Export stabilisiert Autokonjunktur
Automobilindustrie bleibt zuversichtlich

Die deutsche Automobilindustrie ist optimistisch, mit neuen Modellen 2004 und 2005 wieder auf Wachstumskurs zu kommen. Für Jubelprognosen gebe es derzeit noch keinen Anlass, schränkt der Verband der Automobilindustrie (VDA) ein.

HB/dpa FRANKFURT. "Wenn sich die Verunsicherung gelegt hat und die entscheidenden politischen Weichen in die richtige Richtung gestellt werden, sind wir aber zuversichtlich, dass sich - auf der Basis der Produktoffensive - neues Wachstum einstellen wird", sagte VDA- Präsident Prof. Bernd Gottschalk am Montag in Frankfurt.

Trotz des aktuellen Tarifkonflikts in der ostdeutschen Metallindustrie und der immer noch verhaltenen Binnennachfrage hält der VDA an den Zielen für das laufende Jahr fest. "Wir haben alle Chancen, unsere Prognosen für 2003 - 3,25 Mill. Pkw- Neuzulassungen, einen Export von 3,55 Mill. Fahrzeugen und eine Inlandsproduktion von fünf Mill. Pkw - zu erreichen."

Dafür sorgt weiterhin das gute Auslandsgeschäft. In den ersten vier Monaten 2003 sind die Ausfuhren der Autoindustrie trotz "erheblicher Währungs- und Preiseinflüsse" nochmals um 4,2 % auf 42,4 Mrd. ? gestiegen. Insgesamt konnte die Branche damit ihren Umsatz von Januar bis April um 4,4 % auf 70,2 Mrd. ? steigern.

"Ohne den Schub in unsere Exportfähigkeit wären Produktion, Umsatz und Beschäftigung nicht zu halten gewesen", betonte Gottschalk. Immerhin hätten Ende April bei Autoherstellern und Zulieferern mit 770 000 Beschäftigten rund 11 000 Personen mehr gearbeitet als vor einem Jahr. Allerdings werde bei einem Exportanteil von mehr als 70 % "die Luft auf den Auslandsmärkten dünner". Man könne den Export nicht beliebig wie einen Wasserhahn aufdrehen. Deshalb müsse die Autoindustrie künftig wieder stärker in Deutschland wachsen.

An die Verantwortlichen in der ostdeutschen Metallindustrie richtete Gottschalk den Appell, "rasch zur Vernunft zurückzukehren". Der Streik mit dem Ziel der 35-Stunden-Woche treffe die ostdeutsche Autoindustrie als größten Investor mitten in der Phase des Aufbaus. Falls die dortigen Wettbewerbsvorteile - wie geringere Kosten, längerer Arbeitszeit und höhere Flexibilität - wegfielen, gebe dies bei Investitionen "Oberwasser für Osteuropa und nicht für Ostdeutschland".

Den täglichen Produktionsausfall bezifferte Gottschalk auf 1370 Autos im Osten und 1800 Fahrzeuge im Westen. Davon seien insgesamt 18 000 Beschäftigte betroffen. Noch gebe es keine konkreten Anzeichen für die Verlagerung von Produktionsanlagen. Falls sich die Rahmenbedingungen aber verschlechterten, würde sich dies negativ auf die Investitionsentscheidungen in Ostdeutschland auswirken.

Obwohl die Inlandszulassungen für Pkw im Mai um 8 % höher lagen als vor einem Jahr, ist nach Meinung des VDA auf dem Heimatmarkt noch kein Stimmungsumschwung oder gar eine Trendwende auszumachen. Gottschalk äußerte jedoch die Hoffnung, dass sich die Verunsicherung der Käufer in naher Zukunft lege. "Schließlich sind attraktive Modelle im Markt, die Zinsen gesunken, angekündigte Steuererhöhungen abgesagt worden und Geld vorhanden, wie die höhere Sparquote zeigt."

Der VDA begrüßt die Überlegungen für ein Vorziehen der nächsten Stufe der Steuerreform. Dies dürfe aber nicht mit einer unvertretbaren Neuverschuldung einhergehen. Deshalb befürwortet der Branchenverband eine pauschale Subventionskürzung. Zur Aufhellung der Stimmung sei aber ein schlüssiges Gesamtkonzept notwendig. Dass der Kakophonie auf Regierungsseite die Kakophonie bei der Opposition folgte, sei nicht gerade beruhigend. "Wir vernehmen richtige Signale, aber es gibt noch immer zu viele Ungereimtheiten, als dass Verbraucher und Investoren durchstarten würden", betonte Gottschalk.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%