Extremisten-Sprecher warnt vor Vergeltungsangriffen
Mindestens 18 Tote bei Selbstmordanschlag

Bei dem schwersten Selbstmordanschlag in Israel seit Anfang Juni sind am Donnerstag in einer Pizzeria im Zentrum Jerusalems mindestens 18 Menschen getötet und mehr als 90 zum Teil lebensgefährlich verletzt worden. Die Explosion ereignete sich um die Mittagszeit, als das Lokal voll besetzt war. Unter den Getöteten sind mehrere Kinder, berichtete die Polizei. Zu dem Anschlag bekannte sich die extremistische Palästinenserorganisation "Islamischer Heiliger Krieg".

dpa JERUSALEM/GAZA. Kurz nach dem Anschlag traf der israelische Verteidigungsminister Benjamin Ben-Elieser mit führenden Generälen zusammen, um über Vergeltungsmaßnahmen zu beraten. Aus Angst vor Luftangriffen ließ die palästinensische Autonomiebehörde am Nachmittag alle öffentlichen Gebäude räumen. Bei Tulkarem im Westjordanland erschossen militante Palästinenser am Nachmittag einen israelischen Siedler.

Der Anschlag auf die beliebte Pizzeria "Sbarro" ereignete sich an einer der belebtesten Kreuzungen der Jerusalemer Innenstadt. Unmittelbar nach der Explosion rasten Dutzende Krankenwagen zum Ort des Geschehens. Das Gebiet wurde von der Polizei aus Furcht vor weiteren Anschlägen abgesperrt.

Drei Tote erst nach Stunden entdeckt

Helfern bot sich nach der gewaltigen Explosion ein furchtbares Bild. In dem total zerstörten Lokal lagen überall zerfetzte Leichen. Die Zerstörung war so groß, dass die Helfer die Leichen von drei Getöteten erst Stunden nach dem Anschlag unter den Trümmern entdeckten. Der oder die Attentäter hatten vor der Pizzeria noch eine mit Nägeln gefüllte Rohrbombe abgelegt, die zum Glück jedoch nicht explodierte.

Jerusalems Bürgermeister Ehud Olmert drückte seinen Abscheu über das Verbrechen aus. Gleichzeitig forderte er die Bevölkerung der Stadt auf, nicht in Panik zu geraten. Dies konnte jedoch nicht verhindern, dass die Polizei fälschlich Großalarm auslöste, als auf dem zentralen Busbahnhof der Stadt der Reifen eines Linienbusses platzte.

Arafat weist jede Verantwortung zurück

Bei dem bisher schwersten Selbstmordanschlag waren am 1. Juni vor einer Discothek am Strand von Tel Aviv 22 Israelis getötet worden. Bei dem letzten Selbstmordanschlag eines Palästinensers am Bahnhof der Stadt Binjamina in Nordisrael starben am 16. Juli zwei Israelis zusammen mit dem Attentäter.

Der Stellvertreter von Palästinenserpräsident Jassir Arafat, Machmud Abbas, wies Stunden nach dem Anschlag für die Autonomiebehörde jede Verantwortung zurück. Dagegen bekannte sich die Extremisten- Gruppe "Islamischer Heiliger Krieg" sehr schnell zu der Tat. Ihr Sprecher Abdallah el Schami kündigte in Gaza weitere Anschläge an. "Dies ist das erste Tor zur Hölle, das sich heute für (den israelischen Ministerpräsidenten Ariel) Scharon geöffnet hat", sagte er. Ziel des Anschlags sei Vergeltung für "die Massaker an unserem Volk". Schami warnte Scharon vor Vergeltungsangriffen. "Wir haben keine Angst vor Vergeltung, weil sich unser Leiden gar nicht mehr steigern lässt", sagte er.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%