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Exporte stark, Konsum schwach: deutsches Wirtschaftswachstum bei 0,5%

Dank starker Exporte, aber ohne Impulse aus dem privaten Konsum hat sich die Erholung der Konjunktur in Deutschland auch im zweiten Quartal 2004 fortgesetzt. Für die kommenden Monate rechnen Wirtschaftsexperten damit, dass die mit Risiken belastete weltwirtschaftliche Entwicklung das Exportwachstum wieder dämpfen wird. Unterdessen steht die Bundesrepublik mit einem Staatsdefizit von 4,0 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im ersten Halbjahr auch 2004 vor einem Verstoß gegen den EU-Stabilitätspakt, der maximal 3,0 % erlaubt.

dpa-afx WIESBADEN. Dank starker Exporte, aber ohne Impulse aus dem privaten Konsum hat sich die Erholung der Konjunktur in Deutschland auch im zweiten Quartal 2004 fortgesetzt. Für die kommenden Monate rechnen Wirtschaftsexperten damit, dass die mit Risiken belastete weltwirtschaftliche Entwicklung das Exportwachstum wieder dämpfen wird. Unterdessen steht die Bundesrepublik mit einem Staatsdefizit von 4,0 % des Bruttoinlandsproduktes (BIP) im ersten Halbjahr auch 2004 vor einem Verstoß gegen den EU-Stabilitätspakt, der maximal 3,0 % erlaubt.

Im Vergleich zum ersten Quartal wuchs das BIP saison- und kalenderbereinigt um real 0,5 %, teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden mit und bestätigte damit seine erste Schätzung. Es war der höchste Zuwachs seit Anfang 2001. Im ersten Quartal hatte das Wirtschaftswachstum noch 0,4 % betragen. Im Vergleich zum Vorjahresquartal lag das Plus von April bis Juni bei 2,0 %, wovon ein Viertel auf einen zusätzlichen Arbeitstag entfiel.

Konsum Legt NUR Leicht ZU

Die Exporte legten im Vergleich zum Zeitraum Januar bis März um 3,2 % und damit stärker als die Importe (plus 2,2 %) zu. Unter dem Strich legte der sogenannte Außenbeitrag - der Saldo von Ex- und Importen - damit um 0,5 % zu, schwächer als im ersten Quartal (1,2 %). Dies wurde aber unter anderem durch eine etwas günstigere Entwicklung bei den Staatsausgaben und den Investitionen der Unternehmen ausgeglichen. Der private Konsum stieg geringfügig um 0,1 % und konnte damit seine minimal positive Tendenz fortsetzen, leistete aber keinen Beitrag zum Wachstum.

"Die deutsche Sondersituation ist im zweiten Quartal noch einmal deutlich geworden", sagte Holger Bahr, Leiter der volkswirtschaftlichen Abteilung der Dekabank, mit Blick auf die weiterhin schwache Binnennachfrage und die Exportabhängigkeit des Wachstums. In den kommenden Quartalen könnten Faktoren wie der hohe Ölpreis die globale Wirtschaftslage belasten. "Die Exporte werden in nächster Zeit nicht mehr die gleiche Schubwirkung entfalten", vermutet Bahr. Einen Rückfall in eine Rezession befürchte er jedoch nicht. Für das Gesamtjahr rechnet die Dekabank mit einem Wachstum von 1,9 %, für 2005 mit 1,4 %.

Gestiegene Sparquote

Auf eine gestiegene Sparquote im zweiten Quartal verwies der Chefvolkswirt Europa der Bank of America, Holger Schmieding: "Die Verbraucher trauen dem Aufschwung nicht." Es sei jedoch denkbar, dass die Erholung gegen Ende diesen Jahres erstmals auch ihren Niederschlag auf dem Arbeitsmarkt finden werde und neue Jobs entstehen. Dann könnte auch der private Konsum anziehen und eine mögliche Abschwächung des Exportzuwachses kompensieren. Externe Risiken für die Konjunkturentwicklung blieben aber bestehen.

Nach Einschätzung der Hypovereinsbank ist in Deutschland kein nachhaltiger Aufschwung zu erwarten. Die Konjunkturerholung habe bereits ihren Höhepunkt erreicht und sei gefährdet, schreibt das Bankhaus. Die Wachstumsimpulse aus dem Ausland gingen zurück und die Binnennachfrage bleibe schwach. Bereits in der zweiten Jahreshälfte dürfte sich das Wachstum abschwächen und im nächsten Jahr bei lediglich 1,2 % liegen.

Staatsdefizit Bleibt Hoch

Deutlich optimistischer ist die Commerzbank. Trotz einer leichten Abschwächung des weltweiten Aufschwungs erwarten die Experten weiterhin "spürbare Impulse" vom Export. Gleichzeitig dürfte sich auch die Inlandsnachfrage "allmählich beleben". Für das Gesamtjahr rechnen die Experten mit einem BIP-Wachstum von 2 %.

Mit einem Staatsdefizit von 4,0 % im ersten Halbjahr verstößt Deutschland nach heutigem Stand 2004 erneut klar gegen den EU- Stabilitätspakt. Allerdings könne das vorläufige Ergebnis nicht auf die maßgebliche Defizitquote für das Gesamtjahr hochgerechnet werden, betonten Sprecher des Finanzministeriums und des Statistischen Bundesamtes.

Bund, Länder und Gemeinden gaben in den ersten sechs Monaten 42,7 Mrd. ? mehr aus als sie einnahmen. Im Gesamtjahr 2003 hatte das Defizit nach neuesten Berechnungen bei 3,8 % gelegen und überschritt damit wie bereits 2002 den Richtwert. Derzeit ist offen, wie die EU gegen die "Defizitsünder" Deutschland und Frankreich vorgehen will.

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