Exportwirtschaft lechzt nach Aufträgen
Chinas Hersteller unter hohem Preisdruck

Der Preisdruck auf chinesische Produzenten bleibt enorm. Das zeigt die größte die Exportwarenmesse Chinas in Kanton. Internationale Händler haben Aussicht auf günstige Abschlüsse.

 

KANTON. Wegen der schwachen Exportmärkte und hoher Produktionsmengen stehen viele chinesische Unternehmen unter großem Wettbewerbsdruck. Das berichtet Shi Zhiyuan, Südasien-Direktor des Haushaltsgeräteherstellers Haier. Wer das gleiche anbiete und sich nicht mit Innovationen differenzieren könne, der müsse mit dem Preis runtergehen. Dennoch sieht der Manager gute Perspektiven: "Auch wenn das Interesse aus den USA und Europa noch immer etwas schwächer ist, kommen wieder mehr Leute auf die Messe, vor allem aus Asien und dem Mittleren Osten."

Dass den chinesischen Exportunternehmen in den letzten sechs Monaten viel Geschäft verloren gegangen ist, das bestätigt auch Age Nielsen von Dänisches Bettenlager: "Die Stimmung hier ist immer noch nicht so richtig gut, verbessert sich aber langsam." Die chinesischen Lieferanten seien "hungrig nach Aufträgen", sagt Nielsen. Viele Käufer nutzen daher die Gelegenheit, um günstige Abschlüsse zu verhandeln.

Die Kanton-Messe findet zweimal jährlich statt (15. bis 30. April und 15. - 30. Oktober). Bei der letzten Messe im Herbst 2001 waren Transaktionen in Höhe von 13,4 Mrd. Euro vereinbart worden - ein Einbruch gegenüber dem Vorjahr um satte 10 %. Nun scheint die sich erholende Weltkonjunktur langsam auf die Stimmung der Einkäufer durchzuschlagen. Bandu Erdogan von der türkischen Reiseagentur Aristo Tours: "Wir sind jedes Jahr hier und organisieren Trips für türkische Geschäftsleute. Letzten Herbst war die Teilnahme verhalten, aber in diesem Jahr ist das Interesse sehr stark."

Um die Messe, die es seit 1957 gibt, professioneller zu machen, wird sie in diesem Frühjahr erstmalig in zwei separaten Einheiten abgehalten. Vom 15. bis 20. April werden neben zahlreichen Rohstoffen Haushaltsgeräte, Werkzeuge, IT-Produkte, Fahrzeuge und Fahrzeugteile sowie allerlei Textilien und Lebensmittel gezeigt. Während der zweiten Phase vom 25. bis 30. April liegt der Fokus auf Waren des täglichen Gebrauchs wie Geschenkartikeln, Schuhen, Sportartikeln, Haushaltswaren und Möbeln. "Die Zweiteilung erlaubt mehr Fokus und macht die Messe professioneller", berichtet Vincent Huang vom Mikrowellen-Hersteller Galanz. Anstatt 8150 im vergangenen Jahr werden diesmal rund 15 700 Unternehmen die Chance haben, mit einem eigenen Stand vertreten zu sein. In der Vergangenheit hatte der Platzmangel dazu geführt, dass sich viele Unternehmen Stände teilten. Somit war Einkäufern nicht immer klar, welches Unternehmen die gezeigten Produkte letztlich herstellt.

Neben einer rigorosen Produktprüfung bietet die Kantonmesse eine gute Gelegenheit, Beziehungen (chinesisch: "Guangxi") zu den Geschäftspartnern aufzubauen - im Chinageschäft quasi ein kulturelles Muss. Viele Teilnehmer wie Alain Beaulieu, Direktor der Beratungsgesellschaft Alma, hält es daher für ausgeschlossen, dass E-Commerce der Messe das Wasser abgraben könnte. "Im Internet kann man weder mit der Konkurrenz vergleichen noch harte Preisverhandlungen führen". Es lohne sich immer, herzukommen und den Leuten in die Augen zu sehen. Die Messeleitung betont, dass nur "zuverlässige Unternehmen mit gesunder finanzielle Basis" zugelassen würden. Berater Beaulieu glaubt jedoch, "dass hier nicht viel mehr geprüft wird, als ob ein Unternehmen die Standgebühr bezahlen kann oder nicht." Nach Angaben der deutschen Außenhandelskammer in Kanton sind die Erfahrungen deutscher Einkäufer mit den Ausstellern jedoch überwiegend positiv.

Die Zukunftsaussichten des Flagschiffs unter den chinesischen Exportmessen sieht Sabine Florian, Executive Director der deutschen AHK in Kanton, positiv: "Drei Jahre nach dem im letzten Dezember vollzogenen WTO-Beitritt Chinas bekommen alle Unternehmen, egal ob chinesische oder ausländische, volle Handelsrechte." Die Chinesen seien die Liberalisierungen im Außenhandel bisher sehr proaktiv angegangen. Davon werde auch die Messe profitieren.

Von NIKLAS SCHAFFMEISTER, Handelsblatt

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