Externe Einflüsse wirken unterschiedlich
Aktien der zweiten Reihe sind erste Wahl

Als am 24. März die neue Indexwelt der Deutschen Börse startete, hatte das kaum ein Anleger registriert. Schließlich war vier Tage vorher der Irak-Krieg ausgebrochen, der alle Aufmerksamkeit auf sich zog. Zwei Monate später sind die neuen Indizes um TecDax & Co. fester Bestandteil des Börsenalltags. Und sie haben seither sogar deutlich besser abgeschnitten als der Deutsche Aktienindex (Dax): Gut 10 % konnte der Auswahlindex der deutschen Top 30 zulegen, über 16 % waren es im darunter angesiedelten MDax, rund 13 % beim TecDax und gar knapp 20 % beim SDax.

FRANKFURT/M. Der Grund für diese unterschiedliche Entwicklung liegt nach Ansicht von Experten in der unterschiedlichen Reaktion der Indizes auf externe Einflüsse. "Der Dax reagiert grundsätzlich am heftigsten auf die politische Großwetterlage, seien es nun Dinge wie der Irak-Krieg oder SARS", sagt Heiko Bienek von der Fondsgesellschaft Lupus Alpha. Zudem sei der Investorenkreis im Dax eher an Dingen wie Konjunktur, Zinsen und Währungen interessiert, die bei Nebenwerten nur eine Nebenrolle spielen. Dort schlagen sich auch politische Themen eher in abgemilderter Form nieder.

Für den Höhenflug des kleinsten der neuen Indizes sind aber auch die auffallend guten Zahlen der dort gelisteten Werte im ersten Quartal verantwortlich, glauben Analysten. Hinzu kommt das solide Geschäft oftmals gepaart mit einer gewissen Nischenstellung. Ob es nun der Wein-Großhändler Hawesko oder der Sitzheizungs-Hersteller W.E.T. ist, der Konsumforscher GfK oder der Automobil-Zulieferer Kolbenschmidt Pierburg, sie alle profitierten zuletzt von guten Quartalszahlen und einem ebenfalls guten Ausblick auf das Gesamtjahr. Viele Experten hatten vor dem Hintergrund einer anhaltend schwachen Konjunktur nicht mit solch positiven Prognosen gerechnet. Zudem weist der SDax derzeit lediglich ein durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von etwa 7,5 auf, während dies im Dax derzeit bei über zwölf liegt.

Zugute kommt den kleinen und mittelgroßen Werten derzeit auch, dass viele von ihnen nicht von den aktuellen Währungsschwankungen zwischen Euro und Dollar abhängig sind. Unternehmen wie Grenke Leasing oder der Foto-Dienstleister Cewe Color sind vor allem im deutschen Markt und in Euroland aktiv. Gleiches gilt für die Bausparkasse BHW oder die beiden Online-Broker Comdirect und DAB Bank. Beide konnten ihren Kurs seit Beginn der neuen Indexwelt um zwei Drittel steigern beziehungsweise verdoppeln und sind damit die Top-Performer der letzten beiden Monate. Speziell bei diesen beiden Aktien raten Analysten daher schon wieder vom Kauf ab. Selbst wenn man die erwarteten operativen Verbesserung für dieses und die nächsten Jahre mit einbezieht, bleibe die Bewertung der ComdirektAktie ambitioniert, sagt Alexander Plenk von der Bankgesellschaft Berlin. Er rät deshalb zum Reduzieren. Gleiches gilt für die DAB Bank, zumal diese im ersten Quartal erneut einen Verlust bekanntgeben musste. Bei den meisten anderen Aktien raten Analysten jedoch trotz guter Kursentwicklung zuletzt weiter zum Kauf.

Ebenfalls ein Grund für die gute Entwicklung der kleinen Indizes ist nach Ansicht von Experten die Übernahmephantasie, die in etlichen Werten steckt. "Hier tummeln sich Weltmarktführer mit KGV von 6,8 oder zehn, die zudem noch einen Dividendenrendite von über 5 % bieten", sagt Bienek. So sei es kein Wunder, dass hier viele Investoren hellhörig geworden seien. Beispiele gab es in jüngster Vergangenheit genug: Ob es nun zu konkreten Abschlüssen kam, wie bei Buderus oder Wella, ob Verhandlungen scheiterten wie bei Wedeco oder ob lediglich Gerüchte kursierten wie bei etlichen anderen Werten. Stets genügte der Begriff "Übernahmekandidat", um Bewegung in eine Aktie zu bringen.

Auffällig ist hingegen der Image-Wandel, den vielen Aktien innerhalb kurzer Zeit durchmachten. Die Hamburger SES Research, die gerade wieder die Wahrscheinlichkeit eines fundamental verursachten Kurseinbruchs untersuchte, kam zu deutlich unterschiedlichen Ratings gegenüber ihrer Einschätzung drei Monate vorher: Micronas und Plambeck sind nun deutlich aufgestiegen, Evotec, Medigene, Web.de und Wedeco konnten sich leicht verbessern. Auf der Gegenseite haben Nordex und Singulus einen deutlichen Abstieg hinter sich, Aixtron, Elmos und Lion verloren leicht.

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