EZB--Entscheidung belaste die Währung
Euro fällt auf Dreimonatstief

Der Euro ist am Freitag im frühen europäischen Geschäft auf ein neues Dreimonatstief bei 0,8932 $ gefallen. Die Währung pendelte am Morgen in einer weiten Spanne zwischen knapp 0,90 und 0,8932 $.

Reuters FRANKFURT. Händler machten für den erneuten Tiefpunkt der Währung gegenläufige Faktoren verantwortlich. So belaste weiterhin der Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB) vom Donnerstag, die Zinsen unverändert zu lassen, die Währung. Die Anleger sähen dadurch zunehmende Risiken für das Wirtschaftswachstum in der Euro-Zone. Zudem drückten Kapitalrückführungen durch US-Fonds und die Erwartung einer Leitzinssenkung in den USA von bis zu 75 Basispunkten den Kurs. Andererseits gebe es aber auch Untertsützung für den Euro durch umfangreiche Käufe gegen Yen und Positionsbereinigungen nach den massiven Einbussen der letzten Tage.

Auch der Yen geriet wieder unter Druck. Händler begründeten dies mit anhaltender Sorge um die japanische Wirtschaft und Verwirrung über die Wechselkurspolitik der Regierung in Tokio. Dadurch sackte der Yen zum $ zeitweise auf ein 22-Monatstief bei 122,73 Yen ab.

Gegen 10.30 Uhr MEZ kostete der Euro 0,8938/42 nach einer letzten Notiz am Donnerstag in New York von 0,8974/79 $. Die US-Valuta wurde mit 122,53/58 (122,37/45) Yen gehandelt.

EZB könne mit Maßnahmen zu spät kommen

Händlern zufolge befüchten die Investoren, die EZB könnte möglicherweise nicht rechtzeitig auf mögliche dämpfende Auswirkungen der weltweiten Verlangsamung des Wirtschaftswachstums reagieren. Die EZB hatte die Leitzinsen in der Euro-Zone am Donnerstag erwartungsgemäß unverändert gelassen. Nach zuletzt erneut steigenden Verbraucherpreisen in einigen Länder der Euro-Zone und den für die Euro-Zone nach wie vor günstigen Konjunkturaussichten, hatten Analysten überwiegend mit dieser Entscheidung gerechnet. Die meisten von ihnen erwarten eine Leitzinssenkung frühestens im April.

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agegen sehen die Anleger in den USA die Möglichkeit für eine noch deutlichere Zinssenkung als bislang erwartet. Nach den massiven Kursverlusten der US-Aktienbörsen haben sich Händlern zufolge die Spekulationen verstärkt, die US-Notenbank (Fed) könne bei ihrem nächsten Treffen am kommenden Dienstag die Leitzinsen deutlicher als bisher erwartet senken. Es stelle sich jetzt die Frage, ob die Fed am 20. März die Zinsen um 25, 50 oder 75 Basispunkte senken werde, hieß es. Sollten die starken Verluste an der Wall Street anhalten, deutete dies klar auf 75 Punkte hin. Dies wiederum habe Hoffnungen aufkeimen lassen, dass sich die US-Wirtschaft in der Folge massiver Senkungen rascher erholen werde, als bisher angenommen.

Rückführung von Kapital belaste den Euro zusätzlich

Belastet wird der Euro nach Angaben von Händlern zudem durch die Rückführung von Kapital durch US-Fondsgesellschaften an deren heimische Märkte. Deren beliebtestes Spiel der letzten Woche bestehe darin, Euro-Longpositionen aufzubauen, die sie dann, wie zum gegenwärtigen Zeitpunkt, liquidieren und die frei werdenden Gelder in US-Treasuries anlegten, hieß es.

Widersprüchliche und verwirrende Aussagen zur Wechselkurspolitik Japans haben indessen den Yen zum Dollar zeitweise auf ein 22-Monatstief bei 122,73 Yen abrutschen lassen, hieß es im Handel. So seien Gerüchte über die Festlegung eines Wechselkursziels bei 140 Yen zum Dollar zwar durch den stellvertretenden Finanzminister Haruhiko Kuroda als falsch zurückgewiesen worden, doch hätten Äußerungen von Handelsminister Takeo Hiranuma danach wieder Verwirrung ausgelöst. Dieser hatte den derzeitigen Kurs von rund 122 Yen zum Dollar als hilfreich angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Situation bezeichnet.

Darüber hinaus hätten Berichte japanischer Medien, wonach die Bank von Japan bei ihrem Treffen am Montag nicht nur zur Null-Zinspolitik zurückkehren, sondern dazu einen anderen Weg einschlagen werde, den Kurs gedrückt. Am 19. März will der geldpolitische Ausschuss der japanischen Notenbank den weiteren Kurs der Geldpolitik erörtern.

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