Expertenmeinung
Aktienanlage boomt wegen Altersvorsorge und Internet

dpa BERLIN. Geldanlagen in Aktien werden in Deutschland auf Grund der zunehmenden privaten Altersvorsorge und neuer Internet- Angebote nach Meinung von Börsenexperten rasant wachsen. "Der deutsche Aktienmarkt ist ein boomender Markt", sagte der Chef des Deutschen Aktieninstituts, Prof. Rüdiger von Rosen, am Donnerstag in Berlin.

Im ersten Halbjahr dieses Jahres sei die Zahl der Aktionäre um rund 25 % gestiegen. Mit einer Aktionärsquote von knapp 18 % liege Deutschland aber immer noch hinter Ländern wie den USA und Großbritannien. Dort habe jeder zweite Haushalt direkt oder indirekt in Aktien investiert, sagte von Rosen auf dem Kongress des internationalen Aktionärsverbandes WFIC. Dieser betreut weltweit über eine Million Anleger in 16 nationalen Vereinigungen.

Der typische deutsche Aktionär zu Beginn des 21. Jahrhunderts ist laut von Rosen zwischen 30 und 40 Jahre alt, männlich, lebt in West- Deutschland und hat ein Monatsverdienst zwischen 6 000 und 8 000 DM. Heutige Kleinaktionäre hätten im Internet-Zeitalter wesentlich höhere Bedürfnisse. Sie forderten mehr Transparenz, schnelle Informationen und niedrige Abwicklungskosten. Darauf müssten Unternehmen, Banken und Börsen reagieren, erklärte von Rosen. "Banken und Finanzdienstleister werden in der Zukunft nur wettbewerbsfähig sein, wenn sie Privatanlegern einen schnellen Marktzugang und niedrige Transaktionskosten bieten."

Das Aktieninstitut unterstützte nachdrücklich Forderungen nach einem Schulfach Wirtschaft. So könne verhindert werden, dass Anleger auf dubiose Investments hereinfallen. Im Zuge der Steuerreform tauchten Angebote des "Grauen Kapitalmarktes" in neuem Gewand auf.

Investmentclubs sind lukrativ

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) warb für Investmentclubs, in denen sich mehrere Kleinaktionäre zusammenschließen. Die jeweils relativ kleinen Beträge der Anleger könnten gebündelt und so höhere Erträge erzielt werden, sagte DSW - Präsident Roland Oetker. Auch könnten die Mitglieder eines Investmentclubs voneinander lernen.

In Deutschland gibt es derzeit den Angaben zufolge weit über 5 000 Investmentclubs mit einem durchschnittlichen Volumen von 100 000 DM. Die Idee des Investmentclubs ist über 100 Jahre alt und stammt aus den USA. Dort gibt es schätzungsweise 37 000 Investmentclubs. In Deutschland ist die DSW Dachorganisation der Clubs.

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