Extremus Versicherungs-AG muss noch Zulassung durch die Aufsichtsbehörde beantragen
Assekuranz gründet Terrorschaden-Versicherung

Fast ein Jahr ist seit dem Angriff auf das World Trade Center in New York vergangen. Für deutsche Firmen ist nun der dringend benötigte Schutz vor derartigen Terror-Risiken in Sicht. Am Dienstag hat die Assekuranz einen speziellen Versicherer gegründet. Jetzt wartet die Branche gespannt auf Kunden.

DÜSSELDORF. Während der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) in Berlin gestern zum fröhlichen Betriebsausflug nach Schwerin geladen hatte, machte die Branche zur gleichen Zeit in Köln Nägel mit Köpfen: Nach wochenlangen Vorplanungen gründete sie die Extremus Versicherungs-AG, einen speziellen Terror-Versicherer.

Versicherungsschutz verkauft das Unternehmen allerdings bislang noch nicht. Das verhindert einstweilen die deutsche Bürokratie. Die wichtigste und zugleich drängendste Amtshandlung des frisch gebackenen Vorstands-Chefs Bruno Gas wird deshalb der Antrag auf Zulassung durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BAFin) sein. Die Versicherer rechnen in vier bis sechs Wochen mit der Genehmigung.

Die Gründung von Extremus war in Folge der Anschläge vom 11. September 2001 notwendig geworden. Weltweit hat danach kein Versicherer eine Terrorschaden-Deckung für Schäden oberhalb von 25 Mill. Euro Versicherungssumme angeboten. Betroffen davon waren vor allem große internationale Konzerne, die von heute auf morgen keinen finanziellen Schutz vor derartigen Risiken mehr bekamen. Das soll sich mit der neuen Extremus AG ändern, in der Staat und Assekuranzwirtschaft diese Risiken gemeinsam nach einen speziellen Verteilungsschlüssel übernehmen. Das Angebot und somit die Existenz der Extremus AG steht und fällt aber mit der Nachfrage der Kunden, also großer Unternehmen. Bis zum 11. September 2001 waren Terrorrisiken in den Industriepolicen meist kostenlos mitversichert. Wie sich die Nachfrage nach dem nunmehr separat zu zahlenden Versicherungsschutz entwickelt, ist für die Anbieter die derzeit spannendste Frage.

Die Versicherungswirtschaft will mit Extremus "innerhalb der nächsten Monate mindestens 300 Mill. Euro" einnehmen, so ihr Kalkül. Das entspricht etwa 30 % dessen, was Industrie und Gewerbe in Deutschland derzeit für ihren Feuerversicherungsschutz aufbringen. Die Terrordeckung wird für die Unternehmen also kein billiges Vergnügen - und das in einer Phase, in der dieser Kundenkreis ohnehin mit enormen Verteuerungen in der Industrieversicherung zu kämpfen hat. "Das ist notwendig, damit wir kostendeckend arbeiten können", verteidigt Extremus-Chef Bruno Gas die Umsatzerwartung. Er rechnet fest damit, dass die Wirtschaft den Schutz trotzdem nachfragen wird. Vorsorglich teilt der Versichererverband denn auch mit, "dass Extremus seinen Geschäftsbetrieb einstellen müsse, wenn die Summe von 300 Mill.Euro verfehlt werde." Ferner müsste noch die steuerliche Anerkennung der Rückstellungen für Großrisiken erfolgen (Handelsblatt v. 21.6.02). Die Länder hätten hier inzwischen ihre Bereitschaft signalisiert.

Im Prinzip herrscht also Einigkeit zwischen Staat und Assekuranz. Jetzt muss nur noch der Kunde mitmachen. Bedarf an Terrorpolicen sieht Versicherungsmakler Gunter Mengers, geschäftsführender Gesellschafter von Gayen&Berns, Homann, durchaus. Ihm liegen nach eigenen Aussagen bereits eine Reihe von Anfragen vor. "Unternehmen , denen der Terrorschutz gekündigt worden ist", weiß Mengers.

Die Interessenvertretung der gewerblichen Versicherungsnehmer wagt zur Abschlussbereitschaft ihrer Mitgliedsunternehmen indes keine Prognose, wie Geschäftsführer Günter Schlicht gegenüber dem Handelsblatt erklärt. Bei ThyssenKrupp zum Beispiel gibt sich die Versicherungsabteilung abwartend. "Erst müssen noch einige Details geklärt werden, bevor wir eine Entscheidung treffen", heißt es dort.

Eine mögliche Erklärung für die Zurückhaltung sieht Dankwart von Schultzendorff, Chef des in Deutschland führenden Versicherungsmaklers Aon darin, dass sich "viele Großkonzerne und Mittelständler von der gegenwärtigen Bedrohung durch Terrorismus nicht betroffen fühlen." Gefährdeter seien dagegen Flughäfen und andere Infrastrukturzentren

Extremus wird nach dem Start also kaum die Tür eingerannt - zumal es ein ganz praktisches Problem gibt: "Wir sind mitten in der jährlichen Erneuerungsphase der Versicherungsverträge und haben weder Preise noch Formulare für die Terrordeckung", klagt Felix Hufeld, Deutschlandchef des Weltmarkt führenden Versicherungsmakler Marsh.

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