Experten warnen vor übertriebenen Hoffnungen
Rally macht den Anlegern Mut

Investoren hoffen auf den lang erwarteten Aktien-Aufschwung. Angesichts starker politischer und konjunktureller Unsicherheiten sehen Analysten jedoch noch nicht den Beginn einer neuen Hausse.

Wichtige Konjunkturdaten in der kommenden Woche

FRANKFURT/M. Die allgemeine Verunsicherung der Anleger dürfte auch in dieser Woche kein Ende finden. Zu stark sind die Auswirkungen der jüngsten Beben an den Aktien- und Devisenmärkten. Nachdem die Aktienindizes nicht nur die Tiefs vom September 2001 getestet, sondern teils sogar darunter gefallen sind, stellen sich Experten die Frage, ob Aktien ihren Ruf als attraktivste Anlageinstrumente verloren haben.

Noch immer sind die großen Kapitalsammelstellen mit der Feststellung der Schäden beschäftigt, die durch die jüngsten kräftigen Erschütterungen der Finanzmärkte ausgelöst wurden. Obwohl es am Freitag weltweit zu einer kräftigen Erholung der Aktienkurse kam und auch Gold nicht mehr den Glanz vergangener Wochen aufwies, ist der Glaube an eine rasche und nachhaltige Erholung der Aktienkurse eher gering. Die Goldhausse hatte zuvor Ängste vor einer weltweiten Krise geschürt. Finanzmarkt-Analysten zeigen immer mehr Fragezeichen auf. Von einer "nagenden Unsicherheit" sprechen Analysten der Landesbank Rheinland-Pfalz. Die Nerven der Anleger würden durch die Angst vor exogenen Schocks (Bilanzskandalen und neuen Terror-Attacken) strapaziert. Wachsende Bonitätsbedenken im TMT-Sektor und Sorgen über eine eventuell drohende Kreditverknappung für hoch verschuldete Unternehmen zwingen die Anleger zu einer defensiven Grundhaltung.

Unsicherheit dominiert

Unsicherheit herrscht bei Ökonomen und Analysten in der Frage, ob die Finanzmärkte ihre Zuverlässigkeit bei der Prognose künftiger realwirtschaftlicher Trends aufgrund nur schwer zu prognostizierender Ereignisse der Vergangenheit (Platzen der spekulativen Blase in den TMT-Industrien und Terroranschläge in den USA) verloren haben. Traditionell laufen die Kurse an den Finanzmärkten der Konjunktur um sechs bis neun Monate voraus. Derzeit fallen die Konjunkturprognosen besser als zum Jahresbeginn aus, während die Aktienkurse die Tiefs vom September 2001 testen. "Entweder irren sich die Märkte oder aber die Konjunkturbeobachter sind zu optimistisch", folgert Eberhardt Unger, Chef-Analyst von SEB Research.

Die in dieser Woche zur Veröffentlichung anstehenden Konjunktur- und Unternehmensdaten dürften kurzfristig zwar Antworten auf einige der gestellten Fragen bringen, Aufschlüsse über mögliche grundlegende veränderte Strömungen in der Weltwirtschaft und im Anlageverhalten der Kapitalsammelstellen sind jedoch kaum zu erwarten. Die gilt wohl auch für die Lage am Devisenmarkt. Denn nachdem mit Vivendi Universal auch in Europas Wirtschaft ein erster Bilanzierungs-Skandal zu verzeichnen ist, fügte die Angst vor einer Ausbreitung dieses Bazillus auf "Corporate Europe" zuletzt dem Euro Schaden zu.

Es gebe unter dem Strich kaum Anlass, das Szenario einer globalen Konjunkturerholung in Frage zu stellen, hieß es in Bankenkreisen. "Der Vertrauensverlust bei Anlegern ist mittlerweile so groß, dass die Börsen bereits von einer Glaubwürdigkeitslücke sprechen", diagnostiziert die DZ Bank. Die große Frage sei, zu welchem Zeitpunkt die Aktienmärkte mit Pessimismus so stark gesättigt seien, um den Weg für eine starke Rally freizumachen. "Der Punkt einer Umkehr liegt vielleicht näher als allgemein angenommen wird", machen die Analysten der DZ Bank den Anlegern Mut.

So kommt den in nächster Zeit zur Veröffentlichung anstehenden Konjunkturdaten große Bedeutung zu. In dieser Woche wird u.a über das Bruttoinlandsprodukt und die Industrieproduktion in der Euro-Zone sowie zur Inflation in den USA und in Europa berichtet. Interesse der Beobachter gilt auch der Automobilindustrie. Von den Unternehmen dieser globalen Schlüsselbranche legen Ford, Renault und Saab aktuelle Zahlen vor. Bevor Daimler-Chrysler in der nächsten Woche über die aktuelle Lage berichtet, könnten erste Fakten des weltweit größten Autobauers eventuell bereits auf einer Pressekonferenz zur 100-Jahr-Feier des Werks Berlin bekannt werden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%