EZB in der Zwickmühle
Zeichen stehen günstig für neue Zinssenkungsrunden

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Ansicht der meisten Beobachter bis zum Jahresende nicht um weitere Zinssenkungen herumkommen. Einige Fachleute schließen nicht aus, dass die Euro-Banker entgegen ihren abwehrenden Signalen schon bei ihrer Sitzung am heutigen Donnerstag eine Zinssenkung im Euroland um 25 Basispunkte beschließen.

dpa-afx. FRANKFURT. Die EZB hatte die Leitzinsen zuletzt am 17. September in einer konzertierten Aktion mit der US-Notenbank Fed um 50 Basispunkte auf 3,75 % gesenkt, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Terror-Anschläge in New York und Washington zu dämpfen. Der Schritt hatte Experten überrascht, da die EZB vorher eine eher zurückhaltende Geldpolitik verfolgt hatte.

Die DGZ Deka-Bank nimmt an, dass die EZB bis Jahresende noch zwei Zinssenkungen zu je 25 Basispunkten vornehmen wird. "Wir wären nicht überrascht, wenn die EZB bereits am Donnerstag handeln würde", erklärten die DGZ-Volkswirte. Abwiegelnde Äußerungen der EZB seien in der Vergangenheit schon häufig nach kurzer Zeit Makulatur geworden.

Die EZB stehe derzeit in einer Zwickmühle zwischen einer schwächer werdenden Konjunktur und einer noch hohen HVPI-Inflationsrate von 2,8 %. Damit liege die Inflationsrate immerhin einen Prozentpunkt über dem Niveau, das noch nicht als bedenklich gilt. Die Inflation dürfte nach Einschätzung der DGZ-Fachleute jedoch wieder fallen. Dazu trügen der stark gesunkene Ölpreis aber auch das Ende der preistreibenden Effekte der MKS- und BSE-Seuche im kommenden Frühjahr bei.

Fortgesetzte Konjunktureintrübung

Auch die WGZ-Bank erwartet eine Zinsenkung um 25 Basispunkte bereits an diesem Donnerstag. Die gesamte Datenlage im Euroland deute auf eine "fortgesetzte Konjunktureintrübung" hin, erklärten die Experten am Mittwoch. Sowohl die Einkaufsmanager-Indizes, der Ifo-Index, der INSEE-Index wie auch die Indikatoren zur Stimmung, zur realwirtschaftlichen Entwicklung und zu den Auftragseingängen würden dies nahelegen. Die rückläufige Preisentwicklung wie auch die aktuelle Wachstumsschwäche würden ein übriges zu dieser Einschätzung beitragen.

Die Investmentbank Merrill Lynch prognostiziert ebenfalls eine Zinssenkung um 25 Basispunkte am 11. Oktober und nennt die selben Gründe dafür.

Stefan Bielmeier, ECB-Watcher aus der volkswirtschaftlichen Abteilung der Deutschen Bank in Frankfurt, sieht die Zeit für eine neue Zinssenkung jedoch noch nicht unmittelbar gekommen. Schließlich hätten die europäischen Währungshüter erst vor kurzem die Zinsen gesenkt. "Jetzt wird die EZB erst einmal abwarten, wie die Zinssenkung vom 17. September wirkt", sagte Bielmeier.

Bielmeier rechnet aber mit einer Zinssenkung von 25 Basispunkten in der darauffolgenden EZB-Sitzung am 25. Oktober. Eine weitere Zinssenkungsrunde in gleichem Umfang würden die Zentralbanker dann vermutlich noch im Dezember verfügen. "Die Faktoren, nämlich der deutliche Rückgang der Inflation und das weiter schrumpfende Wachstum, sprechen klar für Zinssenkungen noch in diesem Jahr", so Bielmeier.

Sitzung der EZB diesmal in Wien

Die Sitzung des EZB-Rates wird am Donnerstag in Wien abgehalten. Pro Jahr will die EZB zwei auswärtige Sitzungen abhalten. Das Ergebnis der Beratungen wird aber wie üblich um 13.45 Uhr in der EZB-Zentrale in Frankfurt bekannt gegeben. Um 14.30 Uhr wird dann wie gewohnt EZB-Präsidnet Wim Duisenberg die Entscheidung vor der Presse kommentieren, diesmal allerdings in Wien.

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