende erhöht. Sie lag für das Vorjahr bei 0,49 Euro für die Stamm- und 0,51 Euro für die Vorzugsaktien.

Auch Analysten gehen davon aus, dass P&G das Rennen machen wird. "Am realistischsten ist die Variante, dass P&G zum Zuge kommt und ein Abfindungsangebot an die freien Aktionäre unterbreiten wird," meinte gestern Sven Dopke, Analyst der Hamburger M.M. Warburg Bank. Dopke erwartet für die freien Aktionäre ein Abfindungsangebot, das deutlich über den letzten Kursen liegt: "Eine Prämie von 15 bis 20 Euro ist denkbar."

Ähnlich urteilt Volker Hergert von der Bankgesellschaft Berlin: "Ich gehe nicht davon aus, dass Henkel ein Angebot abgeben wird." Dahinter steht, dass nach dem gescheiterten Versuch einer Übernahme von Wella durch Henkel im vergangenen Jahr die "Chemie" zwischen den Eigentümern von Wella und Henkel als gestört gilt, heißt es aus Aufsichtsratskreisen. Anders sieht dies Oliver Luckenbach von Dresdner Kleinwort Wasserstein. Er geht davon aus, dass Henkel stärker mit Wella zusammenrückt. Ziel sei eine "Kosmetik-Deutschland AG", um einen massiven Einstieg von Procter&Gamble auf dem deutschen Markt zu verhindern.

Dabei kann sich Luckenbach vorstellen, dass sich die Henkel - und Wella-Eigentümer über ein Aktientauschmodell zusammenschließen. Damit würde dieser neue Konzern auf dem Kosmetik- und Haarpflegemarkt hinter der französischen L?Oreal, P&G und dem japanischen Unternehmen Kao an die vierte Stelle rücken. Doch selbst wenn die "Kosmetik Deutschland AG" nicht zu Stande kommt, steht Henkel auf der Gewinnerseite. Das Investment bei Wella hat Henkel zwischen 250 und 300 Mill. Euro gekostet, schätzen Analysten. Damit könnte Henkel einen satten Gewinn von 100 Mill. Euro einstreichen, wenn P&G bei der Übernahme von Wella den erwarteten Aufschlag zahlt.

Entgegen anders lautenden Meldungen hat Henkel die Aktien nicht von Mitgliedern der Wella-Familien, sondern ausschließlich über die Börse gekauft, heißt es aus Bankenkreisen. 53 % der Wella Aktien liegen in den Händen der drei Familienstämme Sanders, Pohl und Ebert. 25 % besitzt die Familie Ströher. Sie sind die Nachkommen des Firmengründers Franz Ströher.

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