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Experten warnen vor Celebrex - Sammelklagen gegen Pfizer eingereicht

Der US-Pharmakonzern Pfizer sieht sich mit ersten Sammelklagen wegen seines in die Kritik geratenen Arthritis-Mittels Celebrex und Warnungen von Experten konfrontiert.

dpa-afx NEW YORK. Der US-Pharmakonzern Pfizer sieht sich mit ersten Sammelklagen wegen seines in die Kritik geratenen Arthritis-Mittels Celebrex und Warnungen von Experten konfrontiert. Am vergangenen Freitag schockte eine Studie, die erhöhte kardiovaskuläre Risiken bei der Einnahme feststellte, die Finanzmärkte und schickte Pharma-Aktien weltweit auf Talfahrt.

Experten Warnen und Fordern Sorgfältige Auswahl BEI Rheumamittel

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) warnte am Montag angesichts neuer Studien vor dem uneingeschränkten Gebrauch von Celebrex. Als Vorsichtsmaßnahme halte es das Bfarm beim gegenwärtigen Kenntnisstand nicht mehr für vertretbar, Patienten mit erhöhtem Risiko für Herzkreislauferkrankungen oder solchen Erkrankungen in der Vorgeschichte mit dem Celebrex-Wirkstoff Celecoxib zu behandeln, teilte die Behörde mit.

Die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft fordert eine sorgsamere Auswahl der Medikamente für Patienten. Es sei allemal falsch, wenn sich die ganze Ärzteschaft nur auf ein paar Präparate stürze, sagte der Vorsitzende der Arzneimittelkommission, Professor Bruno Müller-Oerlinghausen, am Montag in Berlin in einem dpa-Gespräch. Das große Sortiment an Mitteln müsse auch ausgeschöpft werden. "Nach meiner Meinung sollte eine Substanz wie Celebrex am Markt bleiben unter der Voraussetzung, dass sie tatsächlich nur eingeschränkt und mit ärztlicher Vernunft verordnet wird."

Sammelklagen

Unterdessen sind die ersten Sammelklagen gegen Pfizer eingereicht worden. Die beiden US-Anwaltskanzleien Finkelstein, Thompson & Loughran und Wolf Haldenstein Adler Freeman & Herz LLP werfen dem Unternehmen vor, im Zeitraum 1. November 2000 bis 16. Dezember 2004 irreführende und unrichtige Äußerungen bezüglich der Sicherheit der Medikamente Celebrex und Bextra veröffentlicht zu haben.

Zudem kündigte Pfizer am Montag an, die Werbung für Celebrex mit sofortiger Wirkung zu stoppen. Wie die "New York Times" am Montag in ihrer Onlineausgabe mit Berufung auf eine Pfizer-Sprecherin berichtete, sind TV, Radio und Print sowie andere Verkaufsförderungen betroffen. Der Zeitung zufolge hat der US-Pharmariese in den ersten neun Monaten 2004 71 Mill. Dollar für Celebrex-Werbung ausgegeben.

FDA: Noch Keine Entscheidung ZU Celebrex

Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat dem Aussetzen der Werbung nach Angaben der Sprecherin zugestimmt. Die FDA sehe dies als angebrachten Schritt an, zitiert die Zeitung die Sprecherin.

Angaben vom Freitag zufolge verfügt die Behörde noch nicht über genügend Daten für eine abschließende Bewertung von Celebrex. Bislang lägen nur vorläufige Ergebnisse vor, hatte die Behörde in New York mitgeteilt. Die FDA werde die Forschungsarbeit so schnell wie möglich fortsetzen. Vorläufig empfahl die Behörde Ärzten unter anderem, möglichst auf alternative Medikamente zurückzugreifen.

Aktie Weiter Unter Druck

Die europäischen Pharmawerte haben sich bereits etwas von den hohen Verlusten nach der Pfizer-Studie erholt", sagte ein Börsianer. Nach den hohen Verlusten am Freitag ging es für am Montag Pfizer weiter nach unten. Die Aktien fielen gut eine halbe Stunde nach Börseneröffnung um 1,63 Prozent auf 25,33 Dollar.

Pfizer hat mit Bextra, das als Nachfolgeprodukt zu Celebrex gehandelt wird, 2003 einen Umsatz von 687 Mill. Dollar verbucht. Celebrex selbst spülte Pfizer im selben Zeitraum 1,883 Mrd. Dollar in die Kassen.

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