Externe Hilfe ist bei der Umstellung auf die neue Währung gefragt
Firmenberater profitieren vom Euro-Endspurt

Gutes Geld verdienen Unternehmensberater mit Euro-Wissen insbesondere bei staatlichen Behörden und Verwaltungen. Auch viele mittlere Firmen hinken bei der Umstellung noch hinterher.

19.4.2001 lü/lud DÜSSELDORF. Eine Branche reibt sich am Jahresende bestimmt die Hände - die der Unternehmensberater. Um Rechnungswesen und EDV auf Euro zu trimmen, benötigen viele Unternehmen externe Hilfe. Nach Expertenschätzungen erreicht der Euro-Anteil an den Beratungshonoraren bei vielen Gesellschaften einen Anteil von mehr als der Hälfte.

Insbesondere die Versicherungsbranche, die auch in den anderen Beratungsfeldern mit 27 % des Gesamtumsatzes an der Spitze der Mandanten steht, braucht noch viel Unterstützung, erklärt der KPMG-Euro-Experte Karl-Heinz Lemnitzer. Davon profitieren Consulter, wie der Berliner Prüfungs- und Beratungskonzern in erheblichem Maß. Wie KPMG Consulting in einer Blitzumfrage unter rund 20 Unternehmen der Versicherungsbranche ermittelte, stecken zwar die meisten Gesellschaften in Deutschland mitten in den Vorbereitungsarbeiten zur Umstellung auf den Euro. Einige seien sogar schon recht weit: "Doch ein Drittel hinkt deutlich hinterher."

Zum Endspurt antreten müssen nicht nur deutsche Unternehmen. Im gesamten EU-Raum gibt es eine ganze Reihe von Firmen, die noch nicht gemerkt haben, dass der Zeiger auf der Euro-Uhr auf 5 Minuten vor 12 steht. Das zumindest ist das Ergebnis einer Umfrage der Unternehmensberatung Cap Gemini Ernst & Young, die Ende vergangenen Jahres mehr als 1000 große private und staatliche Unternehmen zum Stand der Euroumstellung und zu ihren Zukunftsplänen befragt hat. Cap-Gemini-Experte Bernd Mogalle urteilt: "Die Benelux-Länder sind am weitesten fortgeschritten. Italien, Spanien, Portugal und Griechenland hängen am weitesten zurück."

Deutliche Differenzen gibt es auch zwischen der privaten Wirtschaft und dem öffentlichen Bereich, der hinterher hinkt. Gutes Geld verdienen lässt sich für Unternehmensberater mit Euro-Know-how insbesondere bei staatlichen Behörden und Verwaltungen. Das Fazit der Cap-Gemini-Experten: Die Vorbereitung auf die Euro-Einführung lässt oftmals zu wünschen übrig.

Dabei weisen Unternehmensberater immer wieder auf die Dringlichkeit hin. "Mit dem Euro entstehen völlig neue Wettbewerbsstrukturen, auf die sich die Unternehmen frühzeitig vorbereiten müssen", sagt Alexander B. Willhardt von Diebold Deutschland. Der Euro wirke wie ein Beschleuniger - und biete auch Chancen, die Unternehmer bisweilen unterschätzten. Vor allem bei mittleren Unternehmen bestehe ein erheblicher Umstellungsaufwand.

Interview mit Alexander B. Willhardt

Bislang waren Diebold-Berater an rund 50 Euro-Projekten in der Automobilindustrie, im Handel, in der Telekommunikation und der öffentlichen Versorgung beteiligt. Das Ende eines Booms fürchtet man dort dennoch nicht. Denn schon haben die Berater ein neues Feld entdeckt. Willhardt: "Der Bereich E-Business bietet in den nächsten Jahren sicher ein großes Potenzial."

Die Stimmung in der Consulting-Branche ist ohnehin recht gut. Die 68 000 Management, IT- und Personalberater in rund 14 700 Beratungsgesellschaften steigerten im vergangenen Jahr ihren Umsatz um fast 12 % auf 23,8 Mrd. DM. Für das laufende Jahr erwartet der Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU), dass der Umsatz sogar auf 26,7 Mrd. DM hochschnellt. Die gute Branchenkonjunktur wird zwar durch den hohen Beratungsbedarf gestützt, der aus der verstärkten Nutzung, der Informations- und Kommunikationstechnologien resultiert. Bei vielen Beratern jedoch sorgen die Aufträge der Euro-Nachzügler für wichtige Impulse.

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