EZB-Rat wird sein Zinstempo verlangsamen
Finanzmärkte rechnen nicht mit einer Zinserhöhung

Die Finanzmärkte gehen davon aus, dass der EZB-Rat heute den Leitzins bei 4,50 % unverändert lassen wird. Die Entscheidung wird gegen 13.45 erwartet.

vwd FRANKFURT. Die Finanzmärkte und ihre EZB-Watcher gehen davon aus, dass der EZB-Rat an diesem Donnerstag in Frankfurt den als Leitzins fungierenden 2-Wochen-Refi-Mindestbietungssatz mit 4,50 % unverändert lassen wird. Darüber hinaus haben sich die Zinserhöhungserwartungen für den weiteren Jahresverlauf abgekühlt, weil die hohen und volatilen Ölpreise auf Grund der Risiken für die Konjunktur eher zum Abwarten anhalten. Zudem gelte es, das allmähliche Greifen der bisherigen Zinserhöhungen um immerhin 200 Basispunkte seit einem Jahr zu analysieren. Voraussichtlich gilt diese Einschätzung auch noch für die EZB-Rat-Sitzung am 19. Oktober, die in Paris stattfindet.

EZB-Watcher Uwe Angenendt (BHF-Bank) hat deshalb in seiner EZB-Prognose die Frage und den Zeitpunkt für eine - vor kurzem noch für Herbst erwartete - neue Zinserhöhung offen gelassen. Die BIP-Wachstumsprognose für 2000/2001 hat die BHF-Bank nun auf 3,4/3,3 (3,6/3,5) Prozent nach unten revidiert, für Deutschland allein für das laufende Jahr von 3,3 auf 3,0 %. Die Rate der Verbraucherpreisinflation (HVPI) sollte nach Einschätzung von Angenendt im September im Euroland mit 2,7 (August: 2,3) Prozent die Spitze erreicht haben, für den Jahresdurchschnitt werden - für 2000 wie für 2001 - aus heutiger Sicht je 2-1/4 % erwartet. Die BHF-Bank meint dazu:

Die BHF-Bank meint dazu, dass sich die Geldpolitik dadurch in einer Zwickmühle befinde: Im Rahmen ihrer Strategie müsste sie bei der beschriebenen Inflationsentwicklung weitere Zinserhöhungen ins Auge fassen, zumal die Liquiditätsversorgung nach wie vor günstig erscheine. Das M3-Geldmengenwachstum habe sich im August 2000 zwar in der 3-Monats-Durchschnittsrate weiter auf 5,3 % verlangsamt, liegt aber immer noch deutlich über dem Referenzwert von 4-1/2 %. Außerdem zeige der Monetary Conditions Index (MCI), dass die Zinspolitik der EZB derzeit nicht restriktiv ausgerichtet sei.

Eine EZB-Zinserhöhung würde aber - trotz Einengung der Zinsdifferenz zu den USA - den Euro eher schwächen, weil Konjunkturskepsis an den Märkten zunähme; die zinspolitische Absicht würde konterkariert. Die BHF-Bank meint deshalb, dass der EZB-Rat seine geldpolitische Taktik ändern und das zinspolitische Tempo in den nächsten Monaten trotz höherer Inflationsdaten drosseln wird: "Eine Anhebung des Mindestbietungssatzes schließen wir im Oktober praktisch aus und halten es sogar für möglich, dass die EZB im gesamten vierten Quartal stillhält."

Dabei werde die EZB verstärkt auf die zeitverzögerte Wirkung der bisherigen Anhebungen verweisen und betonen, dass sie mit weiteren Zinsererhöhungen ungünstige Preisniveaueffekte am aktuellen Rand ohnehin nicht verhindern könne. Zudem sei für die Geldpolitik entscheidend, ob der Ölpreisanstieg über Zweitrunden-Effekte zu einer dauerhaften inflationären Beschleunigung führe. Dabei stehe die Lohnpolitik im Mittelpunkt. Zumindest aus Deutschland kommt nach Meinung der BHF-Bank durch die lange Laufzeit der diesjährigen moderaten Tarifabschlüsse keine unmittelbare Bedrohung.



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