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Exportmotor läuft langsamer - EZB: Ölpreis bremst Wachstum

Der deutsche Exportmotor hat an Fahrt verloren und damit das Wachstum der deutschen Wirtschaft gebremst. Im September stieg der Wert der Warenausfuhren um 5,8 Prozent auf 61,9 Mrd. Euro im Vergleich zum Vorjahr, berichtete das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden.

dpa-afx WIESBADEN. Der deutsche Exportmotor hat an Fahrt verloren und damit das Wachstum der deutschen Wirtschaft gebremst. Im September stieg der Wert der Warenausfuhren um 5,8 Prozent auf 61,9 Mrd. Euro im Vergleich zum Vorjahr, berichtete das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden. Im August hatte das Plus noch knapp 13 Prozent betragen. "Die Exporte waren im dritten Quartal vergleichsweise schwach. Das deutet darauf hin, dass sich das Wirtschaftswachstum etwas verlangsamt hat", sagte der Chefvolkswirt der Deka-Bank, Ulrich Kater.

Nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank bremst der hohe Ölpreis die Konjunkturerholung in Deutschland. Zwar werde sich das Wachstum fortsetzen, sagte EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing auf der Mitgliederversammlung des Bayerischen Bankenverbandes in München. "Die Hoffnung, dass in der zweiten Jahreshälfte 2004 und noch mehr im Jahr 2005 eine Beschleunigung einsetzt, hat aber einen Dämpfer erhalten, und daran ist nicht zuletzt der hohe Ölpreis schuld."

Abschwächung DES Wachstums Erwartet

Die meisten Volkswirte rechnen für das dritte Quartal mit einer Abschwächung des Wachstums auf 0,3 Prozent nach 0,5 Prozent im zweiten Quartal. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet nur ein Plus von 0,2 Prozent. Das Statistische Bundesamt wird die Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt an diesem Donnerstag veröffentlichen.

Der Export ist bislang die einzige Stütze des deutschen Wirtschaftswachstums, das Ökonomen und die Bundesregierung in diesem Jahr auf 1,5 bis 2,0 Prozent schätzen. "Die Weltwirtschaft wächst weiterhin - wenn auch etwas langsamer - und dies gibt dem Export weiterhin Impulse", sagte Ralph Solveen von der Commerzbank.

Die Exporte erzielten im September den geringsten Jahreszuwachs seit Februar. Im Frühjahr und Sommer hatte die Exportwirtschaft meist zweistellige Wachstumsraten verbucht. Deutlich stärker als die Exporte legten im September die Importe zu, die vor allem wegen der gestiegenen Preise für Öl und andere Rohstoffe um 13,1 Prozent auf 49,8 Mrd. Euro stiegen. Auch der starke Euro mache Waren "made in Germany" im Ausland teurer und dämpfe deswegen die Exporte.

Positive Bilanz FÜR DEN Euro

EZB-Chefvolkswirt Issing zog für den Euro eine positive Bilanz. In den vergangenen sechs Jahren habe sich die europäische Gemeinschaftswährung stabil entwickelt und das Vertrauen der Bevölkerung gewonnen. Die durchschnittliche Preissteigerung liege bei rund zwei Prozent und damit niedriger als zu D-Mark-Zeiten. Zugleich sprach sich Issing entschieden gegen ein Aufweichen des EU- Stabilitätspaktes aus. "Der Stabilitätspakt ist keine Wachstumsbremse, seine Anwendung muss gestärkt werden".

Auch für die Wirtschaft der Eurozone hat die EZB angesichts der hohen Ölpreise und des starken Euro ihre Wachstumsprognose nach unten geschraubt. "Die Risiken für die Wirtschaft haben sich erhöht", sagte Issing der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwochausgabe). Die Wirtschaft bewege sich zwar alles in allem noch im Rahmen der bisherigen Einschätzung, wonach das Wachstum 2004 zwischen zwei und 2,5 Prozent liegen werde. "Eine Wachstumsrate von 2,5 Prozent entspricht aber nicht mehr unserer Einschätzung des Potenzials". Die Rate werde eher am unteren Rand liegen.

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