Experten sind skeptisch
Kommentar: Banken im Gegenwind

Nachdem drei der vier deutschen Großbanken die Ergebnisse für das erste Quartal 2001 vorgelegt haben, scheint alles beim Alten zu bleiben: Die Deutsche Bank zieht einsam ihre Kreise und eilt der Konkurrenz im Inland davon. Dagegen können Dresdner Bank und Commerzbank bei der Ertragskraft nicht mithalten und mussten zudem beträchtliche Kostenzuwächse verzeichnen.

Es verwundert also nicht, dass die Brokerhäuser derzeit nur die Aktie der Deutschen Bank zum Kauf empfehlen. Der Frankfurter Branchenprimus überraschte den Markt als einziges Institut positiv, auch wenn der Ergebniszuwachs etwas geschönt wurde. Unter der Zauberformel IAS 39 verbuchte die Bank einen Ertrag, der aus den Verkaufsoptionen zur Absicherung des Beteiligungsportfolios resultierte und den Bruttogewinn um 400 Mill. aufblähte. Dem Kursgewinn bei den Verkaufsoptionen steht seit Jahresanfang ein Rückgang der stillen Reserven von rund 200 Mill. gegenüber. Dieser ist aber nicht ergebniswirksam. Nichtsdestotrotz beeindruckte die Deutsche Bank vor allem im Investment- Banking, wo sie mit einem Handelsergebnis, das sogar das herausragende Vorjahresquartal übertraf, Konkurrenten wie Merrill Lynch oder JP Morgan Chase hinter sich ließ.

Sorgenkind Commerzbank

Sorgenkind bleibt die Commerzbank. Hohe Kosten sowie Ertragseinbrüche im Privatkundengeschäft und in der Vermögensverwaltung waren die wunden Punkte im ersten Quartal. Ähnliche Probleme zeigte die Dresdner Bank. Beide Institute konnten die aus der Börsenbaisse resultierenden Schwächen nicht - wie die Deutsche Bank - mit den Handelsaktivitäten am Anleihe- und Devisenmarkt auffangen. Analysten raten, sich von der Aktie der Commerzbank zu trennen. Bei der Dresdner Bank empfehlen sie die Annahme der Übernahmeofferte der Allianz. Ohne die Münchener Hilfe wäre die Dresdner-Aktie wohl auch auf der Verkaufsliste zu finden.

Solide Zahlen werden am Markt von der Hypo-Vereinsbank erwartet. Die Münchener wollen ihr Ergebnis vor der Hauptversammlung am 22. Mai veröffentlichen. Deren Interpretation wird dabei etwas mehr Zeit beanspruchen, da erstmals die Bank Austria in einem Zwischenbericht voll konsolidiert wird. Mit Deutschland und Österreich verfügt die Hypo-Vereinsbank über zwei Heimatmärkte und nimmt dazu in Tschechien, Polen und Ungarn eine führende Position ein. Dies lässt eine stabile Gewinnentwicklung auch bei volatilem Börsenumfeld erwarten. Eine Ausweitung der regionalen Präsenz in Europa halten Experten für wünschenswert. Ein interessanter Markt könnte dabei Norditalien sein. In Mailand halten sich seit geraumer Zeit Gerüchte über eine Kooperation der Hypo-Vereinsbank mit der Monte Paschi di Siena, aber auch die Übernahme einer der profitabelen norditalienischen Regionalbanken wird kolportiert.

Schwachpunkte der deutschen Großbanken

Das Münchener Institut lässt Raum für Gedankenspiele, was Analysten gefällt. Der Aktie räumen sie Potenzial ein, nicht zuletzt, weil die Hypo-Vereinsbank als stiller Gewinner der Allianz-Dresdner-Transaktion gilt. Im Zuge der stärkeren Verbindung mit der Münchener Rück kann die Hypo-Vereinsbank auf die Produktpaletten der beiden Münchener-Rück-Töchter Ergo und Victoria zurückgreifen. Für das jetzt anlaufende Geschäft mit der Rentenreform zählt dies als weiterer Pluspunkt.

Nach den bislang vorgelegten Zwischenergebnissen - daran werden auch die noch ausstehenden Zahlen der Hypo-Vereinsbank nichts ändern - stehen als Schwachpunkte der deutschen Großbanken die hohen Aufwand- Ertrag-Relationen und die niedrigen Eigenkapitalrenditen fest. Die europäische Konkurrenz weist bessere Kennziffern auf. Sowohl in der Rangordnung als auch bei den Problemen ist zum Jahresauftakt also alles beim Alten geblieben.

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