Exporte bleiben Wachstumsstütze
BDI erwartet Konjunkturwende erst für 2002

Konjunkturprogramme sind nach Ansicht des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) nicht geeignet, die Wachstumsschwäche in Deutschland zu beheben. Die Politik müsse aber die schlechte Stimmung in der Wirtschaft verbessern - durch "mutige Reformschritte insbesondere am Arbeitsmarkt".

wmu DÜSSELDORF. Die Konjunktur in Deutschland wird sich nach Einschätzung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) nur langsam wieder beleben. Eine Trendwende noch im Verlauf des Jahres sei angesichts des weiter verschlechterten Ifo-Geschäftsklimas eher unwahrscheinlich, heißt es im jüngsten BDI-Konjunkturreport. Vor allem wegen der sich abzeichnenden Erholung der US-Konjunktur sei allerdings ein dauerhaftes Abrutschen der deutschen Wirtschaft nicht zu erwarten, schreibt der BDI. Das Stimmungstief in den Unternehmen könne im Verlauf dieses Jahres durchschritten werden.

Der Verband begründet seinen moderaten Optimismus vor allem damit, dass der private Konsum im weiteren Jahresverlauf mit zunehmender Preisberuhigung wieder auf Touren kommen werde. Von Jahresbeginn an hatte sich der private Verbrauch entgegen den ursprünglichen Hoffnungen der Konjunkturforscher nicht als Wachstumsstütze erwiesen. Das Münchner Ifo-Institut macht hierfür die unerwartet hohen Preissteigerungen verantwortlich, die die aus der Steuerreform resultierenden Entlastungen weitgehend aufgezehrt hatten. Wie die Forschungsinstitute glauben auch die BDI-Ökonomen, dass die privaten Haushalte nun im Zuge der sich abschwächenden Teuerung wieder konsumfreudiger werden.

Allerdings werde die Verbrauchsdynamik "auch im günstigsten Fall" nicht ausreichen, der deutschen Konjunktur nachhaltige Impulse zu geben. Eine dauerhafte Konsumbelebung setze nämlich voraus, dass neue Arbeitsplätze entstehen. Dies werde aber so lange nicht der Fall sein, so lange der Arbeitsmarkt verkrustet und von zahlreichen Regulierungen überzogen sei.

"Angesichts der bei den Unternehmen grassierenden Unsicherheit über die künftigen Absatzerwartungen ist es absolut kontraproduktiv, neue Beschäftigungshürden aufzubauen", kritisiert der BDI die Arbeitsmarktpolitik der Bundesregierung, vor allem die Neufassung des Betriebsverfassungsgesetzes.

Der Beitrag der Politik zur Überwindung der Konjunkturschwäche muss nach BDI-Ansicht denn auch in langfristig angelegten Reformschritten bestehen. Derzeit müsse alles vermieden werden, was die Wirtschaft weiter verunsichern könnte. Politische Schnellschüsse brächten nichts, wohl aber ein Vorziehen der Steuerreform und eine Deregulierung des Arbeitsmarktes.

Das Ertragsumfeld der deutschen Wirtschaft ist laut BDI, trotz sich mehrender Gewinnwarnungen, "alles in allem intakt". Die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Exportwirtschaft werde wegen der bis auf weiteres nahezu stabilen Lohnstückkosten hoch bleiben, soweit die zurückhaltende Lohnpolitik in der kommenden Tarifrunde fortgesetzt werde.

Die allgemeine Absatzschwäche wird nach BDI-Einschätzung Spuren bei den Ausrüstungsinvestitionen hinterlassen. Viele Mitgliedsunternehmen hätten ihre Investitionspläne zum Teil kräftig nach unten revidiert. Für eine robuste Entwicklung der Investitionen sprächen aber die relativ hohe Kapazitätsauslastung und die günstige Kostensituation der Unternehmen in Folge niedriger Zinsen und moderater Lohnabschlüsse. Für die Bauwirtschaft sieht der BDI dagegen kein Licht am Ende des Tunnels.

Eine Konjunkturstütze dürften die Exporte bleiben, die im bisherigen Jahresverlauf vor allem vom schwachen Euro profitierten. In den ersten vier Monaten des Jahres sind besonders die Ausfuhren in Länder außerhalb des Euro-Raums stark gestiegen. So legten die Exporte nach Russland gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 53,8 %, nach China um 46,4 % und in die USA um 19,6 % zu. Nach BDI-Angaben lässt der derzeitige Stand der Auslandsorders darauf hoffen, dass die Ausfuhren auch in diesem Jahr expandieren, freilich nicht so stark wie im Jahr 2000. Der Verband rechnet für das Gesamtjahr mit einem Plus von 7 %.

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