Extra-Kassenbons ab 1. Januar
Metro und Spar kündigen eigene Dosenpfand-Systeme an

Zwei Wochen vor Inkrafttreten des Dosenpfands haben mehrere große Einzelhandelsketten angekündigt, ein eigenes Pfandsystem einzuführen.

Reuters BERLIN. Die Metro teilte am Mittwoch in Düsseldorf mit, Kunden der Ketten Metro Cash&Carry, Real, Extra, und Kaufhof würden künftig Kassenbons erhalten, auf denen der Pfandbetrag gesondert ausgewiesen werde. Das Pfandgeld werde bei Rückgabe des Leerguts gegen Vorlage des Belegs erstattet. In den 3000 Spar-Läden und 350 Filialen von Intermarché und Eurospar werden nach der Spar AG zufolge Pfandmarken für Einweggetränke ausgegeben. Die Rückgabe ist bei Spar nur in dem Laden möglich, in dem das Getränk gekauft wurde. Bei Metro wird das Leergut dagegen bundesweit in der allen Filialen einer Kette angenommen. Weder Metro noch Spar planen den Angaben zufolge, Einweg aus dem Sortiment zu streichen.

Im Einzelhandel war die "Insellösung" als aufwendig und verbraucherunfreundlich kritisiert worden. Eine bundesweite Regelung scheint aber vorerst nicht in Sicht. Umweltminister Jürgen Trittin (Grüne) sprach von einem "vernünftigen Signal" des Einzelhandels. Das Bundesverfassungsgericht teilte mit, es werde noch in diesem Jahr über den Eilantrag von REWE-Händlern entscheiden, die gegen das Pfand geklagt hatten. Mehrweglobby und Umweltverbände erwarten einen starken Zuwachs beim Mehrweg.

"Die Pfandmarken sind individuell so gekennzeichnet, dass ganz klar ist, von welcher Filiale die Pfandmarke kommt", sagte ein Spar-Sprecherin. Verpackungen könnten nur in dem Laden zurückgegeben werden, wo sie verkauft würden. "Das ist die kleine Pfandlösung. Wir setzen grundsätzlich weiter darauf, dass es ein übergreifendes System geben wird", sagte die Sprecherin. Spar wolle jedoch keine Einweggetränke aus dem Sortiment nehmen.

Ein Metro-Sprecher sagte, bei Metro sei die Einweg-Rücknahme in allen Filialen der jeweiligen Kette möglich. Wenn etwa eine Cola-Dose bei einem Extra in Potsdam gekauft werde, könne das Pfand gegen Vorlage des Kassenbons bei einem Extra in Berlin rückerstattet werden. Die Lösung sei als Übergang gedacht: "Unser Interesse ist weiter, ein bundesweit einheitliches System zu bekommen." Auch bei Metro seien derzeit keine Auslistungen von Einweggetränken geplant. Der Branchenriese Aldi Nord hatte unlängst angekündigt, Bier in Einweg aus dem Sortiment zu nehmen. Auch bei Edeka werden in einem Teil der 10.000 Läden Einweggetränke ganz oder teilweise aus den Regalen genommen.

Die Einführung des Pfands ist seit Monaten umstritten und hat im Handel große Unsicherheit ausgelöst. Rewe-Händler hatten am Montag in Karlsruhe einen Eilantrag und Verfassungsbeschwerde gegen das Pfand eingereicht. Trittin besteht jedoch weiter auf der Einführung zum 1. Januar. Die von einigen Ketten angekündigte Auslistung von Einweg sieht er unproblematisch: "Ich sehe die Volksmassen nicht zu Aldi streben und Dosenbier kaufen", sagte der Minister am Mittwoch in Berlin.

Der Vorsitzende des Bundesverbands mittelständischer Privatbrauerein, Roland Demleitner, sagte Reuters, er rechne kurzfristig mit einem Anstieg der Mehrwegquote bei den betroffenen Getränkearten um 15 Prozent. Bei Bier würde der Mehrweganteil damit von derzeit 68 auf über 80 Prozent steigen. Das Pfand auf Cola, Limonaden, Mineralwasser und Bier in Einwegdosen beträgt je nach Flaschengröße 25 oder 50 Cent und ist damit deutlich höher als das Mehrweg-Pfand.

Umweltverbände und Mehrweg-Lobby haben für Anfang Januar 4000 Testkäufe bei Supermärkten und Tankstellen angekündigt und bei Verstößen mit Wettbewerbsklagen gedroht. Demleitner sagte nun, die Testkäufe würden sich auf die großen Firmen konzentrieren, die sich als Pfand-Gegner positioniert hätten. Der Kiosk oder die Imbissbude an der Ecke seien kaum betroffen. Die Aktien des Rücknahmeautomaten-Herstellers Tomra Systems verloren bis zum Nachmittag 3,7 Prozent an Boden. Das Unternehmen rechnet früheren Angaben zufolge in den kommenden Jahren mit deutlichen Umsatzzuwächsen am deutschen Markt.

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