EZB folgt der Fed mit Zinssenkung
Notenbanken stemmen sich gemeinsam gegen Wirtschaftsrisiken

Wichtige Notenbanken der Welt haben gestern in einer außerplanmäßigen Aktion nacheinander ihre Leitzinsen um je 50 Basispunkte gesenkt.

HB FRANKFURT/M. Rund eine Stunde vor Wiedereröffnung des Handels an der Wall Street senkte die US-Notenbank Fed, es folgten in zeitlichem Abstand die Zentralbanken in Kanada, im Euro-Raum, in der Schweiz und in Schweden. Damit reagierten die Notenbanken auf die gestiegenen Sorgen um die Konjunktur nach den Terroranschlägen gegen die Vereinigten Staaten.

Der Satz für Tagesgeld in den USA liegt nach dieser achten Senkung in diesem Jahr nunmehr bei 3,0 %. In der Europäischen Währungsunion beträgt der wichtigste EZB-Zinssatz - nach drei Schritten abwärts - jetzt 3,75 Prozent.

Die US-Notenbank begründete den Schritt mit den Risiken einer wirtschaftlichen Abschwächung. Außerdem wolle man die Märkte weiterhin mit "ungewöhnlich hoher" Liquidität nach den Terror-Anschlägen versorgen. Langfristig sehen Alan Greenspan und seine Mitstreiter allerdings günstige Chancen auf Produktivitätszuwachs und Wachstum.

Terrorangriffe belasten auch die wirtschaftliche Zuversicht in der Euro-Zone

Aus Sicht der EZB dürften die Terrorangriffe in den USA die wirtschaftliche Zuversicht auch in der Euro-Zone zusätzlich belasten. Dies werde die Inflationsrisiken weiter drücken. Vor dem Hintergrund der soliden Fundamentaldaten im Euro-Währungsgebiet sei der EZB-Rat aber auch weiterhin zuversichtlich, heißt es in einer Erklärung, dass die Abschwächung des Wirtschaftswachstums nur von kurzer Dauer sein werde.

Vor allem die in einer Telefonkonferenz herbeigeführte Zinssenkung der Euro-Bank überraschte die Märkte. EZB-Chef Wim Duisenberg hatte die Fed-Entscheidung noch zuvor mit den Worten kommentiert, sie sei Teil der Strategie, das Vertrauen von Erzeugern und Verbrauchern zu stützen. "Der US-Zinsschritt stellt kein Warnsignal für die Wirtschaft in der Euro-Zone dar", sagte Duisenberg. Er hatte zudem betont, das Ausmaß der ökonomischen Folgen der Attentate sei noch nicht zu prognostizieren.

Zinssenkungen als Signal zur Beruhigung der Aktienmärkte

Analysten werteten die Zinssenkungen als Signal zur Beruhigung der Aktienmärkte. "Die Fed reagiert auf die Entwicklungen und bekräftigt damit ihr Versprechen der vergangenen Woche, Liquidität zur Verfügung zu stellen", sagte Gary Thayer, Chefvolkswirt von Edwars & Sons in St. Louis.

Gustav Horn, Konjunktur-Abteilungsleiter am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), bezeichnete die Zinsentscheidung der Fed als "gut platziert". Der Versuch, die Börse bereits vor deren Wiedereröffnung abzufangen, sei richtig gewesen: "Die Abwärtsbewegung an der US-Börse ist kein Crash, sondern bewegt sich im Rahmen dessen, was die europäischen Börsen vorweggenommen haben".

Die konzertierte Aktion zeigt den Ernst der Lage

Der Chefvolkswirt der Dresdner Bank, Klaus Friedrich, sagte der Deuten Presseagentur: "Ich vermute, es ist eine konzertierte Aktion, und es zeigt den Ernst der Lage." Die EZB habe angemessen auf die aktuelle Entwicklung reagiert, nachdem Duisenberg und seine Mannschaft am vergangenen Donnerstag zunächst die Leitzinsen unverändert gelassen hatten. "Es zeigt, dass wir alle in einem Boot sitzen", betonte der Chefökonom der drittgrößten deutschen Privatbank. DG Bank-Chefvolkswirt Michael Heise sagte, er habe erwartet, dass EZB und Fed die Zinsen in einer konzertierten Aktion außerhalb der üblichen Termine herunter schleusen. Überraschend sei lediglich das Ausmaß gewesen. Heises Kollege von der Commerzbank, Ulrich Ramm, sieht den EZB-Zinsschritt vor allem als Stützungsaktion für den Dollar, der seit rund einer Woche gegenüber dem Euro deutlich ins Hintertreffen geraten ist. Der zeitweilig über die Marke von 0,93 Dollar gestiegene Eurokurs sackte nach den beiden Entscheidungen sogar unter 0,92 Dollar ab.

Duisenberg trat in diesem Zusammenhang gestern freilich auch Spekulationen entgegen, das vergangene Woche geschlossene Devisen- Tausch-Geschäft zwischen Fed und EZB diene dazu, die Wechselkurse zu stabilisieren.

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