Experten warnen vor zu komplizierten Konstruktionen
Dachfondsidee erreicht jetzt auch den Markt für Zertifikate

Die Deutsche Bank macht es vor, Experten vermuten, dass andere Institute folgen: Dachfonds vergleichbar, bieten neue Produkte Investments in Fonds-Zertifikate an.

DÜSSELDORF. Es ist fast so wie bei dem guten alten, mittlerweile aber eingestellten Comic-Heft "Yps". Immer zur Sommerzeit packte der Verlag mehrere alte Hefte in eine Tüte und verkaufte sie zum Sammelpreis. Das Unternehmen bekam so das Lager leer und der "Yps"-Freund vielleicht das eine oder andere verpasste Heft, inklusive den beliebten "Gimmicks". Einen ähnlichen Weg beschreitet jetzt auch die Deutsche Bank. Unter dem Namen "Xavex Top 5 Zertifikat" bietet das Institut gleich fünf alte Bekannte. Experten erwarten, dass andere Banken dem Beispiel folgen könnten.

Wer in das "Xavex Top 5 Zertifikat" (WKN 671 471) investiert, verteilt sein Geld auf fünf Zertifikate, von denen die meisten ihre Aktien nach einem Value-Ansatz auswählen, also auf unterbewertete Substanztitel setzen. Das enthaltene "World Leader Zertifikat" enthält etwa 30 weltweite Blue Chips mit hoher Dividendenrendite, das "Euro Vision Zertifikat" Werte aus der Eurozone mit niedrigem Kurs-Gewinnverhältnis und Waschstumspotenzial. Bei einer Europa-Gewichtung von 61 % ist die Gesamtanlage stark auf den alten Kontinent fokussiert, die USA nehmen 27 % und Japan 12 % ein. "Wir ermöglichen dem Anleger eine einfache und preisgünstige Streuung seines Investments", sagt Produktentwickler Joachim Rohrmann von der Deutschen Bank.

"Besser sehr gute Fonds auswählen"

Die Idee, mit dem Kauf einer Anlageform Fonds gleich in mehrere andere zu investieren, ist in der Welt der Investmentfonds schon lange bekannt. Hier heißen diese Produkte Dachfonds. Ein Fondsmanager bemüht sich dabei, durch die Auswahl attraktiver Einzelfonds die Performance zu optimieren. In der Branche genießen Dachfonds jedoch einen umstrittenen Ruf. "Diese Produkte liegen in der Regel schlechter als die besten Einzelfonds", sagt Kai Wicking, Fondsanalyst bei Morningstar. Am schlechtesten schnitten Fonds ab, die nur auf Produkte aus dem eigenen Haus setzen. "Oft fährt der Investor besser, wenn er den Einfluss auf die Einzelanlage nicht delegiert, sondern selber gute Fonds auswählt".

Für Branchenbeobachter Christian Röhl vom Zertifikatejournal ist diese Aussage auch auf Zertifikate übertragbar. "Bei der Einzelauswahl können Anleger verschiedene Investmentstile zudem besser miteinander kombinieren." Dafür müsse aber die Anlagesumme groß genug sein. "Wer in fünf verschiedene Zertifikate investieren will, sollte insgesamt mindestens 10 000 Euro mitbringen, sonst fallen die Transaktionskosten zu stark ins Gewicht". Bei kleineren Beträgen könne es daher durchaus Sinn machen, in das "Top 5 Zertifikat" zu investieren - sofern der Investor tatsächlich den derzeitigen Zustand der Aktienmärkte als günstige Einstiegschance bewertet, was Röhl nicht so sieht.

Dirk Schernikau, Marketingexperte beim Börsenmakler Spütz, warnt davor, durch zu komplizierte Konstruktionen der Zertifikateidee zu schaden. "Ein wichtiger Vorteil der Zertifikate ist ihre einfache Funktionsweise. Bei komplexen Produkten besteht die Gefahr, dass die Anleger die Funktionsweise überhaupt nicht verstehen."

Für Unverständnis dürfte bei so manchem Anleger die bisher vorliegende Produktbroschüre des Top-5-Zertifikats sorgen. Hier argumentiert die Bank mit einer Outperformance der Einzelzertifikate von 3,8 % gegenüber Vergleichsindizes. Sie verzichtet allerdings darauf, den betrachteten Zeitraum zu nennen und liefert damit eine wertlose Aussage. Auch die Laufzeit des Zertifikats (30.11.06) ist in dem Blatt nicht zu finden.

Auf der Kostenseite zeigt sich die Deutsche Bank dagegen kundenfreundlich. Im Gegensatz zu den meisten Dachfonds ist das "Dachzertifkat" nicht mit höheren Gebühren versehen. Der Investor zahlt lediglich die Verwaltungsgebühren der fünf Einzelzertifikate - im Schnitt 1,2 % pro Jahr. Dividenden werden angerechnet, was in der Zertifikatebranche durchaus keine Selbstverständlichkeit ist.

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