Export-Umfeld bleibt schwierig: Gute Daten wohl kein Signal für Aufschwung

Export-Umfeld bleibt schwierig
Gute Daten wohl kein Signal für Aufschwung

Die deutsche Wirtschaft kommt derzeit nach Ansicht von Experten trotz der zuletzt überraschend starken Konjunkturdaten nicht vom Fleck. Den starken Anstieg von Produktion und Exporten im Januar erklären Volkswirte vor allem als Gegenbewegung zum Einbruch im Dezember.

Reuters BERLIN. "Der abermalige Rückgang der Aktienkurse, die Aufwertung des Euro, der Ölpreisanstieg und vor allem die Ungewissheit über den Fortgang der Ereignisse im Irak lähmen gegenwärtig die wirtschaftliche Aktivität", heißt es im am Dienstag veröffentlichten vierteljährlichen Konjunkturbericht des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Volkswirte sind sich einig, dass nur eine Lösung des Irak-Konfliktes den Weg für einen Aufschwung in Deutschland frei machen kann.

Anstieg der Produktion noch keine Trendwende

Das produzierende Gewerbe stellte im Januar 1,6 Prozent mehr her als im Vormonat. "Der Rückstand durch den Einbruch des Vormonats wurde durch den Anstieg nicht aufgeholt, die deutsche Wirtschaft befindet sich weiter in einer Stagnation", kommentierte Bernd Weidensteiner von der DZ Bank die Daten. Volkswirte hatten nur mit einem Anstieg der Produktion um 1,1 Prozent gerechnet, nachdem die Erzeugung im Dezember beeinflusst durch einen Kalender-Effekt um 3,5 Prozent gesunken war. Das Bundeswirtschaftsministerium verwies allerdings darauf, dass die Daten wohl nach oben revidiert werden dürften. Während die Industrie deutlich mehr herstellte, produzierten Bau und Energiewirtschaft weniger. Die deutsche Produktion lag insgesamt rund 0,2 Prozent unter Vorjahresniveau.

Wie das IfW sehen Volkswirte derzeit trotz einer Reihe unerwartet starker Konjunkturdaten und Frühindikatoren noch keine verlässlichen Zeichen für eine beginnende Erholung. Gerd Haßel von der ING BHF-Bank erklärte, ohne eine Lösung der Irak-Krise sei nicht mit einem Aufschwung zu rechnen. Das IfW sprach von einer Stagnationsphase zum Jahresbeginn und betonte die bremsenden Effekte des Irak-Konflikts. Unter der Annahme einer schnellen Lösung der Krise erwartet das Institut eine langsame Erholung, prognostiziert allerdings nur ein Wachstum von 0,4 Prozent in diesem Jahr. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet einem Zeitungsbericht zufolge für den Fall eines längeren Kriegs für die Weltwirtschaft mit einer Wachstumseinbuße von bis zu zwei Prozentpunkten.

Doch selbst ohne die Einflüsse eines längeren Krieges ist dem Kieler IfW zufolge am deutschen Arbeitsmarkt die Talsohle trotz des jüngsten dramatischen Anstiegs der Arbeitslosigkeit noch nicht erreicht. "Ihren Höchststand wird die registrierte Arbeitslosigkeit saisonbereinigt im Winterhalbjahr 2003/2004 mit 4,450 Millionen Personen erreichen", heißt es im IfW-Bericht.

Exporte starten gut ins neue Jahr - Umfeld bleibt schwierig

Auch der deutsche Wachstumsmotor "Export" wird dem IfW zufolge nur dann richtig in Gang kommen, wenn die Weltwirtschaft nach dem Ende der Irak-Krise an Fahrt aufnimmt. Im Januar exportierten deutsche Unternehmen zwar knapp sieben Prozent mehr als vor einem Jahr und drei Prozent mehr als im Dezember, doch Wirtschaftsverbände und Volkswirte warnten vor zu hohen Erwartungen. "Der Einstieg war nicht schlecht, aber die Auslandskonjunktur ist noch zu schwach", sagte Jörg Krämer von Invesco Asset Management. Die Exporte dürften in den kommenden Monaten vor allem wegen des starken Euro nur mäßig zulegen. 2002 hatte lediglich der starke Außenbeitrag - dank stabilem Exportwachstum und niedriger Importe - für das magere Wirtschaftswachstum von 0,2 Prozent gesorgt.

Der Bundesverband des Deutschen Groß- und Außenhandels (BGA) zeigte sich besorgt über das Umfeld für die Exporteure. "Der hohe Kurs des Euro zum Dollar schmälert unsere Exportchancen zusehends, die Konjunktur in den Hauptabsatzmärkten springt nicht an, und die Kriegsangst hemmt die weltwirtschaftliche Erholung", erklärte BGA-Chef Anton Börner. Der Euro stieg am Dienstag zum Dollar auf ein neues Vier-Jahreshoch bei 1,1080 Dollar.

Auch deutsche Großunternehmen leiden zunehmend unter der anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheit. Volkswagen-Chef Bernd Pischetsrieder gab wegen der politischen und wirtschaftlichen Unwägbarkeiten und des Euro-Anstiegs einen pessimistischen Ausblick. Erste Februar-Daten zur Autoproduktion fielen allerdings relativ stark aus. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) meldete einen Anstieg um 12 Prozent zum Vorjahr.

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