Expertenmeinung
Konjunktur wird kaum unter Bundeswehr-Einsatz leiden

Ein Einsatz deutscher Soldaten im Afghanistan-Konflikt dürfte nach Einschätzung von Volkswirten kurzfristig kaum negative Auswirkungen auf die Konjunktur in Deutschland haben. "Eine solche Situation stachelt die Verbraucher natürlich nicht zu Ausgaben an, aber ich kann die Entsendung einiger Soldaten auch nicht als großes Konjunkturrisiko ausmachen", sagte Volker Nitsch von der Bankgesellschaft Berlin.

Reuters FRANKFURT. Nur falls der Einsatz zu einem Debakel werde, lange dauere, viele Soldaten umkämen und die Presse entsprechend darüber berichte könnte die Nachfrage leiden. "Das könnte dann das Konsumklima schwächen. Davon sind wir aber noch weit entfernt", sagte Nitsch.

"Prinzipiell wird durch einen solchen Einsatz natürlich nicht unbedingt das Konsumentenvertrauen belebt", sagte Nitsch weiter. Allerdings habe sich auch der Balkan-Einsatz der Bundeswehr nicht nachhaltig auf die deutsche Konjunktur ausgewirkt. Die Situation im Afghanistan-Konflikt sei für die deutschen Soldaten zwar riskanter, jedoch werde dadurch das Verbrauchervertrauen nicht sofort nachhaltig geschwächt. Man müsse zunächst abwarten, wie sich die Situation entwickle.

Uwe Angenendt von der BHF Bank erwartet vorerst ebenfalls keine größeren Konsequenzen für das Verbrauchervertrauen, das als wichtiger Indikator für den Konsum und damit die konjunkturelle Entwicklung gilt. "Der unmittelbare Effekt wird zunächst relativ begrenzt sein", sagte er. Bei einer Eskalation in der Krisenregion könne sich das zwar ändern, aber generell reagierten die Verbraucher eher auf die Gesamtlage. Auch für die Rüstungsindustrie erwarte er kaum weitere positive Effekte. Die Aktien der Rüstungsbetriebe seien bereits mit Beginn der US-Angriffe in Afghanistan gestiegen, mit sehr viel größeren Kursgewinnen sei derzeit nicht zu rechnen.

Auch Nitsch geht davon aus, dass die Rüstungsindustrie wirtschaftlich kaum von einem Einsatz deutscher Soldaten profitieren könnte, da wohl nicht merklich mehr Panzer oder Flugzeuge geordert würden. "Der Rahmen ist zu klein, als dass dies gesamtwirtschaftliche Effekte haben könnte", erklärte der Volkswirt. Anders sei die Situation in den USA, deren Armee massiv in der Krisenregion aufmarschiert sei und wo sich über die Zahl der abgeschossenen Marschflugkörper und Raketen relativ exakt die Effekte für die Rüstungsindustrie ausrechnen ließen.

Auch dass Deutschland durch eine unmittelbare Beteiligung an dem Militäreinsatz verstärkt zu einem Ziel für Anschläge werden könnte, dürfte das Verbrauchervertrauen wenn überhaupt nur geringfügig beeinflussen, prognostizierte Nitsch. Deutschland habe als Nato-Mitglied den USA bereits militärische Unterstützung zugesagt. Daher steige zwar das Risiko für Anschläge in Deutschland, grundsätzlich ändere sich an der deutschen Position jedoch nichts. "Wir sind im Grunde genommen schon mit im Boot".

Bundeskanzler Gerhard Schröder kündigte in Berlin an, die Bundesregierung werde gemäß einer Anforderung der USA bis zu 3900 Soldaten für einen Einsatz bereitstellen. Die USA hätten Elitesoldaten, ABC-Spürpanzer, Kapazitäten für den Lufttransport und Evakuierung sowie Seestreitkräfte angefordert. Am Mittwoch werde er dem Kabinett einen entsprechenden Beschluss vorlegen.

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