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Experten uneins über Auswirkungen des hohen Ölpreises

Nachdem der Ölpreis in der vergangenen Woche erstmals an der 50-Dollar-Marke gekratzt hat, schätzen Wirtschaftsexperten die Auswirkungen auf die Konjunkturentwicklung unterschiedlich ein.

dpa HAMBURG/NEW YORK. Nachdem der Ölpreis in der vergangenen Woche erstmals an der 50-Dollar-Marke gekratzt hat, schätzen Wirtschaftsexperten die Auswirkungen auf die Konjunkturentwicklung unterschiedlich ein.

Nach Ansicht von Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise werden die Auswirkungen auf die Volkswirtschaft unterschätzt. "Ein Preis von über 40 $ ist für die Konjunktur ein großes Problem und damit auch für den Arbeitsmarkt", sagte er der "Bild am Sonntag". Der Chef des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, Wolfgang Franz, betonte, dieser Zusammenhang habe sich inzwischen abgeschwächt. Das habe auch mit den Anstrengungen zum Energiesparen zu tun, sagte Franz der "Welt am Sonntag".

Der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Wirtschaft und Arbeit, Rainer Wend (SPD), rief die Verbraucher zu weiteren Anstrengungen beim Energiesparen auf. Es liege an der Politik und den Verbrauchern, beispielsweise die Nachfrage nach 3-Liter-Autos zu stärken. Dann werde die Wirtschaft diese Autos zu produzieren.

Der stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Christoph Böhr forderte die Auflösung der staatlichen deutschen Ölreserven. "Die Regierung muss die Reserven auflösen, um Autofahrer und die Wirtschaft zu entlasten", sagte Böhr der "Bild"-Zeitung (Samstag). Der stellvertretende FDP-Chef Rainer Brüderle warnte, wenn der Ölpreis dauerhaft so hoch bleibe, komme die Konjunktur auch dieses Jahr nicht auf die Füße. "Wir sind wirtschaftspolitisch zu schlecht aufgestellt und können einen solchen Schock nicht so locker wegstecken wie andere."

Der Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Klaus Zimmermann, sieht bei einem anhaltend hohen Ölpreis zwar Gefahren für die Wirtschaft. "Wenn der Ölpreis über 50 $ steigt, wird sich das negativ auf die Konjunktur auswirken", sagte Zimmermann der "Bild am Sonntag". Die Schwäche der Binnennachfrage werde verlängert. Dennoch habe der deutsche Aufschwung, getragen vom Export, klar begonnen und setze sich fort.

ZEW-Chef Franz sagte, die Auswirkungen hoher Ölpreise seien auch deshalb nicht mehr so gefährlich für die Konjunktur, weil die Lohnpolitik gelernt habe, die durch das teurere Öl steigenden Preise nicht mehr durch entsprechende Lohnsteigerungen auszugleichen. "Das mag hart sein für die Autofahrer, ist aber gut für die Volkswirtschaft."

Der amerikanische Ölpreis war am Freitagabend dank der Entspannung im Konflikt in der irakischen Stadt Nadschaf zwar kräftig auf unter 48 $ je Barrel (159 Liter) gefallen. Der Preis hatte sich zuvor allerdings erstmals der 50-Dollar-Hürde genähert und legte im Tagesverlauf bis auf 49,40 $ zu. Das war der höchste Preis seit Beginn des Nymex-Ölhandels vor 21 Jahren. Die Angst vor weiteren Lieferunterbrechungen im Irak hatten zu dem rasanten Anstieg geführt.

Weitere Faktoren für die hohen Ölpreise sind die starke weltweite Ölnachfrage, geringe freie Produktionskapazitäten der Opec und die angespannte globale Versorgungslage. Die Ölhändler sorgen sich auch weiterhin über mögliche Terroranschläge und den anhaltenden Konflikt um den russischen Ölkonzern Yukos. Die Ölpreise liegen in New York momentan um 55 % höher als vor einem Jahr. Der Ölpreis hatte Ende Juni noch bei 36 $ gelegen.

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