Experten streiten über Einsatz eines Papierausdruck
Wahlmaschinen haben Tücken

Heute wird in den USA nicht nur ein neuer Präsident gewählt. Bei dieser Wahl wird indirekt auch darüber abgestimmt, welche Zukunft elektronische Wahlsysteme habe.

HB MÜNCHEN. Der Nachrichtendienst news.com von Cnet schreibt, dass nach Schätzungen der Beratungsfirma "Election Data Services" etwa 30 Prozent der registrierten Wähler Wahlmaschinen benutzen werden, um darüber zu entscheiden, ob Bush im Weißen Haus bleiben kann, oder Senator Kerry der neue Präsident der Vereinigten Staaten wird. Angesichts der schweren Probleme, die vor vier Jahren im gesamten Land - vor allem aber im die Wahl entscheidenden Bundesstaat Florida - auftraten, kommt der Frage kontrollierbarer Wahltechnik auch 2004 eine besondere Bedeutung zu.

Wahlmaschinen werden in den USA schon seit geraumer Zeit eingesetzt. Doch Fachleute glauben, dass man in der Auseinandersetzung über Wahltechniken erst am Anfang stehe. Die Berater von Election Data Services rechnen damit, dass etwa 45 Millionen der 155 Millionen Wahlberechtigten in den USA eine Wahlmaschine benutzen werden. Im Mittelpunkt der diesjährigen Diskussion steht dabei die Frage, ob Wahlmaschinen mit einem Papierausdruck als Sicherheit für eine mögliche nachträgliche Überprüfung arbeiten sollen, oder ob man auf den Papierausdruck verzichten kann. Die Meinung darüber gehen weit auseinander, wie die Entscheidungen der Bundesstaaten Maryland und Nevada zeigen. Während sich der Spielerstaat Nevada für einen zusätzlichen Papierausdruck entschieden hat, ist Maryland sicher, auf Papier verzichten zu können.

Die Wahl wird zeigen, welche Entscheidung besser die Situation am Wahltag unterstützt. In Nevada sind Drucker im Verbund mit den Wahlmaschinen installiert. Dort kann der Wähler auf der Papierkopie den Vorgang prüfen, bevor er seine Stimme frei gibt. Marylands Wahlchefin Linda Lamone dagegen ist überzeugt, dass Papier ein Grundübel bei Wahlen sei, das immer wieder Probleme erzeuge. Bei der entscheidenden Abstimmung in Florida im Jahr 2000 waren es die schlecht gestanzten Lochkarten, die Probleme bereiteten. Auch Professor Ted Selker von der renommierten MIT-Universität und Mitglied einer Kommission für Wahltechnik glaubt, dass der Einsatz von Papier als Sicherung mehr Probleme bringe als beseitige. Er hat dabei vor allem den bei Druckern immer wieder auftretenden Papierstau im Auge. Der werde durch das herausschneiden der Rolle gelöst. Dabei würden Ausdrucke vorangegangener Wähler zerstört.

Dem Problem einer gesicherten Briefwahl, die 2004 eine besondere Rolle spielt, hat sich die Firma Pitney-Bowes aus Stamford, Connecticut, angenommen. Der weltweite Marktführer von Frankier- und Sortiermaschinen für Postsendungen hat aus seinem Gerätepark ein spezielles Angebot aufgebaut, dass eine gesicherte Briefwahl garantieren soll. Dabei werden unter anderem Kriterien wie die richtige Zeitschiene und die korrekten Wahlunterlagen überprüft. Das System wird beispielsweise in Orange County im Süden Kalifornien und Tacoma im Bundesstaat Washington eingesetzt.

Bei allen Wahlen in Industrieländern taucht verstärkt die Frage auf, wie sicher die Kombination PC und Internet für eine Art e-Voting oder e-Wahl eingesetzt werden kann. Diese Frage wird auch künftig eine große Rolle spielen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%