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Experten warnen vor Risiken der digitalisierten Gesellschaft

Mit der Abhängigkeit der Hochtechnologieländer von der Informations- und Kommunikationstechnik wachsen auch die Gefahren, die diese in sich birgt. Experten befürchten, dass Hacker-Attacken, wie die Verbreitung des "I-Love-You"-Virus erst der Anfang einer Serie weiterer Angriffe auf die IT-Sicherheit sind. Sie fordern deshalb umfassendere und vor allem einheitliche Standards, um die Sicherheit auf dem IT-Sektor zu gewährlleisten.

Auf der Tagung "IT-Sicherheit in der Informationsgesellschaft", die am Mittwoch in Münster stattfand, nahmen sich Experten aus dem In- und Ausland des aktuellen Themas an. Das Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht (ITM) an der Uni Münster, das gemeinsam mit dem Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik die Tagung veranstaltete, ergründet in seinen Forschungen vor allem die Möglichkeiten zur Kontrolle globaler Computernetze.

Die Ergebnisse ihrer Arbeit präsentierten die Teilnehmer der Tagung in Form von rechtspolitischen Forderungen. Denn vor allem rechtliche Schwierigkeiten und föderative Strukturen behinderten dabei nach Ansicht der Experten wirksame Maßnahmen, die die globalen Probleme der IT-Sicherheit lösen könnten.

Zwar enthalte das Grundgesetz keine Vorschriften, die den Schutz ziviler Infrastrukturen regeln. Dennoch müsse der Staat den Gefahren, die Cyberspace und globale Vernetzung mit sich bringen, mit rechtlichen Regelungen entgegenwirken.

Das Ziel jeglicher Maßnahmen zur IT-Sicherheit sehen die Experten in einem "verfassungsverträglichen Einsatz der Informationstechnologien". Der Staat könne hier den Rahmen vorgeben, um dann in Union mit privaten Organisationen die Palette an Schutzmaßnahmen "auszufüllen".

Wirksame Maßnahmen versprechen sich die Experten dabei nur von einem "ganzheitlichen System der Früherkennung und Sammlung von Informationen im Bereich IT-Sicherheit". Dabei denken sie konkret an die Einrichtung länder-übergreifender Arbeitsgruppen nach dem Vorbild der "Regulatory Watchdogs" in Großbritannien, die sich eine gründliche, neutrale und vorurteilsfreie Medienberichterstattung auf die Fahnen geschrieben haben. Viele dieser Gruppen arbeiten nach dem Prinzip der freiwilligen Selbstkontrolle.

Da eine solche freiwillige Selbstkontrolle nicht auf der Ebene globaler Systeme zu realisieren ist, fordern die Experten die Einrichtung von übergeordneten Regulierungsbehörden oder die Umformung bereits bestehender Arbeitsgruppen. Denkbar sei, die Kompetenzen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik zu erweitern oder die Task Force von Innenminister Schily in eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe für IT-Sicherheit umzuformen.

Doch ist staatliche Regulierung allein für die Experten keine ausreichende Antwort auf die Herausforderungen der vernetzten Gesellschaft. Zwar müsse der Staat auch auf dem Gebiet IT-Sicherheit seinen Schutzauftrag erfüllen. Doch um Widerständen gegen einen möglichen Eindruck von staatlicher Allgewalt zuvorzukommen, müsse ebenso der private Sektor einbezogen werden. Dem IMT schweben Partnerschaften zwischen öffentlichen und privaten Institutionen vor, die durch den "Austausch von Informationen" eine höhere Effizienz auf dem Gebiet der IT-Sicherheit erreichen können.

Auch auf internationaler Ebene müssten einheitliche Mindeststandards geschaffen werden. Denn die Risiken einer digitalisierten Gesellschaft machen nicht vor Ländergrenzen Halt.



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