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EZB lässt Leitzinsen in Euro-Zone unverändert

Der Schlüsselzins beträgt weiter 4,75 Prozent, teilte die EZB im Anschluss an die turnusmäßige Ratssitzung in Frankfurt mit.

Reuters FRANKFURT. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen in der Euro-Zone am Donnerstag erwartungsgemäß unverändert gelassen. Der Schlüsselzins betrage weiter bei 4,75 Prozent, teilte die EZB im Anschluss an die turnusmäßige Ratssitzung in Frankfurt mit. Die meisten Analysten hatten mit dieser Entscheidung gerechnet. Sie erwarten aber, dass die EZB noch vor Jahresende die Zinsen erneut anhebt, um die aus dem hohen Ölpreis und dem schwachen Euro resultierenden Inflationsgefahren einzudämmen. Der Euro reagierte kaum auf den Beschluss und notierte gegen 13.55 MEZ nahezu unverändert bei knapp 0,8640 Dollar. EZB-Chef Wim Duisenberg wollte den Zinsbeschluss wie nach jeder ersten Sitzung im Monat um 14.30 Uhr vor der Presse in Frankfurt erläutern.

Ebenso wie den als Schlüsselzins für die Refinanzierung der Geschäftsbanken geltenden Mindestbietungssatz für Hauptrefinanzierungsgeschäfte ließ die EZB auch den Zinskorridor für den Euro-Geldmarkt unverändert. Die Sätze dafür betragen weiter 3,75 Prozent für Übernacht-Einlagen von Geschäftsbanken bei der EZB (Einlagenfazilität) sowie 5,75 Prozent für Übernachtkredite (Spitzenrefinanzierungsfazilität). Die Notenbank hatte erst am 5. Oktober zum siebten Mal seit November 1999 die Leitzinsen erhöht und alle drei Sätze um 25 Basispunkte angehoben. Mit der damaligen Entscheidung hatte die EZB die Finanzmärkte überrascht.

Vor der Sitzung am Donnerstag hatten 55 der 58 von Reuters befragten Analysten mit unveränderten Zinsen gerechnet. Analysten zeigten sich daher von der Zinsentscheidung der EZB nicht überrascht. Viele Experten gehen aber davon aus, dass die EZB voraussichtlich noch vor Jahresende die Zinsen ein weiteres Mal erhöht.

EZB-Präsident Wim Duisenberg hatte nach der vorangegangenen Ratssitzung am 19. Oktober betont, die EZB werde sicherstellen, dass steigende Importpreise nicht zu dauerhaft höheren Verbraucherpreisen führten. Die Verbraucherpreise in der Euro-Zone hatten im September mit einem Anstieg um 2,8 zum Vorjahr die Toleranzgrenze der EZB von 2,0 Prozent wie schon in den Vormonaten deutlich überschritten. Mit der Aussage, die Geldpolitik sei immer noch "akkomodierend", also eher wachstumsfördernd, habe Duisenberg weitere Zinserhöhungen angedeutet, sagten Analysten zuletzt.

Klaus Schrüfer von der BFG Bank sagte, er rechne durchaus noch in diesem Jahr mit einer weiteren Zinsanhebung. "Ich halte einen weiteren Zinsschritt noch in diesem Jahr für wahrscheinlich, weil wegen des Euro-Kurses Nervosität besteht und die inflationären Effekte des Euro und der hohen Ölpreise nach wie vor nicht überwunden sind." Im November sei ein weiterer Zinsschritt daher nicht ausgeschlossen.

Uwe Angenendt, Chefvolkswirt bei der BHF-Bank, sagte allerdings, er rechne in diesem Jahr mit keinem weiteren Zinsschritt. "Die Europäische Zentralbank hat ja zuletzt selbst Sorge geäußert über den weiteren Konjunkturverlauf. Ich glaube, dem wird man Rechnung tragen", sagte er.

In den zurückliegenden Tagen hatte sich der Euro erholt. Am 26. Oktober war die Gemeinschaftswährung noch auf ein Rekordtief von 0,8228 Dollar gefallen. Doch Anzeichen einer konjunkturellen Verlangsamung in den USA haben dem Euro seitdem Kursgewinne beschert. Am Donnerstag kletterte die Währung zwischenzeitlich auf ein Drei-Wochen-Hoch bei Kursen um 0,8667 Dollar.



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