„Extra“-Markt in Rheinberg macht das Einkaufen mit neuen Technologien komfortabler
Metro zeigt Zukunft des Einzelhandels

High Tech für die Hausfrau: In einem Verbrauchermarkt in Rheinberg testet der Handelskonzern Metro AG derzeit, wie der Einkauf erleichtert werden kann. Gleichzeitig soll der Ertrag verbessert werden. Intelligente Radiofrequenz-Chips melden dazu Informationen über die Ware kontaktlos ans Warenwirtschaftssystem.

DÜSSELDORF. Kein Vergleich erschien Intels Vice President John Davies zu gewagt. Metros "Extra Future Store" erinnere an den Start des ersten IBM-PC vor 22 Jahren, kommentierte er die Eröffnung des mit High Tech vollgepackten Marktes am Rande von Rheinberg. Schon bald, glaubt der US-amerikanische Chip-Lieferant, könnten weitere Handelsketten dem Beispiel folgen.

In dem 3 800 Quadratmeter großen Markt prüft die Metro Group gemeinsam mit SAP, Intel und rund 35 weiteren Partnern aus der IT- und Konsumgüterindustrie, welche modernen Technologien bereits heute unter Praxisbedingungen realisierbar sind. Nicht nur die Effizienz der Abläufe steht dabei stets im Mittelpunkt. "Die Technologieanwendungen sollen den Einkauf bequemer und schneller machen, individuelle Services anbieten und bedarfsgerechtere Angebote ermöglichen", gibt Metro-Projektleiter Gerd Wolfram das Hauptziel vor.

Den Einkauf bequemer machen soll zum einen der "Persönliche Einkaufsberater": Gegen Vorlage seiner Kundenkarte erhält künftig jeder Rheinberger "Extra"-Kunde auf Wunsch einen kompakten Tablet-PC des Herstellers Wincor-Nixdorf ausgehändigt, den er auf seinen Einkaufswagen aufsetzen kann. Nachdem die Software des PC den Kunden identifiziert hat, wird das Gerät zu seinem persönlichen Einkaufsbegleiter. Basierend auf den letzten mit der Karte getätigten Einkäufen erstellt das Gerät eine Einkaufsliste, hilft bei der Orientierung im Markt und zeigt den Standort der bevorzugten Produkte an. Es präsentiert individualisierte Angebote und nach dem Einscannen der Artikel zusätzliche Produktinformationen. Die dazu notwendige Datenbank lieferte Oracle.

Auch Schlange stehen soll in Rheinberg der Vergangenheit angehören. Zwei Selfscanning-Kassen ergänzen im Extra Future Store die herkömmlichen Kassensysteme. Der Kunde scannt die Ware selbst und verpackt sie in Einkaufstüten, wobei die Kontrolle des Einkaufs über das Gewicht erfolgt. Installiert sind die Technik von NCR im Sichtfeld eines Informationsschalters am Ausgang. Von dort überwacht eine Mitarbeiterin den Prozess und gibt dem Kunden bei Bedarf Hilfestellung. Bezahlt werden kann mit Bargeld oder EC-Karte. Ein ähnliches Konzept erwies sich allerdings in einem Test des Wettbewerbers Tengelmann als Flop. Den Kunden war das Selfscanning zu mühsam.

Um rasch Informationen über den Standort der Ware und über Bestandslücken zu gewinnen, testet Metro im Rheinberger Future Stores gemeinsam mit SAP das "RFID Inventory Management". Die Technologie ("Radio Frequency Identification") stammt aus der Diebstahlsicherung: Seit langem schon sorgen in Deutschlands Kaufhäusern die an der Ware angebrachten Radiofrequenz- (RF)- Chips dafür, dass ein Warnsignal ertönt, sobald ein Artikel unbezahlt den Geschäftsraum verlässt. RFID-Chips können indes mehr. Sie teilen den aufgestellten Antennen außerdem mit, welche Artikelnummer und welchen Preis die Ware besitzt oder wie lange sie noch haltbar ist. "Die RFID-Technologie", sagte SAP - Vorstand Peter Zencke gestern, "wird sukzessive den Strichcode ersetzen."

Die RFID-Chips, die in diesem Fall Philips liefert, sorgen für reichlich Transparenz in der Lieferkette. Alle Kartons, die aus dem Metro-Auslieferungslager Essen nach Rheinberg verfrachtet werden, sind mit ihnen ausgerüstet. Jeder von ihnen wird vor der Lkw-Verladung berührungslos eingelesen. Die gleiche Prozedur wiederholt sich in Rheinberg. Artikel werden damit lückenlos von der Produktion bis zum Verbraucher verfolgt, Leerstände im Regal vermieden. Denn auch im Regal sind Detektoren versteckt, die, sobald die Ware vergriffen ist, Bedarf an Nachschub melden.

Noch ist die RFID-Technik mit hohen Kosten verbunden. Metro-Chef Hans-Joachim Körber rechnet allerdings damit, dass der Stückpreis der Chips von derzeit einem Euro demnächst auf unter drei Cent fallen wird. Nikolaus Weber-Henschel, Handelsfachmann bei Roland Berger, beurteilt die Initiative der Metro positiv: "Der Konzern ist dadurch Vorreiter und kann Standards setzen." Zudem verbessere Deutschlands größter Handelskonzern das Wissen über seine Kundschaft und die Akzeptanz neuer Technologien erheblich.

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