Experten sind bei Anleihen von Finanzhäusern skeptisch – Vor allem deutsche Kreditinstitute stehen vor Problemen: Banken sind nicht die besten Schuldner

Experten sind bei Anleihen von Finanzhäusern skeptisch – Vor allem deutsche Kreditinstitute stehen vor Problemen
Banken sind nicht die besten Schuldner

Die Zeiten, in denen Anleihen von Banken generell als solide galten, sind vorbei. Zwar bewerten die Ratingagenturen die Kreditqualität der Banken immer noch als gut - Analysten fürchten aber Herabstufungen.

FRANKFURT/M. Ihr Geschäft ist unter anderem die Vergabe von Krediten, doch Banken selbst sind als Schuldner am Anleihemarkt nicht mehr besonders beliebt. Kein Wunder: 2002 war das schlimmste Jahr für die Banken seit dem zweiten Weltkrieg, und das Wort "Bankenkrise" ist in aller Munde. Die Flaute an den Aktienmärkten brachte die Erträge der Banken unter Druck, hinzu kamen Konkurse, welche die Banken Milliarden kosteten.

Und auch die weiteren Aussichten sind nicht gut. "Historische Erfahrungen haben gezeigt, dass der Höhepunkt an Insolvenzen erst dann erreicht wird, wenn der Aufschwung bereits eingesetzt hat", sagt Sandra Neumann, Analystin für Bankenanleihen bei der DZ Bank. Von daher dürfte auf die Banken noch einiges zukommen. Auch Kirsten Werner, Rentenanalystin bei der Deutschen Bank, erwartet, dass die Banken mit Blick auf zukünftige Pleiten ihre Risikovorsorge noch weiter erhöhen müssen. Die Risikovorsorge geht von den Erträgen ab.

"Vor einer Liquiditätskrise stehen die Banken dennoch nicht", betont Sam Theodore von der Ratingagentur Moody?s. Zudem sei die Gefahr von Herabstufungen geringer, nachdem Ende vergangenen und Anfang diesen Jahres unter anderem die Bonitätsnoten der Commerzbank und der Hypo-Vereinsbank gesenkt worden seien.

Die Ratingagentur Standard & Poor?s (S&P) warnte dagegen gestern, dass die Bankenratings weiter unter Druck stehen. Von 50 europäischen Banken, die S&P bewertet, haben 16 einen negativen Rating-Ausblick. Stefan Best von S&P erklärt, dass gerade bei den Ratings deutscher Banken von Stabilität keine Rede sein könne. "Die Banken stehen generell unter Druck, und Deutschland gehört zu den schwierigsten Märkten." Gründe dafür seien die geringere Rentabilität der deutschen Banken, die unter anderem durch das strukturelle Umfeld in der zersplitterten Bankenlandschaft bedingt sei. Unter den deutschen Banken hat bei S&P lediglich die Deutsche Bank einen stabilen Rating-Ausblick. Der könne allerdings nur gehalten werden, wenn die Deutsche Bank ihre Rentabilität verbessere, betont Best.

Besonders skeptisch sind Analysten bei den Bonds der Hypo-Vereinsbank (HVB) und der Commerzbank. Beide Banken haben das vergangene Jahr erstmals mit Verlusten abgeschlossen. Corinna Dröse von Crédit Indosuez (CAI) ist aber noch nicht überzeugt, dass die Banken im vergangenen Jahr ihren Tiefpunkt überwunden haben. Auch die Ertragsentwicklung der Dresdner Bank sieht die Analystin skeptisch. Für besser hält sie die Aussichten spanischer Banken wie der BBVA, nachdem diese ihr Lateinamerika-Risiko gesenkt habe.

Insgesamt stehen die Banken mit Ratings im Bereich Doppel- oder zumindest Einfach-A im Vergleich zu Industrieunternehmen zwar noch recht gut da, doch die Unsicherheit über die Bonitätsaussichten könnte die Renditen noch weiter steigen lassen. Derzeit bieten europäische Bankenanleihen mit Laufzeit von sieben bis zehn Jahren und einer Bonitätsbewertung im Bereich Doppel-A eine Rendite von etwa 4,55 %. Im Rating-Bereich Einfach-A liegen die entsprechenden Renditen bei rund 4,80 %. Noch höher sind die Renditen bei nachrangigen Bankenanleihen, deren Besitzer im Falle einer Pleite der Bank erst nach den anderen Gläubigern bedient werden. Bei diesen Anleihen gibt es verschiedene Abstufungen, am häufigsten sind Bonds der Kategorie "Lower-Tier-2". Banken müssen für die nachrangigen Anleihen zwar höhere Zinsen zahlen, dafür können sie die Bonds als Eigenkapital anrechnen, mit dem sie ihre Geschäftsrisiken unterlegen.

Die nachrangigen Anleihen haben Ende vergangenen Jahres unter den schlechten Nachrichten der Banken stärker als die "normalen" Anleihen der Banken gelitten, sich aber schon wieder zum Teil erholt. Deshalb sieht Dröse von CAI bei den nachrangigen Bonds auch das größte Potenzial für weiterhin sinkende Risikoaufschläge.

Werner von der Deutschen Bank rät besonders Privatanlegern, nicht nur auf die Renditen zu schauen, sondern auch auf die Stabilität. Deshalb empfiehlt sie, statt Bankenanleihen eher Bonds "solider Unternehmen" wie Bosch, RWE oder Deutscher Post. Deren Anleihen werden ebenfalls mit Ratings im Einfach- oder Doppel-A-Be- reich eingestuft. Dabei bietet RWE für eine bis Oktober 2012 laufenden Anleihen eine Rendite von rund 5,10 % und damit mehr als die HVB.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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