Exxon, Shell, BP und Co. fahren satte Gewinne ein
In der Ölbranche wächst die Investitionsbereitschaft

Die Rohölpreise halten sich länger als gedacht auf hohem Niveau. Experten schätzen, dass die großen Ölkonzerne ihre Ausgaben für Investitionen um rund ein Viertel steigern werden.

BRÜSSEL. Die Ölindustrie erlebt derzeit einen Boom - sehr zum Ärger der Endverbraucher. Sie kämpfen mit ständig steigenden Energiepreisen. Die OPEC, die Organisation Erdöl exportierender Länder, hält durch häufige Anpassungen der Fördermenge nicht nur die Rohölpreise auf hohem Niveau. Auch die Preise für Erdgas und Elektrizität sind vor allem in den USA, dem größten Energiemarkt weltweit, rasant gestiegen. Die Ölkonzerne können sich auf eine riesige Gewinnwelle freuen.

Die kürzlich veröffentlichten Quartalsergebnisse belegen es schon jetzt: Drei der weltweit größten, an der Börse notierten Ölkonzerne - Exxon Mobil Corp., die Royal Dutch/Shell Group und BP Plc - erwirtschafteten zusammen einen auf Jahresbasis berechneten Gewinn von mehr als 50 Mrd. $.

Angesichts dieser Perspektiven werden die Ölriesen wieder spendabler. Als 1998 die Ölpreise einbrachen, hatten sie die Gürtel enger schnallen müssen. Branchenexperten schätzen, dass die Investitionen der großen Ölkonzerne im laufenden Jahr um rund ein Viertel steigen werden. "Jetzt kommen sie aus ihren Startlöchern", bestätigt Lawrence Goldstein, Präsident der New Yorker Petroleum Industry Research Foundation, diesen Trend.

Es wird auch Zeit dafür. Die aktuelle Volatilität bei den Energiepreisen sehen viele Experten als Folge eines Rohstoff-Förderprogramms, das an seine Grenzen stößt. In den USA wächst langsam das Interesse, die Kapazitäten der Raffinerien zu vergrößern. Dort sind die Nachfrage nach Benzin und Heizöl und dementsprechend die Preise so stark nach oben gegangen, dass man sogar aus Übersee importieren muss. Das wiederum hat die Versorgungslage in Europa verschärft. "Sowohl in West-Europa als auch in Nordamerika herrscht ein Mangel an Benzin", konstatiert Leo Drollas, Stellvertretender Direktor des in London ansässigen Zentrums für Globale Energiestudien.

Unterdessen ist in den USA die Nachfrage nach Erdgas so rasant gestiegen und die Suche nach diesem Rohstoff so schwierig geworden, dass Ölkonzerne mittlerweile sogar überlegen, flüssiges Erdgas aus dem nordafrikanischen Algerien zu importieren. Denn die Elektrizitätsengpässe, wie sie in den vergangenen Monaten vor allem in Kalifornien auftraten, sind ein deutliches Zeichen dafür, dass die Versorgungsunternehmen bald noch mehr Gas benötigen, um ihre Anlagen zu betreiben.

Trotzdem sind die Ölgesellschaften immer noch vorsichtig. Normalerweise nehmen neue Energieprojekte mehrere Jahre in Anspruch. Und in der Regel ist es sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich, die zu erzielenden Preise so lange im voraus festzulegen. Tatsächlich haben Exxon Mobil, Shell, BP, die französische Gesellschaft Total Fina Elf und andere in letzter Zeit ihre Aktien zurückgekauft, anstatt ihre finanziellen Restriktionen zu lockern - sie stammen aus der Zeit des Ölpreiscrashs - und Investitionen zu tätigen. Trotzdem verfügen sie immer noch über genügend Barreserven: Shell zum Beispiel hat Bareinlagen von mehr als 11 Mrd. $ .

Die Phase der relativ hohen Ölpreise dauert inzwischen länger an, als viele Beobachter erwartet hatten. Goldstein von der Petroleum Industry Research Foundation hat herausgefunden, dass die Ölgesellschaften ihre Investitionsschranken herabgesetzt haben. Er schätzt, dass sie heute Felder auch dann erschließen, wenn die Kosten pro Barrel bei 16 $ liegen. Früher hätten sie sich nur mit Projekten zufrieden gegeben, die schon bei 14 $ pro Barrel profitabel arbeiteten. Je länger die Ölpreise bei rund 25 $ für ein Barrel liegen - und auf diesem Niveau bewegen sich dieses Jahr die Preise - desto eher sind die Ölgesellschaften bereit, zu investieren.

Viele Manager der Ölkonzerne sind sich der branchentypischen Auf- und Abwärtsbewegungen durchaus bewusst. Deshalb verfolgten sie in den Jahren seit dem Ölpreis-Crash eine Politik der Konsolidierung - diese legte den Grundstein für Big Player wie Exxon Mobil und BP.

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