Experten streiten über die zukünftige Entwicklung der Linde-Aktie
Der Streitfall: Linde

Die Aktie gehört im bisherigen Jahresverlauf mit rund 20 Prozent Kursplus zu den Top-Performern im Dax. War's das - oder ist noch mehr drin?

Michael Riedel von der Bankgesellschaft Berlin rät zu Gewinnmitnahmen.

Außerordentlicher Ertrag im ersten Quartal...

Linde wird am Montag Quartalszahlen vorlegen. Wir erwarten folgende Eckdaten: Auftragseingänge plus zwei Prozent auf 2,39 Milliarden Euro, Umsätze plus 1,8 Prozent auf 1,99 Milliarden Euro, Vorsteuerergebnis plus 6,3 Prozent auf 51 Millionen Euro. Nicht darin enthalten ist ein außerordentlicher Ertrag von etwa 160 Millionen Euro aus dem Verkauf der Dresdner-Bank-Beteiligung. Dieser wird wahrscheinlich auch im ersten Quartal ausgewiesen.

...wir erwarten eine Konkretisierung der Jahresprognose...

Für den Bereich Technische Gase gehen wir von einer weiteren Margenverbesserung aus, da er unverändert von den Synergieeffekten und dem weiteren Ausbau des Geschäfts mit medizinischen Gasen profitiert. Auf die Sparte Fördertechnik sollte sich die verhaltene Konjunktur über zunehmenden Wettbewerbs- und Preisdruck negativ auswirken. Bei der Kältetechnik dürfte der Umbau abgeschlossen sein. Wegen der Investitionszurückhaltung der Lebensmittelbranche wird Linde jedoch einen Teil der Einsparungen in Form von Preissenkungen an die Kunden weitergeben müssen. Der Vorstand äußerte sich bisher nur sehr vorsichtig zu den Perspektiven für das Gesamtjahr. Als Ziel wurden "weitere Umsatz- und Ergebnissteigerungen" genannt, ohne diese zu präzisieren.

...raten aber zu Gewinnmitnahmen.

Seit Jahresanfang entwickelte sich die Aktie deutlich besser als die Branche. Wegen der aktuell erreichten hohen Bewertung empfehlen wir nun Gewinnmitnahmen.



Hans-Peter Wodniok, Analyst bei Credit Lyonnais securities, empfiehlt die Aktie als Kauf.

Ein Outsider an der Spitze...

Zum Jahresbeginn 2003 tritt Wolfgang Reitzle,bisher Chef der Luxussegments des Autobauers Ford, sein Amt als Chef von Linde an. Reitzle sammelte Erfahrungen bisher eher im Konsumgüterbereich als im Investitionsgütersektor. Reitzle mag zwar als Outsider gelten, dürfte aber für einen Neustart und damit für mehr Investoreninteresse sorgen. Das bisherige Management hat allerdings bereits für erheblichen Druck auf die einzelnen Abteilungen mit dem Ziel einer höheren Kapitalverzinsung gesorgt.

...eines Konzerns, der bisher nicht durch spektakuläre Gewinnentwicklung auf gefallen ist...

Linde galt lange als Unternehmen, das zwar akzeptable, aber keinesfalls spektakuläre Gewinne einfuhr. Die einzelnen Unternehmensbereiche - Industriegase, Anlagenbau, Gabelstapler, Kältetechnik - waren zudem nicht darauf eingestellt, einzeln ihr Wachstum zu finanzieren. Vielmehr betrieb das Management eine Quersubventionierung. Nach meiner Meinung dürfte diese Politik ein Ende haben.

...doch die Weichen sind neu gestellt.

In Zukunft sind die Abteilungen auf sich selbst gestellt. Sie werden jeweils eigenständige Ziele zu erfüllen haben und selbst für die Finanzierung sorgen müssen. Dieser Strategiewechsel wird zu einer positiven Ausrichtung der Gruppe, zu erhöhtem Cash-flow und einer höheren Eigenkapitalverzinsung führen. Ein gestärktes , kosten- und Cash-Flow-bewusstes Management sollte zu einer Neubewertung der Aktie führen. Ich setze den fairen Wert der Aktie bei 67 Euro an.

Quelle: Wirtschaftswoche

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