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Experten warnen vor Terror auch in Deutschland

Nach dem blutigen Geiseldrama im russischen Beslan haben führende Unions-Politiker und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) vor möglichen Terroranschlägen auch in Deutschland gewarnt.

dpa BERLIN. Nach dem blutigen Geiseldrama im russischen Beslan haben führende Unions-Politiker und die Gewerkschaft der Polizei (GdP) vor möglichen Terroranschlägen auch in Deutschland gewarnt.

Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) sagte dem Berliner "Tagesspiegel": "Auch Deutschland kann in der ersten Linie terroristischer Ziele liegen." Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" haben zwei von drei Deutschen Angst vor Anschlägen. GdP-Chef Konrad Freiberg warf der Politik vor, die Gefahr zu verharmlosen. Das Innenministerium wies dies am Sonntag zurück.

Die Bundesregierung unterschätze die Terrorgefahr nicht, sagte ein Ministeriumssprecher in Berlin. "Wir sagen seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in den USA, dass Deutschland Teil eines Gefahrenraumes ist." Zur Zeit gebe es aber keine Hinweise auf konkret geplante Anschläge. Auch der SPD-Sicherheitsexperte Hans-Peter Kemper sieht keine Gefahr für einen konkreten Anschlag. Die Vorfälle im Kaukasus seien aber "ein Signal, um in besonderer Weise wachsam zu sein", sagte er der dpa. Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) sagte der dpa: "Wir stehen zu unseren eingegangenen Verpflichtungen und werden uns weiter einsetzen."

Laut "Bild am Sonntag" befürchten deutsche Sicherheitsdienste, dass tschetschenische Terroristen in Zukunft auch russische Einrichtungen im Ausland und Botschaften angreifen. Ob damit auch Einrichtungen in Deutschland bedroht sind, wurde nicht präzisiert.

Unions-Fraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) sagte dem "Tagesspiegel", die Gefahr durch den internationalen Terrorismus werde "in Deutschland eher unter- als überschätzt". GdP-Chef Freiberg sagte der "Leipziger Volkszeitung": "In nahezu allen Fällen großer internationaler Terroranschläge der jüngeren Zeit gibt es deutliche Beziehungen nach Deutschland."

Die Lehre aus Beslan ist laut Beckstein: "El Kaida wurde nicht zerstört, die Kooperation gefährlicher Gruppen funktioniert weiter." Bosbach schloss nicht aus, dass Deutschland für Terroristen "vom Ruhe- zum Aktionsraum" wird. Von den Attentaten der vergangenen Jahre führten Spuren nach Deutschland. Dies gelte für den 11. September, die Anschläge von Bali und Djerba ebenso wie für die Geiselnahme im Moskauer Musicaltheater 2002.

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