EZB lässt Zinsen unverändert
Duisenberg glaubt weiter an Aufschwung

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag die Zinsen in der Euro-Zone wie erwartet nicht geändert. Die Finanzmärkte rechnen jedoch mit einer weiteren Zinssenkung in den kommenden Monaten, wenn die Konjunktur auch nach dem Ende des Irak-Kriegs nicht in Gang kommen und der Preisauftrieb damit gedämpft werden sollte.

Reuters FRANKFURT. Die Konjunktur in der Euro-Zone wird sich nach dem Ende des Irak-Kriegs nach Worten von EZB-Präsident Wim Duisenberg im Lauf dieses Jahres schrittweise erholen. Das Zinsniveau in der Euro-Zone stehe derzeit in Einklang mit Preisstabilität auf mittlere Sicht, sagte Duisenberg am Donnerstag vor der Presse in Frankfurt. Die Geldpolitik sei dem Wachstum förderlich. Mit dem Ende der Militäraktionen seien wichtige Abwärtsrisiken geschwunden. "Die Wirtschaftsaktivität blieb gedämpft, aber es ist eine schrittweise Erholung später in diesem Jahr zu erwarten, die sich 2004 beschleunigen sollte."

Die EZB hatte den Schlüsselzins in der Euro-Zone wie erwartet unverändert bei 2,50 % gelassen. Die Finanzmärkte rechnen jedoch mit einer weiteren Zinssenkung in den kommenden Monaten, wenn die Konjunktur nicht in Gang kommen und der Preisauftrieb damit gedämpft werden sollte.

Die EZB hingegen geht weiterhin von einem allmählichen Aufschwung aus. Zu der erwarteten Konjunkturerholung wird nach Worten Duisenbergs eine Erholung der weltweiten Nachfrage, die niedrige Inflation und das niedrige Zinsniveau beitragen. "Der Rückgang der Unsicherheit sollte ebenfalls zur Erholung beitragen." Die EZB werde weiterhin die Entwicklung aufmerksam im Hinblick auf die Preisstabilität verfolgen, sagte Duisenberg.

Bei der jüngsten Reuters-Umfrage hatten 54 der 61 Volkswirte als Termin für eine geldpolitische Lockerung auf den Juni getippt. Daniela Etschberger von Dresdner Kleinwort Wasserstein geht zu diesem Termin von einer Zinssenkung um mindestens 25 Basispunkte aus. "Die Konjunkturdaten waren zuletzt sehr schlecht, aber vielleicht noch vom Irak-Krieg verzerrt. Die EZB will deshalb noch einen Monat abwarten, um ganz sicherzugehen", sagte die Analystin. Mit dem Ende der Kampfhandlungen im Irak konnten zwar pessimistische Szenarien von drastischen Ölpreisanstiegen und Kurseinbrüchen an den Aktienmärkten beiseite gelegt werden. Dennoch zeichnete sich bisher weder ein kräftiger Kursaufschwung an den Börsen ab noch wachsender Optimismus bei Verbrauchern und Unternehmen. Zudem belastet der Euro-Kursanstieg zunehmend die Exporte und schmälerte bereits Umsätze bei Konzernen wie Henkel oder VW.

Die EZB hatte zuletzt im März die Leitzinsen um 25 Basispunkte reduziert, da sie ihre Wachstumserwartung für dieses Jahr auf rund ein Prozent gesenkt hatte und von einer günstigeren Inflationsentwicklung mit Teuerungsraten unter zwei Prozent ausging.

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