Experten warnen: Rot-grüne Steuerpläne zerstören den privaten Immobilienmarkt
Trübe Aussichten für Immobilien-Investments

Die rot-grünen Steuerpläne stoßen bei Immobilienexperten auf Empörung. Kürzungen bei der Eigenheimzulage, Steuern auf Wertzuwächse und neue Abschreibungsregeln machen Investitionen in Immobilien so unattraktiv wie nie zuvor. Bis zu einer endgültigen Entscheidung sollten Anleger jedoch abwarten.

FRANKFURT/M. "Ein Investment in Immobilien kann ich überhaupt nicht mehr empfehlen", sagt Torsten Angermann, Geschäftsführer der Angermann Global Property Alliance. Die neuen Steuerpläne der rot-grünen Koalition sehen eine Erweiterung der Steuerpflicht für Veräußerungsgewinne bei nicht selbst genutzten Immobilien vor. Wer also eine Wohnung oder ein Haus verkaufen will, das er vermietet hat, muss die Wertsteigerungen, die sich zwischen Kauf- und Verkaufszeitpunkt ergeben haben, mit seinem individuellen Steuersatz besteuern. "Für viele Anleger wird dann das böse Erwachen kommen", prophezeit Rolf Drees, Steuerexperte bei Union Investment. Denn handelt es sich bei den Wertzuwächsen um eine inflationsbedingte Verteuerung, dann wird in solchen Fällen implizit die Substanz besteuert, kritisiert Drees.

"Zu Bauen oder Immobilien zu kaufen, wird sich nach den neuen Steuerplänen einfach nicht mehr rechnen", fügt Angermann hinzu. Der Immobilienberater rechnet mit einer starken Zurückhaltung beim Bau und Verkauf von Immobilien, was dazu führen würde, dass die Steuerrechnung der Regierung nicht aufgehen wird. "Wenn keiner verkauft, dann kommt es auch nicht zu den erwarteten Steuereinnahmen", so Angermann.

Die aktuellen Pläne für die Steueränderungen beinhalten auch keine Ausnahmeregelung für Immobilien, die als Altersvorsorge angeschafft wurden. Hier sind sich die Experten einig, dass eine skandalöse Ungerechtigkeit vorliegt. Bei Kapitallebensversicherungen soll es nämlich einen Steuerfreibetrag geben. "Wer sich ein Haus kauft, vermietet und aus dem bisher steuerfreien Verkaufserlös seinen Ruhestand finanzieren wollte, wird künftig vom Finanzamt zur Kasse gebeten. Das ist eine einseitige Belastung tausender Kleinanleger", kritisiert Angermann.

Noch dramatischer ist Situation nach Ansicht vieler Immobilienfachleute auf dem ostdeutschen Immobilienmarkt. Die Regierung hatte hier in der Vergangenheit zur Förderung des Aufbau Ost hohe Sonderabschreibung gewährt. Auf Grund der hohen Sonderabschreibungen müssen selbst dann hohe Wertzuwächse versteuert werde, wenn das Haus oder die Wohnung unter dem Kaufpreis veräußert wird. Da die meisten Anleger für diese Investitionen Kredite aufgenommen hätten, würden die neuen Steuervorschriften viele in den Ruin treiben, erwarten Experten. "Es ist vom Staat unredlich, erst mit Sonderabschreibungen zu locken und dann wieder abzukassieren", meint Steuerexperte Drees.

Von den geplanten Steueränderungen werden auch Immobilienfonds betroffen sein. Da Fonds in der Regel die erwarteten Verkaufserlöse für ihre Objekte in ihre Rendite bereits einrechnen. Experten erwarten, dass die Renditen ins Bodenlose fallen werde, wenn in Zukunft die Verkaufserlöse voll versteuert werden. Drees von Union Investment rechnet damit, dass eine Umschichtung der Anleger in Lebensversicherungen einsetzen wird: "Bis der Staat das feststellt und Maßnahmen ergreift, wird die Fondsindustrie aber schon deutliche Einbußen verzeichnet haben."

Etwas besser sieht es noch für Immobilienfonds mit einem hohen Auslandsanteil aus. Aufgrund von Doppelbesteuerungsabkommen, fallen für Verkaufserlös von Immobilien im Ausland keine zusätzlichen Steuern in Deutschland an.

Zusätzlich zu den Steuererhöhungen plant die rot-grüne Koalition eine Kürzung der Eigenheimzulage, die Einsparungen von 210 Mill. Euro pro Jahr bringen soll. Die Grundzulage, die bisher bis zu 2 556 Euro für Neubauten und 1 278 Euro für Altbauten und Erweiterungen einbrachte soll nach den neuen Plänen ganz wegfallen. Zudem soll die Einkommensgrenze deutlich gesenkt werden und die Zahlung von Baukindergeld beschränkt werden. Fachleute gehen davon aus, dass diese Kürzungen einen deutlichen Rückgang der Bauinvestitionen und weitere Arbeitslose in Bau- und Immobilienwirtschaft zur Folge haben werden.

Experten fordern, dass langfristige Wertzuwächse mit niedrigen Sätzen besteuert werden sollten und Freibeträge wie in den USA eingeräumt werden. Anleger sollte jetzt aber erst die endgültigen Beschlüsse abwarten und nicht aus Verunsicherung Immobilien verkaufen.

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