EZB-Entscheid habe keinen Impuls ausgelöst
Freundliche Börse belastet Euro-Renten

Die freundlichere Tendenz an den Aktienmärkten und die Enttäuschung über die weiter zögerliche Haltung der Europäischen Zentralbank (EZB) in der Zinspolitik haben die europäischen Zinsfutures am Freitag in einem umsatzschwachen Handel nach Händlerangaben etwas belastet.

Reuters FRANKFURT. Das Marktgeschehen bezeichneten Händler einen Tag nach der EZB-Entscheidung, die Leitzinsen unverändert zu lassen, als weitgehend impulslos. Die Kurse seien bis zum frühen Nachmittag in engen Spannen gependelt. In der kommenden Woche erwarten Marktteilnehmer jedoch wieder neu aufkommende Spekulationen über eine Zinssenkung der EZB bei ihrer nächsten Ratssitzung am 11. April, wovon vor allem die Papiere mit kurzer Laufzeit einen Schub bekommen könnten. Zudem sei die Erholung der Aktienmärkte voraussichtlich nicht von Dauer, so dass es weiter zu Portfolio-Umschichtungen zu Gunsten der Festverzinslichen kommen werde.

Der richtungweisende Euro-Bund-Future notierte gegen 15.15 Uhr MESZ bei knapp 310 000 gehandelten Kontrakten mit 16 Ticks im Minus bei 109,22 Punkten. In der Spitze war der Terminkontrakt zuvor noch bis auf 109,46 Zähler geklettert. Der Bobl-Future verlor zehn Ticks auf 106,70 Zähler. Am kurzen Ende gab der Schatz-Future sechs Stellen auf 103,15 Punkte ab. Die zehnjährige Bundesanleihe Januar 2011 notierte zur Kasse mit 104,10 nach 104,41 % am Mittwoch. Gegen 15.15 Uhr MESZ lag sie bei 103,99 % und rentierte mit 4,72 %.

Leichte Abwärtstendenz der Staatsanleihen

Die leichte Abwärtstendenz der Staatsanleihen begründeten Marktteilnehmer vor allem mit der freundlicheren Tendenz an den europäischen Aktienmärkten. "Renten sind im Moment ein bisschen aus der Mode gekommen", sagte ein Händler. In den vergangenen Wochen sei der Markt für Festverzinsliche für viele Anleger ein idealer Fluchtraum gewesen. Dies habe den Kursen einen Höhenflug beschert. "Wir kommen nun wieder in die Sphären, in denen wir uns vor dem Einbruch an den Aktienmärkten bewegten", sagte ein Marktteilnehmer. Daher könne auch nur von einer Normalisierung, aber nicht von dem Beginn eines dauerhaften Abwärtstends gesprochen werden. Er äußerte sich optimistisch, dass in den kommenden Wochen vor allem immer mehr Kleinanleger in den sicheren Hafen der Staatsanleihen zurückkehren würden.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) legte bis zum Nachmittag 0,7 % auf 5 915 Zähler zu. Die Gewinne beruhen Aktienhändlern zufolge auf dem deutlichen knapp vierprozentigen Plus des Indexschwergewichts Allianz. Die Papiere des Versicherers könnten weiterhin von der geplanten Übernahme der Dresdner Bank durch die Allianz profitieren. Details zur Schaffung des ersten deutschen Allfinanzkonzerns sollen nach Informationen aus Finanzkreisen am Wochenende geklärt werden.

Auch enttäuschte Anleger belasten die Euro-Renten

Zusätzlich belastet wurden die Euro-Renten nach Händlerangaben von der Enttäuschung vieler Anleger über die weiterhin abwartende zinspolitische Haltung der EZB. Bundesbankpräsident Ernst Welteke begründetet am Freitag den Beschluss des EZB-Rats vom Vortag, die Leitzinsen unverändert zu lassen, mit weiter bestehenden Inflationsrisiken in der Euro-Zone. Nach seiner Ansicht zeigen die monetären Indikatoren, dass die EZB-Geldpolitik derzeit nicht restriktiv ist. Darüber hinaus seien die Realzinsen in der Euro-Zone weiter realtiv niedrig. Am Markt besteht Händlern zufolge jedoch nahezu Übereinstimmung, dass die EZB im April die Zinsen senken wird. Dies werde in den kommenden Tagen erneut vor allem dem kurzen Marktende Unterstützung verleihen.

Die börsennotierten Bundesanleihen notierten am Donnerstag im Kassa-Vergleich mehrheitlich leichter. Fünf der gehandelten Papiere gewannen bis zu 0,015 Prozentpunkte, 77 gaben bis zu 0,54 Prozentpunkte ab. Die Umlaufrendite öffentlicher Anleihen stieg auf 4,66 (4,63) %. Die Bundesbank kaufte in Frankfurt zum Marktausgleich Anleihen im Volumen von 150,2 (Donnerstagskäufe 3,7) Mill. Euro. Der Rex-Rentenindex verlor 0,15 % auf 113,3595 Zähler.

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