Exporte in Drittländer stark gestiegen
Analysten erwarten Exportbelebung nicht vor Herbst

Deutschlands Handelsbilanzüberschuss von 17,2 Mrd. DM im März liegt zwar über den Erwartungen der Analysten. Allerdings schwächten sich das Export- und Importwachstum deutlich ab. Wegen sinkender Nachfrage rechnen Experten in den kommenden Monaten mit weiteren Exportrückgängen.

rtr WIESBADEN/FRANKFURT. Der deutsche Handelsbilanzüberschuss ist im März deutlicher gestiegen als von Analysten erwartet. Der Überschuss sei auf 17,2 (Februar 12,6) Mrd. DM gestiegen, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Allerdings schwächten sich das Export- und Importwachstum den Angaben zufolge deutlich ab. Im Jahresabstand seien die Ausfuhren um 7,5 % auf 109,6 Mrd. DM gestiegen, nach einem Plus von knapp 12 % im Februar. Auf der Importseite betrug der Anstieg den Angaben zufolge 2,1 % auf 92,4 Mrd. DM nach einem Plus von 15,2 % im Februar zu verzeichnen. Wie das Amt weiter mitteilte, sank der Leistungsbilanzüberschuss im März auf 2,9 (9,7) Mrd. DM.

Analysten hatten im Durchschnitt einen Überschuss der Handelsbilanz von 10 Mrd. DM für März prognostiziert. Für das erste Quartal ergibt sich ein Überschuss der Handelsbilanz von 38,6 (Vorjahreszeitraum 30,8) Mrd. DM. Das Leistungsbilanzdefizit stieg den Angaben zufolge in den ersten drei Monaten 2001 auf 4,7 (0,9) Mrd. DM.

Die Ausfuhren in die Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) stiegen im März 2001 zum Vorjahr um 3,8 % auf 60,5 Mrd. DM. Der Wert der Einfuhren lag mit 50,8 Mrd. DM um 0,7 % höher als im März 2000. Exporte in die Drittländer außerhalb der EU nahmen zum Vorjahr um 12,4 % auf 49,1 Mrd. DM zu. Die Importe aus Drittstaaten stiegen um 3,9 % auf 41,6 Mrd. DM. Im ersten Quartal 2001 nahmen die Exporte zum Vorjahr mit einem Wert von 312,4 Mrd. DM um 13,6 % zu. Die Importe stiegen um 12,1 % auf 273,8 Mrd. DM.

Analysten reagieren gelassen

Analysten reagierten gelassen auf die Zahlen. "Die Zahlen sind nicht so schlecht: Die Exporte in Drittländer sind stark gestiegen und machen damit den Rückgang der Nachfrage aus den USA wieder wett - das ist für Deutschland sehr positiv", sagte Ulla Kochwasser von IBJ Deutschland. Es sei aber zu erwarten, dass die Exporte wegen sinkender Nachfrage in den kommenden Monaten weiter zurückgingen. Dieser Trend werde bis zum dritten Quartal anhalten.

Christoph Hausen von der Commerzbank betonte, dass der unerwartet hohe Handelsbilanzüberschuss auf niedrigere Importe und nicht etwa eine Erholung im Exportgeschäft zurück zu führen sei. "Dieser Rückgang (bei den Importen) ist die direkte Folge einer gesunkenen Nachfrage im Inland, wie sie auch von den am Donnerstag veröffentlichten Produktionsdaten für März widergespiegelt werden", fügte er hinzu. Die Zahlen seien für die deutsche Wirtschaft wenig ermutigend: "Vor Herbst rechne ich nicht mit besseren Exportzahlen, erst dann dürften auch die Produktion und die Nachfrage im Inland wieder zunehmen", sagte Hausen.

Keine Zinssenkung am Donnerstag zu erwarten

Mit einer Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB) um 25 Basispunkte auf dann 4,50 % im Schlüsselzins rechnet Hausen ab Juni. Kochwasser indes erwartet in der zweiten Jahreshälfte zwei Zinssenkungen um 25 Basispunkte. Noch sei die Inflation so hoch, dass es nicht genügend Spielraum für eine Senkung gebe. Bei der Ratssitzung am Donnerstag sei deshalb keine Zinssenkung zu erwarten, sagten Analysten nahezu übereinstimmend.

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