Expertenrat von BNT-Consulting
20 Fragen und Antworten zum Immobilienerwerb in Tschechien

A. Generelles B. Zum Verfahren C. Zu den Kosten D. Zum Grundbuch E. Zur Sicherung des Grundstücks F. Zu Belastungen/Risiken G. Zum Baurecht H. Sonstiges

A. Generelles

1. Kann ein Ausländer als natürliche oder juristische Person überhaupt Immobilien erwerben?

Mit Einschränkungen: Ja. Hierbei gibt es nach tschechischer Rechtslage jedoch einige Besonderheiten zu beachten.

"Immobilien" nach tschechischem Recht sind "Grundstücke und mit der Erde fest verbundene Bau-werke". Allerdings wird zwischen den Eigentumsrechten am Grundstück und denen am Gebäude un-terschieden. Mit dem Erwerb des Grundstücks erhält man daher nicht auch das Eigentum am darauf stehenden Gebäude. Wohnungen und gewerbliche Räume sind wiederum separat eigentumsfähig, die für Immobilien einschlägigen Vorschriften finden größtenteils entsprechende Anwendung.

Für Ausländer ergeben sich Einschränkungen beim Immobilenerwerb. Maßgeblich ist dabei der Beg-riff des Devisenausländers. Devisenausländer ist, wer keinen ständigen Wohnsitz und keine unbefristete Aufenthaltserlaubnis in der Tschechischen Republik hat, bzw. die nicht in der Tschechischen Republik ansässige und registrierte juristische Person.

Für Devisenausländer ist der Immobilienerwerb noch auf bestimmte Ausnahmen beschränkt. Unter anderem kann durch Erbschaft erworben werden oder vom Ehegatten, den Eltern oder Großeltern. Auch der Tausch gegen eine andere tschechische Liegenschaft, die bereits im Eigentum des Devisen-ausländers steht, ist möglich. Spezialgesetze können weitere Ausnahmen regeln.

Eine solche Ausnahme ist der Erwerb durch eine ausländische juristische Person. Dies setzt allerdings eine rechtmäßige unternehmerische Tätigkeit und eine Zweigstelle im Inland voraus. Diese muss im Handelsregister eingetragen sein. Nicht abschließend geklärt ist, ob dieses Recht auf den Erwerb der für den eigenen Betrieb erforderlichen Immobilien beschränkt ist. Der Gesetzeswortlaut ließe jedenfalls den unbeschränkten Erwerb zu. Für Land- und forstwirtschaftliche Flächen gilt diese Ausnahme jedoch nicht.

Deviseninländer können unbeschränkt Immobilien erwerben. Eine nach tschechischem Recht gegründete und dort eingetragene juristische Person gilt auch dann als inländisch (Deviseninländer), wenn ihr Kapital oder ihre Gesellschafter aus dem Ausland stammen.

2. Gibt es Besonderheiten beim Immobilienerwerb von der öffentlichen Hand?

Für den Erwerb staatlicher Immobilien bestehen Sonderregelungen, die in der Regel eine öffentliche Ausschreibung voraussetzen. Im Übrigen bedarf es der Zustimmung der jeweils betroffenen Ministe-rien oder der Regierung. Der Preis muss grundsätzlich gleich oder höher sein, als der aufgrund der gesetzlichen Bewertungsvorschriften zur Festsetzung der Steuerschuld ermittelte Wert.

Beim Erwerb von einer kommunalen Gebietskörperschaft, also von einer Gemeinde oder einem Bezirk, sieht das Vergabeverfahren ebenfalls vor, dass zunächst die Veräußerungsabsicht öffentlich bekannt zu machen ist. Die Veräußerung bedarf dann noch der vorherigen Zustimmung durch den Gemeinde- bzw. Bezirksrat.

3. Welche Institutionen können mir dabei helfen, ein geeignetes Grundstück zu finden?

Erste Hilfestellung bei der Suche nach einem verlässlichen Partner können die Botschaften oder Wirt-schaftsverbände und-vereinigungen bieten. Zu nennen sind vor allem die Deutsch Industrie- und Handelskammer, -Tschechische die Tschechische Rechtsanwaltskammer oder der Bundesverband Deutscher Unternehmer in der Tschechischen Republik und - last but not least - der Verband der Immobilienmakler Böhmens, Mährens und Schlesiens.

Hilfe für Investoren bietet auch die staatliche Investitionsagentur. Bei der Suche nach geeigneten Investitionsstandorten kann es auch lohnend sein, direkt mit entsprechenden Gemeinden in Kontakt zu treten, da diese in der Regel ein Interesse daran haben Investoren zu unterstützen.

4. Wie kann ich sicherstellen, dass ich für ein Grundstück einen angemessenen und nicht zu hohen Marktpreis zahle?

Hier ist eine genaue Marktanalyse im Einzelfall erforderlich, weil die regionalen Preisunterschiede sehr groß sein können.

Einen Anhaltspunkt bietet der gutachterlich zu ermittelnde Verkehrswert des Grundstücks. Aus steuer-lichen Gründen ist dieser nach den geltenden Bewertungsvorschriften zu taxieren, die internationalen Maßstäben entsprechen. Der davon zu unterscheidende Kaufpreis bleibt allerdings Verhandlungssache. Besonderheiten gelten beim Kauf von der öffentlichen Hand (siehe Frage 2).

Soweit der Kaufpreis durch die Vermietung des Objekts mitbestimmt wird ist zu beachten, dass bei Wohnungen Mietpreisbindungen bestehen können. Gewerbliche Mieten, sind seit der Wirtschaftskrise 1998 zwar gefallen, gleichwohl haben sie noch immer ein hohes Niveau.

B. Zum Verfahren

5. Wie ist das Verfahren bei dem Erwerb von Grundstücken? Wie lange dauert es in der Regel? Wird das Eigentum nur durch den Vertragsabschluß übertragen oder ist zusätzlich die Eintragung ins Grundbuch notwendig?

Notwendig zur Eigentumsübertragung an einem Grundstück ist zunächst der Abschluss eines Kauf-, Tausch-, oder Schenkungsvertrages. Der Eigentumserwerb erfolgt dann durch die konstitutive Eintragung in das Liegenschaftskataster. Diese wirkt zurück auf den Tag der Antragstellung.

Der jeweilige Vertrag ist für die Parteien verbindlich und muss für die Katastereintragung vorgelegt werden. Dabei ist es erforderlich, dass die Unterschriften der Vertragsparteien beglaubigt sind. Dies kann durch den, in der Regel tschechischen, Rechtsanwalt erfolgen, der den Vertrag aufgesetzt hat. Eine notarielle Beglaubigung ist möglich, jedoch nicht erforderlich. Die Beglaubigung kann auch durch einen deutschen Rechtsanwalt oder Notar erfolgen, dann bedarf es aber zusätzlich einer Überbe-glaubigung durch das Landgericht, der Apostillierung.

Die Eintragung in das Kataster erfolgt nur auf Antrag einer der Parteien. Das Katasteramt prüft daraufhin alle tatsächlichen Voraussetzungen für eine Eintragung, also ob die Unterlagen und Urkunden vollständig eingereicht und die Gebühren bezahlt sind. Ebenso erfolgt eine rechtliche Überprüfung, z.B. bezüglich der Berechtigung des Verfügenden.

Die Dauer des Verfahrens ist sehr unterschiedlich und hängt vom Einzelfall ab. Bei Routineanträgen und unproblematischen Rechtsverhältnissen ist mit einer Bearbeitungszeit von ca. einem Monat, bei komplizierten Fällen von mehreren Monaten zu rechnen.

6. Welche zwingenden Bestimmungen gibt es bei der Gestaltung des Grundstückskaufvertrages? Kann ein Rücktrittsrecht vereinbart werden?

Der Form nach muss der Grundstückskaufvertrag schriftlich in einer einheitlichen Urkunde verfasst und von beiden Parteien unterzeichnet werden. Zur Eintragung in das Kataster müssen die Unterschriften anwaltlich oder notariell beglaubigt werden (siehe Frage 5).

Inhaltlich muss der Vertrag die wesentlichen Punkte der Vereinbarung enthalten. Das ist zunächst die genaue Bezeichnung des Kaufgegenstandes und eine Auflistung von dessen Bestandteilen und des Zubehörs welches mit übereignet werden soll. Hieran stellt der Gesetzgeber besonders hohe Anforderungen. Des Weiteren muss der Vertrag den Kaufpreis beziffern, dabei sollten auch die Zahlungsmodalitäten geregelt werden. Schließlich sind die Parteien genau zu bezeichnen und Ort und Datum des Vertragsschlusses zu nennen.

Zweckmäßig ist es, eine Zusicherung des Verkäufers aufzunehmen, dass das Grundstück nicht mit Rechten Dritter belastet ist, bzw. so weit dies der Fall ist, diese genau zu benennen. Auch eine Regelung bezüglich möglicher Altlasten sollte getroffen werden.

Darüber hinaus sind die Parteien frei, im Rahmen ihrer Vertragsfreiheit weitere Nebenabreden zu tref-fen, dazu gehört auch das Rücktrittsrecht. Ebenso kann der Vertrag unter einer auflösenden oder aufschiebenden Bedingung geschlossen werden. Die Gesetzwidrigkeit des Vertrages hat dessen Ungültigkeit und damit die Nichteintragung durch das Katasteramt zur Folge.

7. Bestehen zu Gunsten der öffentlichen Hand gesetzliche Vorkaufsrechte? Können vertragliche Vorverkaufsrechte vereinbart werden?

Grundsätzlich hat die öffentliche Hand kein Vorkaufsrecht. Spezialgesetze können Ausnahmen enthalten, so z.B. bei denkmalgeschützten Gebäuden, die zu den nationalen Kulturgütern gehören.

Vorkaufsrechte können vereinbart werden. Dies kann im Kaufvertrag, nach überwiegender Ansicht auch in einer Nebenabrede geschehen. Möglich ist eine rein schuldrechtliche, d.h. nur zwischen den Parteien wirkende Vereinbarung. Diese würde bei einer Vertragsverletzung jedoch nur einen Schadensersatzanspruch auslösen.

Sinnvoller ist daher, ein sog. dingliches Vorkaufsrecht zu begründen. Dieses wird auch vertraglich vereinbart, zudem aber noch im Kataster eingetragen. Beabsichtigt der Eigentümer der belasteten Im-mobilie nun deren Verkauf, kann der Vorkaufsberechtigte verlangen, dass ihm diese zu dem von einem Dritten gebotenen Preis angeboten wird. Sofern der Vorkaufsberechtigte das Angebot nicht annimmt, bleibt das dingliche Vorkaufsrecht erhalten. Wird die Immobilie unter Verletzung des Vorkaufsrechts veräußert, kann der Vorkaufsberechtigte verlangen, dass der Erwerber ihm die Immobilie zum Kauf anbietet.

C. Zu den Kosten

8. Welche Steuern muss ich zahlen, wenn ich ein Grundstück/Gebäude kaufen will? Welche sonstigen Kosten fallen an? Wer haftet für die Steuerschulden und welche Abschreibungssätze gelten?

Das tschechische Steuerrecht wurde in den letzen Jahren häufig geändert. Nun orientiert es sich in den Grundzügen bereits an den EU-Standards. Hier ist jedoch in jedem Fall Expertenrat im Einzelfall erforderlich. Allgemein gilt folgendes:

Bei der Veräußerung einer Immobilie wird eine Grunderwerbssteuer, bzw. eine Gebäudeerwerbssteuer fällig. Steuerschuldner ist der Veräußerer, der Erwerber haftet als Bürge. Nur bei Erwerb der Immobilie aus einer Konkursmasse, bzw. durch öffentliche Versteigerung ist der Erwerber selbst Steuerpflichtiger.

Die Steuer beträgt einheitlich 5 % des Immobilienwertes. Bezugsgröße ist grundsätzlich der gutachterlich ermittelte Grundstückswert, fällt der Kaufpreis höher aus, wird dieser herangezogen (siehe Frage 4). Allerdings gibt es einige Möglichkeiten zur Steuerminimierung, so z.B. bei dem Erwerb zur Errichtung von Neubauten oder bei bestimmten gesellschaftsrechtlichen Implikationen. Die Steuerklärung muss innerhalb von 30 Tagen nach Veräußerung der Immobilie abgegeben werden. Die daraufhin festgesetzte Steuer ist wiederum innerhalb von 30 Tagen nach Festsetzung zu begleichen.

Aufgrund der Bürgenhaftung des Erwerbers ist es generell üblich, bis zur Entrichtung der Steuer durch den Veräußerer 5 % des Kaufpreises einzubehalten.

Da für Immobiliengeschäfte weitreichende Befreiungstatbestände bestehen, fällt eine Mehrwertsteuer (Satz 22 %) in der Regel nicht an.

Die Abschreibungsdauer bei Immobilien beträgt 30 Jahre, eine Verlängerung oder Aussetzung der Abschreibung ist möglich. Die steuerlichen Abschreibungssätze betragen bei linearer Abschreibung im 1.Jahr 1,4 % ab dem 2. bis zum 29. Jahr 3,4 %.
Bei degressiver Abschreibung gilt folgende Formel zur Ermittlung der Abschreibungsbeträge:

1. Jahr: Anschaffungs- oder Herstellungskosten geteilt durch 30

2. - 29. Jahr: Restbuchwert x 2 geteilt durch (31 - Anzahl von Jahren, in denen AfA bereits vorgenommen wurde

Wie in Deutschland auch können nur die Anschaffungs- und Herstellungskosten auf Gebäude abge-schrieben werden. Werden Grund und Bauwerk zusammen erworben, erfolgt die Aufteilung im Zwei-fel nach dem Gutachten des Sachverständigen.

Im Übrigen sind vor allem Anwalts- und Notarkosten, unter Umständen Maklercourtagen, so wie die Kosten der Katastereintragung (ca. 500,- CZK) zu berücksichtigen. Für eine ggf. notwendige zweite Beglaubigung ausländischer Urkunden durch das Amtsgericht (Apostillierung) (vgl. Frage 5) können weitere Kosten entstehen.

9. Können Grundstücke als Sicherheiten verwendet werden (z.B. für einen Kredit), indem sie mit einer Grundschuld oder Hypothek belastet werden?

Grundstücke können mit Rechten belastet werden. Dazu gehört in Tschechien ein der Hypothek entsprechendes Grundpfandrecht, das der Kreditsicherung dienen kann. Ein solches Recht wird im Kataster auf dem Eigen-tumsblatt eingetragen. Zur Form des Vertrages und zur Eintragung des Rechts gelten die obigen Aus-führungen zum Kaufvertrag entsprechend (vgl. Frage 6).

Das Grundpfandrecht ist akzessorisch, d.h. von der Höhe der Hauptschuld abhängig. Sollten mehrere Pfandrechte an einem Grundstück bestellt sein, richtet sich der Rang nach dem Tag der Antragstellung beim Katasteramt, nicht nach dem Datum des Vertragsschlusses.

10. Können Immobilien als Kapital in eine Gesellschaft eingebracht werden? Zu welchem Wert geschieht dies?

Gesellschaftereinlagen können auch Sacheinlagen sein, als solche eignen sich auch Grundstücke. Die Sacheinlage muss vor der Eintragung der Gesellschaft ins Handelsregister erfolgen und das Eigentum muss auf die Gesellschaft übergehen. Der Wert der Sacheinlage wird durch den Gesellschaftsvertrag bestimmt, bei Gesellschaften mit beschränkter Haftung und Aktiengesellschaften durch einen unab-hängigen, von einem Gericht zu bestellenden Gutachter. Der einbringende Gesellschafter haftet für die Werthaltigkeit seiner Einlage.

D. Zum Grundbuch

11. Sind für Immobilien Grundbücher angelegt und gilt für Eintragungen der sogenannte öffentliche/gute Glaube, der den Erwerber schützt, wenn er aufs Grundbuch vertraut?

Immobilien werden in einem Kataster geführt. Dieses existiert seit dem 1. Januar 1993 und entspricht in seiner Funktion dem deutschen Grundbuch. Das Kataster kann, gegen Entrichtung einer Gebühr, von jedermann eingesehen werden. Auskünfte werden grundsätzlich mündlich oder schriftlich erteilt.

Für den guten Glauben bezüglich der Eintragungen gilt gegenüber dem deutschen Recht eine Beson-derheit. Der Erwerber, der auf eine nach dem 01.01.1993 gemachte Eintragung eines Eigentumsrechts vertraut, ist diesbezüglich gutgläubig, er wird auch als Eigentümer in das Kataster eingetragen. Die Wirkung der Gutgläubigkeit ist jedoch nicht der Erwerb des Eigentums, sondern nur, dass der Erwerber als gutgläubiger und damit rechtmäßiger Besitzer fremden Eigentums gilt. So kann er die Immobilie nach Ablauf einer zehnjährigen Frist ersitzen. Bis dahin kann ein Alteigentümer auf Herausgabe des Eigentums klagen. Üblicherweise ist daher eine rechtliche Überprüfung des Grundstücks vorzu-nehmen, um die Eigentumsverhältnisse zu klären.

12. Gibt es in den Grundbüchern rechtsverbindliche Angaben bezüglich Eigentum, Belastungen, Größe, Art der Nutzung etc.?

Das Kataster enthält auf Katasterkarte und Eigentumsblatt alle relevanten Angaben über das Grund-stück. Die Karte dokumentiert Lage und tatsächliche Eigenschaften des Grundstücks. Das Eigentums-blatt enthält in verschiedenen Abteilungen die Angaben über den Eigentümer, die Miteigentümer, die das Grundstück belastenden oder begünstigenden Rechte, etc. Die Rechtsverbindlichkeit der Eintragung hinsichtlich des Eigentums erschöpft sich wie beschrieben darin, dass der Erwerber als gutgläubiger Besitzer gilt (vgl. Frage 11).

E. Zur Sicherung des Grundstücks

13. Welche Sicherungsmittel gibt es, um zu gewährleisten, dass niemand vor mir ein bestimmtes Grundstück erwirbt? Gibt es eine Vormerkung in das Grundbuch oder andere Möglichkeiten, um meinen Erwerb abzusichern?

Eine Vormerkung wie im deutschen Recht gibt es im tschechischen Recht nicht. Einen gewissen Schutz bietet allerdings, dass die Anträge beim Katasteramt in der Reihenfolge ihres Eingangs bearbeitet werden. Das heißt, vor Antragsstellung sollte Einsicht genommen werden, ob andere Anträge bezüglich des gekauften Grundstücks vorliegen, nach Antragstellung kann der Erwerber nicht mehr "überholt" werden.

Zudem ist es üblich, die Erfüllung des Vertrages Zug um Zug zu vereinbaren. Der Kaufpreis wird dabei zunächst auf das Treuhandkonto eines Notars oder Rechtsanwaltes eingezahlt. Die Auszahlung des Kaufpreises an den Verkäufer erfolgt erst nach erfolgreicher Eintragung des Erwerbers im Kataster.

F. Zu Belastungen/Risiken

14. Wer trägt die Risiken, wenn ein Grundstück mit Altlasten erworben wird?

Da der Erwerber mit Eigentumsübergang alle Rechte und Pflichten am Grundstück übernimmt, trägt er dann auch die Risiken von Altlasten. Das heißt er muss Gefahren, die von seinem Grundstück ausgehen, beseitigen. Damit fallen z.B. auch die Kosten der Entsorgung bei ihm an. Bei einem geplanten Bauvorhaben kann die Baugenehmigung wegen Altlasten verweigert werden.

Andererseits kann der Erwerber unter Umständen Gewährleistungsrechte gegenüber dem Verkäufer geltend machen. Es empfiehlt sich daher, bei Altlastenverdacht das Grundstück vor dem Eigentums-übergang begutachten zu lassen und/oder eine spezielle Gewährleistungsklausel zu vereinbaren, die Schadensersatz oder eine Rücktrittsmöglichkeit bietet.

15. Wie lassen sich die Risiken durch bereits vor Gericht gebrachte Restitutionsansprüche (Einsetzung früherer Eigentümer) vermeiden?

Gerichtliche Entscheidungen über anhängige Restitutionsansprüche können nur abgewartet werden. Eine Absicherung anderer Art ist nicht möglich. Bei abgeschlossenen Verfahren besteht für den Inves-tor Rechtssicherheit. Allerdings hat die Zahl der Verfahren abgenommen, da die entsprechenden An-tragsfristen bereits abgelaufen sind. Aktuell ist dieses Thema nur noch für Restitutionsansprüche von Gemeinden.

16. Kann ein Grundstück im Rahmen eines Insolvenzverfahrens lastenfrei erworben werden?

Grundsätzlich, ja. Mit Eröffnung des Konkursverfahrens ist die Zwangsvollstreckung in die Konkurs-masse ausgeschlossen. Die Verwertung der Konkursmasse erfolgt durch öffentliche Versteigerung, oder gerichtlich genehmigten Verkauf. Der Erwerb erfolgt lastenfrei, selbst vertragliche Vorkaufsrech-te müssen vom Konkursverwalter nicht beachtet werden. Gläubiger, deren Forderung pfandrechtlich gesichert war, werden aus dem Verwertungserlös bevorzugt befriedigt.

Allerdings ist der Mieterschutz sehr ausgeprägt, so gehen Wohnraummietverhältnisse auf den Erwerber über. Nur der Mieter hat in diesem Fall ein Kündigungsrecht.

Dingliche Lasten, wie Wegerechte, Überleitungsrecht von Versorgungsunternehmen oder Leibrenten erlöschen nicht.

G. Zum Baurecht

17. Wie ist das Bauplanungsrecht ausgestaltet? Kann ein Grundstück immer nur auf bestimmte Weise genutzt werden?

Die Bebaubarkeit, Nutzung und Nutzungsänderung eines Grundstückes wird durch viele Faktoren bestimmt, das Bauplanungsrecht ist einer davon. Die bauplanungsrechtlichen Vorgaben (Territorial-planung) geben den Rahmen der funktionellen Nutzbarkeit des Grundstücks vor.

Der Bauherr muss eine sog. Gebietsentscheidung beantragen, wenn er wissen will, ob er für sein Vor-haben das Grundstück nutzen darf. Im nachfolgenden Verfahren wird die Zulässigkeit der Nutzung umfassend geprüft, unter anderem wird die Übereinstimmung mit den bestehenden Territorialplänen erörtert. An dem Verfahren werden auch dritte Parteien, Nachbarn und Behörden, beteiligt, deren Rechte und Belange berührt sind. Die Gebietsentscheidung ergeht als Verwaltungsakt.

18. Wann ist eine Baugenehmigung erforderlich, besteht hierauf ein Anspruch?

Je nach Umfang des Bauvorhabens ist eine Baugenehmigung oder eine Bauanzeige erforderlich. Den Normalfall bildet die Baugenehmigung zur Errichtung oder Änderung von Bauwerken. Diese wird in der Regel erteilt, wenn die Gebietsentscheidung positiv war.

Bei Kleinbauten und Instandhaltungsarbeiten reicht eine Bauanzeige aus. Nach Einreichung der Bau-anzeige hat die Behörde 30 Tage Zeit, um darauf zu reagieren. Sie kann dabei entweder verlangen, dass eine Baugenehmigung beantragt wird, oder mitteilen, dass die Baumaßnahme durchgeführt wer-den kann. Reagiert die Behörde innerhalb von 30 Tagen nicht, hat der Bauherr freie Hand sein Werk zu beginnen.

Ist der Bauherr nicht Eigentümer des zu bebauenden Grundstücks, muss die Zustimmung des Grundeigentümers vorgelegt werden. Die Dauer des Genehmigungsverfahrens ist stark vom Einzelfall abhängig, da sie sowohl vom Umfang des Bauvorhabens, als auch vom Arbeitseifer der zuständigen Behörde abhängt.

Die Nutzung des fertigen Bauwerks ist erst nach einer staatlichen Bauabnahme erlaubt. Dabei müssen mehrere öffentliche Stellen, wie die Feuerwehr oder das Wasserwirtschaftsamt bescheinigen, dass das Bauwerk allen rechtlichen Anforderungen genügt.

H. Sonstiges

19. Sind die rechtlichen Rahmenbedingungen für Immobilienleasing gegeben?

Das Immobilienleasing innerhalb Tschechiens ist möglich und aufgrund der derzeitigen Renditen recht lukrativ. Der inländische Leasingmarkt ist gut entwickelt und in den letzten Jahren stark gewachsen. Alle gängigen Vertragsmodelle sind möglich. Beim Immobilienleasing steht das Finanzierungsleasing im Vordergrund. Es bestehen ausreichende Gestaltungsmöglichkeiten, die je nach den Bedürfnissen der Anleger genutzt werden können.

Ein Cross-Border-Leasing ist wegen der beschränkten Möglichkeiten zum Immobilienerwerb durch Ausländer kaum sinnvoll möglich.

20. Können Immobilien für Kapitalanlagegesellschaften (offene Fonds und geschlossene Fonds) verwendet werden?

Immobilien können von Kapitalgesellschaften gehalten werden. Sie eignen sich daher für Immobilien-fonds. Aufgrund der Beschränkungen beim Immobilienerwerb durch (Devisen-) Ausländer ist es jedoch sinnvoll, eine inländische Gesellschaft zu gründen (vgl. Frage 1). Aus steuerlichen Gründen kann es bei einem geschlossenen Immobilienfonds interessant sein, eine tschechische Personengesellschaft einzusetzen. Die Haftung wird dabei dadurch begrenzt, dass die Anleger mittels weiterer Gesellschaften in Deutschland beteiligt werden. Die passende Lösung, die Haftung und Steuern minimiert, muss jedoch im Einzelfall maßgeschneidert werden.

Weitere Fragen zum Immobilienrecht in Tschechien beantwortet Ihnen:

Rechtsanwalt Martin Neupert; bnt Rechtsanwälte, Neupert & Kollegen, Tel.: +49/ 911/ 56961-0, info@bnt-consulting.de

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