Expertenanhörung
Cargolifter-Projekt ist technisch machbar

Der Insolvenzverwalter und die Vorstandsspitze der zahlungsunfähigen Cargolifter AG halten trotz anhaltender Probleme das Luftschiffbau-Projekt grundsätzlich für technisch machbar.

Reuters BERLIN. Einen Tag nach einer Expertenanhörung zitierte Cargolifter seinen Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Schneider am Freitag mit den Worten, dass die "angeregte, stellenweise kontroverse Diskussion keine grundlegenden Zweifel an der technischen Machbarkeit identifiziert habe". "Die Diskussion hat deutlich gemacht, welche anspruchsvolle Aufgabe sich das Cargolifter-Team vorgenommen hat, und dass auf vielen Gebieten ein großer Teil des Weges noch vor uns liegt", sagte Schneider den Angaben zufolge am Donnerstag zum Abschluss der Expertenrunde. Das Unternehmen kündigte an, ein kleineres Luftschiff als das bisher geplante CL 160 zu entwickeln.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Rolf-Dieter Mönning habe bilanziert, dass mit dem positiven Ergebnis des Hearings eine hervorragende Basis für die nun anstehenden Gespräche mit potenziellen Investoren, Banken und der öffentlichen Hand geschaffen worden sei, hieß es weiter. Bund und Land hatten zuletzt wegen Zweifeln an der technischen und finanziellen Machbarkeit des Projektes Gelder für Cargolifter abgelehnt.

30 Experten angehört

Etwa 30 Luftschiff-Experten und System-Spezialisten hatten sich nach Unternehmens-Angaben am Donnerstag während der mehr als achtstündigen Anhörung zum technischen Konzept und zur Machbarkeit des so genannten Leichter-als-Luft-Projektes geäußert. Während die Fachleute in einigen Bereichen wie beim Ausgleich des Masseverlustes beim Treibstoffverbrauch noch "grundlegenden Forschungsbedarf" ermittelt hätten, seien Bereiche wie der Blitzschutz "offensichtlich weitestgehend geklärt", hieß es.

Aus Teilnehmerkreisen verlautete, auch bei der Enteisung gebe es einen guten Entwicklungsstand. Probleme gebe es aber wohl auch noch bei der Ballonaußenhülle. "Man hat den Eindruck, dass vieles noch in der frühen konzeptionellen Phase ist." Bei der Anhörung sei auch deutlich geworden, dass es Defizite in der Projektsteuerung und in der Integration verschiedener Systeme gebe. Das Zusammenspiel einzelner Entwicklungsarbeiten bei Cargolifter sei in der Vergangenheit nicht optimal verlaufen, hieß es in den Kreisen.

Schrittweises Vorgehen

Wegen der Finanzkrise hatte Cargolifter die Entwicklung des Luftschiffes CL 160, das Lasten von 160 Tonnen transportieren und punktgenau absetzen soll, im Frühjahr auf Eis gelegt. Prinzipiell will das Unternehmen an dem Projekt, das als Flaggschiff gilt, festhalten, kündigte aber an, sich künftig zunächst auf Bau und Vertrieb des unbemannten Transportballons CL 75 zu konzentrieren.

Firmen-Chef Schneider sieht sich den Angaben zufolge durch die Ergebnisse der Experten-Anhörung in "seinem Ansatz eines schrittweisen Vorgehens" bestätigt. Das Ziel, das Luftschiff CL 160 zu bauen, solle über mindestens einen Zwischenschritt in Form eines als Demonstrator- und Entwicklungsplattform konzipierten kleineren Luftschiffs erreicht werden. Wie dies konkret aussehen solle, sei noch unklar, sagte eine Cargolifter-Sprecherin. In Teilnehmerkreisen hieß es: "Man will gucken, dass man das Ganze funktionstüchtig auch im praktischen Funktionsnachweis zu Stande bringt." Damit sollten zugleich die Ambitionen herunterschraubt werden, dass das Luftschiff 160 Tonnen bewegen müsse. "Weniger ist auch in Ordnung", hieß es.

Im Juni hatte die Cargolifter-Mutter wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz beantragt, einige Tochtergesellschaften mussten ihrem Beispiel folgen.

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