Extrem risikoreichen Papiere sind gefragt
Investoren wagen den Tanz mit den Bären

Kannst du die Bären nicht besiegen, dann verbünde dich mit ihnen. Immer mehr Investoren handeln offenbar momentan nach diesem Grundsatz und setzen mit Put-Optionsscheinen und Turbozertifikaten auf fallende Kurse.

DÜSSELDORF. "Seit etwa eineinhalb Wochen verkaufen wir mehr Puts als Calls", sagt etwa Stefanie Kirbach von der Citibank, dem Marktführer im deutschen Optionsscheingeschäft. Mit Calls wetten Anleger auf steigende Notierungen, Puts profitieren bei nachgebenden Börsen. "Das Vertrauen in steigende Kurse ist offenbar schwer erschüttert", sagt Kirbach.

Bei der Auswahl der Produkte mögen es die Investoren heiß: Vor allem die extrem risikoreichen Papiere sind gefragt. In den Hitlisten der Börse liegen nicht selten Scheine vorne, die mindestens eine Hebelwirkung von zehn aufweisen. Das bedeutet: Verliert die zu Grunde liegende Aktie ein Prozent, gewinnt das Papier zehn Prozent. Bei steigenden Kursen wirkt sich diese Mechanik für den Baisse-Spekulanten allerdings auch negativ aus.

"In erster Linie sind zur Zeit Day-Trader und halb professionelle Anleger am Markt", sagt Derivate-Experte Stefan Gresse von ABN Amro. "Die brauchen einen starken Hebel, um optimal Marktschwankungen ausnutzen zu können." Und die gab es letzter Zeit reichlich. Das Barometer für die Schwankungsbreite am Aktienmarkt, der Dax-Volatilitätsindex (V-Dax), kletterte jüngst fast täglich auf neue Jahreshöchststände und liegt momentan auf dem Niveau vom Oktober 2001 - damals sorgten die Börsennachbeben des 11. Septembers für Zitterkurse.

Momentan ist es sehr risikoreich, mit Optionsscheinen in den Markt einzusteigen. Denn die hohen Volatilitäten schlagen sich unmittelbar in einem höheren Preis für die Papiere nieder. Wer jetzt investiert, riskiert, Geld zu verlieren, wenn die Kurse zwar in die gewünschte Richtung laufen, diese Bewegung allerdings eher gemächlich verläuft.

Bei Short-Turbozertifikaten besteht diese Problematik nicht. Sie sind weitgehend frei vom Einfluss der Volatilität, da ihre Kursentwicklung lediglich von der zu Grunde liegenden Aktie bestimmt wird. Allerdings sind sie mit einer Knock-Out-Schwelle versehen. Wir sie von der Aktie oder dem Index erreicht, verliert der Anleger fast seinen kompletten Einsatz und das Papier wird ausgebucht.

Dirk Schernikau vom Börsenmakler Spütz empfiehlt Anlegern, den Kauf von Scheinen mit hohem Hebel in erster Linie professionell agierenden Investoren zu überlassen. "Das damit verbundene Risiko ist enorm und setzt eine permanente Beobachtung des Marktes voraus." Oft genügt ein kleiner Ausschlag des Index in die falsche Richtung, um dem Papier einen Knock-Out-Schlag zu versetzen. Allein im Juni erlitten 245 von rund 700 Turbozertifikaten dieses Schicksal. Bei Produkten mit einer niedrigeren Hebelwirkung als zehn ist das Chance/Risko-Profil oft viel besser.

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