Experten warnen vor Spekulationsblase
US-Bonds steigen in ungeahnte Höhen

Für Wall-Street-Urgestein Barton Biggs von der Investmentbank Morgan Stanley ist die Sache klar. "An den US-Anleihemärkten blubbert eine Spekulationsblase wie bei High-Tech-Aktien im Frühjahr 2000", urteilt er. Rund 10 % Kursgewinn brachten ultrakonservative US-Treasuries seit Ende März.

NEW YORK. Die Renditen, die sich gegenläufig zu den Kursen bewegen, liegen nahe bei einem 50-Jahres-Tief. Aber nicht jeder Experte spricht von einer Spekulationsblase. Denn der Trend wird gestützt durch die mächtigste Institution an den internationalen Finanzmärkten - die US-Notenbank (Fed). "Die Fed hat klar gemacht, dass sie die Zinsen dauerhaft niedrig halten wird, und damit drückt sie gezielt die Anleiherenditen nach unten", sagt Strategin Sarah Franks von der Investmentbank Merrill Lynch.

Fed-Chef Alan Greenspan braucht niedrige Zinsen, um die aktuelle Konjunkturflaute in den USA zu bekämpfen. Billige Kredite sollen Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, ihre Ausgaben zu steigern und so die Wirtschaft endlich in Schwung zu bringen.

Hinzu kommt ein zweiter Effekt: Asiatische Notenbanken kaufen derzeit massiv US-Staatsanleihen und treiben dadurch die Kurse höher. "Mit dem Verkauf der eigenen Währung gegen Dollar versuchen die Asiaten, den Fall des Dollarkurses an den Devisenmärkten zu stoppen", sagt Merrill-Analystin Franks. Weil ein schwacher Dollar die asiatischen Exporte im Ausland verteuert, sei eine Trendwende kurzfristig nicht zu erwarten.

Auch von Seiten der Fed erhalten Anleiheinvestoren wohl vorerst weitere Unterstützung. Deflation heißt das Angstwort, das die US-Notenbanker derzeit stark beschäftigt. "Wenn nötig, wird Greenspan nicht nur die kurzfristigen Zinsen weiter senken, sondern auch die Rendite länger laufender Papiere niedrig halten - zum Beispiel durch den Kauf von US-Staatsanleihen", sagt der Volkswirt eines großen USHedge-Funds.

Die Mehrheit der Marktteilnehmer erwartet inzwischen, dass Greenspan die Fed Funds Rate, die momentan bei 1,25 % liegt, bis Ende Juni erneut senkt. Und falls die erhoffte Erholung der US-Wirtschaft nicht eintritt, könnte die Notenbank auch versuchen, die langfristigen Zinsen nach unten zu drücken. Für Anleiheinvestoren würde das weitere Kursgewinne bedeuten.

Das größte Risiko für US-Staatsanleihen liegt in einem Erfolg der Fed-Politik. Steigt nämlich das Wirtschaftswachstum, dann werden auf kurz oder lang auch die Zinsen aufwärts tendieren - und Kursverluste für Anleihen mit sich bringen. "Die hohe Kunst für Anleiheinvestoren ist, den richtigen Zeitpunkt zum Ausstieg zu bestimmen", sagt der Hedge-Fund-Experte.

Kurzfristig können die Renditen durchaus weiter fallen. HSBC-Chefvolkswirt Stephen King erwartet einen Rückgang der Rendite zehnjähriger US-Treasuries auf 2,5 %. Sollte die lang ersehnte Konjunkturerholung aber eintreten, könnte Barton Biggs Vision einer platzenden Spekulationsblase zutreffen.

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