"Exporte unmöglich"
China fordert Verhandlungen zu US-Stahlzöllen

Nach Japan und der EU hat auch China Gespräche mit den USA über die Schutzzölle auf Stahlimporte verlangt. Sollten die Verhandlungen scheitern, werde China seine erste Beschwerde bei der Welthandelsorganisation (WTO) vorbringen, teilte eine Sprecherin des Außenhandelsministeriums am Freitag in Peking mit.

Reuters PEKING. Am Dienstag will die Europäische Union (EU) mit den USA im Rahmen der WTO über die Zölle verhandeln.

Unterdessen hieß es aus Tokio, Washington wolle die geplanten Strafzölle auf japanische Stahleinfuhren um 15 Tage verschieben. Damit sei die Tür offen für einen möglichen Wandel der US-Position, sagte ein japanischer Handelsbeauftragter am Freitag. Ursprünglich sollten die Schutzzölle am 20. März in Kraft treten.

Die US-Zölle widersprechen nach Ansicht der chinesischen Regierung den Regeln der WTO, der China am 11. November 2001 beigetreten ist. "Wir wollen jetzt Konsultationen. Aber meines Wissens werden wir nur dann eine Beschwerde einreichen, wenn beide Seiten keine Einigung erzielen", sagte die chinesische Ministerialsprecherin.

US-Präsident George W. Bush hatte Anfang des Monats zum Schutz der heimischen Produzenten Strafzölle von bis zu 30 % auf Stahlimporte aus Asien, Europa und Lateinamerika verhängt. Die Schutzzölle beträfen jährlich 350 Mill. Tonnen an chinesischen Stahlexporten und machten Exporte in die USA unmöglich, sagte Ministerpräsident Zhu Rongji auf einer Pressekonferenz.

Im vergangenen Jahr exportierte China Regierungsangaben zufolge rund 700 000 Tonnen Stahlprodukte in die USA. China ist der weltgrößte Stahlhersteller, wegen der hohen Nachfrage nach hochwertigem Stahl jedoch Nettoimporteur.

Abgesehen von seinen Stahlexporten in die USA sieht sich das asiatische Land früheren Berichten zufolge auch indirekt von den Handelsbarrieren betroffen. Da sich die führenden internationalen Stahlkonzerne auf der Suche nach Alternativen zum US-Markt zunehmend auch nach China orientieren, wächst der Konkurrenzdruck auf die heimische Stahlindustrie.

China hatte sich im Handelsstreit über die Einfuhr von genveränderten Nahrungsmitteln erst vor kurzem mit den USA über geeinigt, nachdem US-Präsident George W. Bush bei seinem China für eine Lockerung der Einfuhrbestimmungen eingesetzt hatte.

Der US-Handelsbeauftragte Robert Zoellick rechnet unterdessen nicht mit einer Ausweitung des Stahlstreits mit der EU auf andere Güter und einer Gefährdung der Weltwirtschaft. EU-Handelskommissar Pascal Lamy habe sich trotz seiner scharfen Angriffe auf die US-Schutzzölle bislang zurückhaltend gezeigt, sagte Zoellick am Donnerstag am Rande eines Besuchs in Kolumbien.

Lamy hatte zuvor Gegenmaßnahmen nicht ausgeschlossen und gleichzeitig die USA zu Kompensationen für die Handelsverluste der EU gedrängt. Dagegen sehen die USA temporäre Maßnahmen zum Schutz der heimischen Industrie im Rahmen der WTO-Regularien gedeckt und lehnten einen Ausgleich bislang ab.

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