Experten über Wahrscheinlichkeit einer Kirch-Pleite uneins
Analysten: Kirch-Media wäre guter Türöffner für Medienmogule

Über den Verhandlungen mit zwischen Gläubigerbanken und Investoren hängt der Schatten einer möglichen Insolvenz des Unternehmens. Murdoch und Berlusconi drohen laut Zeitungsberichten damit, Kirch-Media pleite gehen zu lassen. So will Berlusconis Konzern Mediaset nach eigenen Angaben nicht noch mehr Geld in die Beteiligung an der Kirch-Gruppe stecken. Die Analysten sind geteilter Meinung, ob dies nicht nur eine Drohgebärde der beiden Medienmagnaten ist, die beide als mögliche Übernehmer des angeschlagenen Konzerns gehandelt werden.

DÜSSELDORF. "Die Gefahr, dass Kirch pleite geht, ist nicht so frappierend, wie das in den Medien kommuniziert wurde", glaubt Bernard Tubeileh, Analyst bei Merrill Lynch. "Kirch ist ein zu wichtiger Player auf dem deutschen Markt. Daher haben die Banken immer wieder verhindert, dass er insolvent wird. Denn rechtlich und finanziell hätte Kirch schon längst pleite sein müssen", erläutert Tubeileh. "Aber wegen seiner Bedeutung für die deutsche Medienbranche ist eher eine konstruktive Übernahme wahrscheinlich, also eine Aufteilung des Unternehmens zwischen Murdoch, Berlusconi und den Banken."

Florian Leinhauer, Medienanalyst bei der Helaba Trust, hält hingegen eine Insolvenz für möglich: "Dass Kirch pleite geht, ist ganz klar eine reelle Möglichkeit, wenn man die Forderungen ansieht, die da noch im Raum stehen." Allerdings seien alle Beteiligten darauf bedacht, die Filetstücke des Konzerns zu retten: "Niemand hat ein Interesse daran, das ganze Unternehmen pleite gehen zu lassen. Was den Springer-Anteil, Premiere World und die Formel-1-Rechte betrifft, ist alles möglich. Im Kerngeschäft - ProSieben-Sat1 und Filmrechte - ist Kirch eigentlich gut positioniert. Das ist ein sehr gutes Paket für jemanden, der noch keine Fuß in der Tür zum deutschsprachigen Fernsehmarkt hat."

Sowohl Murdoch wie auch Berlusconi würden nur allzu gerne dieser Jemand sein. Das risikoreiche Geschäft mit den Formel-1-Übertragungsrechten könnten beide allerdings scheuen, vermuten die Analysten: "Bei der Formel Eins ist es sehr fraglich, ob Murdoch in die selben Schuhe steigt wie Kirch und sich auf den Ärger mit den Autokonzernen einlässt", vermutet Leinhauer. Auch Tubeileh ist skeptisch: "Die Autohersteller drohen schließlich, eine Konkurrenzveranstaltung zur Formel 1 hochzuziehen. Dann würden die Übertragungsrechte von Kirch wertlos. Ein großer Teil der Formel-1-Rechte wird wahrscheinlich an die Autohersteller verkauft werden.""

Anders sieht es dagegen bei Springer-Anteil aus. Den würden sich die beiden Medienmogule mit größtem Vergnügen unter den Nagel reißen. Das wird ihnen nicht aber gelingen, vermuten die Analysten. Der Springer-Anteil wird ihrer Ansicht nach verkauft: "Was Springer betrifft, ist eine Lösung mit der Hypo-Vereinsbank sehr wahrscheinlich", meint Merrill-Lynch-Analyst Tubeileh.

In einem Punkt sind sich die beiden Experten aber einig: Prosieben-Sat.1 und der Filmrechtehandel werden in Zukunft das Herzstück des Unternehmens bleiben. Helaba-Analyst Leinauer: "Ich bin ziemlich sicher, dass als Kerngeschäft letztlich nur der Film- und Sportrechte-Handel und das Free-TV übrig bleiben wird." Auch Merrill-Lynch-Analyst Tubeileh befürwortet diese Lösung: "Es würde Sinn machen, den Content-Einkauf und die Fernsehsender zusammen zu lassen."

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