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EZB-Chefvolkswirt Issing warnt vor Inflationsgefahr

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, OtmarIssing, ist besorgt über den kontinuierlichen Anstieg der Inflationserwartungen."Der Anstieg ist bisher nicht dramatisch, aber eine Entwicklung, die mich miteiniger Sorge erfüllt", sagte Issing dem "Handelsblatt" (Montagausgabe).

FRANKFURT (dpa-AFX) - Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, OtmarIssing, ist besorgt über den kontinuierlichen Anstieg der Inflationserwartungen."Der Anstieg ist bisher nicht dramatisch, aber eine Entwicklung, die mich miteiniger Sorge erfüllt", sagte Issing dem "Handelsblatt" (Montagausgabe).

Gleichzeitig warnte er vor einer möglichen Kompensation derPreissteigerungen durch höhere Löhne, den so genannten Zweitrunden-Effekten.Sollten sich solche Entwicklungen abzeichnen, müsse die EZB mit höheren Zinsenreagieren. Die Lohn- und Gehaltsempfänger müssten derzeit zwar eine Mengeverkraften, beispielsweise höhere indirekte Steuern und die gestiegenenÖlpreise, sage Issing. Hierbei handele es sich aber um Einmal-Effekte, die nichtdurch höhere Nominallöhne kompensiert werden dürften. "Den Leuten dafürVerständnis abzuverlangen, ist jedoch gewiss nicht einfach."

Die am Wochende vereinbarte EU-Verfassung ist für Issing "eine Bestätigungder entscheidenden Elemente der europäischen Währungsverfassung: derUnabhängigkeit und des Mandats der EZB". Issing bedauerte allerdings, dassandere Elemente der Währungsverfassung - jetzt in Teil III der Verfassung-einem vereinfachten Änderungsverfahren unterworfen sind. Dazu gehöre auch dieUnabhängigkeit der nationalen Notenbanken.

ISSING WEHRT SICH

Der EZB-Chefvolkswirt wehrte sich gegen den Vorwurf von Wissenschaftlern,die EZB habe die Inflation in ihren Prognosen systematisch unterzeichnet."Unsere Prognosen waren nicht systematisch zu niedrig, weil die Gründe dafürnicht systematischer Natur waren", sagte Issing. "Wir hatten vielmehr eineAbfolge negativer Preisschocks." Den Trägheitselementen, die verhindern, dasssich die Inflation im Euro-Raum zügig zurückbildet, gehe die EZB derzeit ineinem groß angelegten Forschungsprojekt auf den Grund.

In ihren Inflationsprognosen verwende die EZB nach wie vor als exogenen Wertfür den Ölpreis die Terminkontrakte, sagte Issing. Diese hätten sich allerdingsin letzter Zeit im Nachhinein immer als zu günstig herausgestellt. Deswegen habedie EZB auch Rechnungen mit alternativen Annahmen über den Ölpreisdurchgeführt.Agenturen hatten berichtet, die EZB erwäge, in ihren Prognosenkünftig statt der Ölterminpreise die Ölkassapreise zu verwenden.

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