EZB-Entscheid - Händler winken ab
Anleihen: Arbeitsmarkdaten ohne Wirkung

Spekulationen über den Fortgang des Irak-Krieges haben die europäischen Renten am Donnerstag ins Minus drehen lassen.

Reuters FRANKFURT. "Zwar sieht es im Moment nicht danach aus, aber es herrscht im Markt die Angst vor weiteren positiven Kriegsmeldungen aus Sicht der USA", sagte ein deutscher Händler. Erfolge der USA ließen auf ein rasches Kriegsende hoffen und begünstigten Aktien. Herrsche dagegen die Erwartung eines längeren Krieges, so komme das den Kursen der Festverzinslichen zu Gute. Den Zusammenhang zwischen diesen beiden Märkten stellte auch ein anderer Händler heraus: "Die Renten haben ins Minus gedreht, weil die Aktien jetzt im Plus sind." Am Morgen hatte die Furcht vor einem verlustreichen Häuserkampf in der irakischen Hauptstadt Bagdad noch für Kursgewinne an den europäischen Rentenmärkten gesorgt.

Der richtungweisende Juni-Bund-Future lag gegen 11.30 Uhr MESZ 73 Ticks im Minus bei 113,14 Punkten. Die dem Bund-Future zu Grunde liegende zehnjährige Bundesanleihe notierte 74 Ticks niedriger bei 102,11 Prozent und rentierte mit 4,228 Prozent. Der Bobl-Future gab 42 Stellen auf 110,71 Zähler nach, der Schatz-Future fiel um 13 Ticks auf 105,93 Punkte. Gleichzeitig wies der Deutsche Aktienindex Dax ein Plus von 1,26 Prozent auf 2 620 Punkte auf.

Wie an den vergangenen Tagen stand auch am Donnerstag der Irak-Krieg wieder im Mittelpunkt. Die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) am Mittag spielte Händlern zufolge kaum eine Rolle im Handel, zumal kein Zinsschritt erwartet werde. Für etwas Ablenkung vom Irak-Krieg könne aber die Pressekonferenz von EZB-Präsident Wim Duisenberg im Anschluss an die Entscheidung sorgen. Die EZB wird nach Einschätzung vieler Experten den Leitzins, der seit März bei 2,50 Prozent liegt, noch nicht wieder senken.Die Notenbank gibt ihre Entscheidung um 13.45 Uhr MESZ bekannt. Duisenberg wird den Beschluss wie üblich ab 14.30 Uhr MESZ vor der Presse erläutern.

Zuletzt hatten mehrere Vertreter der Notenbank betont, die Wirtschaftslage sei derzeit nicht verlässlich zu beurteilen, und damit signalisiert, dass die EZB das Zinsniveau vorerst nicht ändern werde. Bei der jüngsten Reuters-Umfrage unter 55 Analysten sagten denn auch 43 unveränderte Zinsen für die Zinssitzung im April voraus. 49 Volkswirte rechneten allerdings für Mai oder Juni mit einer weiteren Zinssenkung.

Wichtige Konjunkturdaten wie die Zahlen zur Entwicklung des deutschen Arbeitsmarktes im März blieben am Markt ohne Wirkung. "Auch die wichtigsten Daten verpuffen zurzeit angesichts des Irak-Krieges", sagte ein Händler.

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