EZB sieht Anzeichen für wirtschaftliche Erholung

Archiv
EZB sieht Anzeichen für wirtschaftliche Erholung

Die Europäische Zentralbank (EZB) geht davon aus, dass sich die Wirtschaft in der Eurozone in der zweiten Jahreshälfte erholt.

dpa FRANKFURT/KöLN. "Es gibt Zeichen, die auf eine allmähliche Erholung im Verlauf dieses Jahres hindeuten", sagte EZB-Präsident Wim Duisenberg im Anschluss an die Ratssitzung am Donnerstag in Frankfurt. "Wir sind aber unsicher über den genauen Zeitpunkt und denken, dass die Erholung langsam vonstatten gehen wird", sagte er.

Nach Meinung des Direktors des Instituts der deutschen Wirtschaft, Gerhard Fels, wird die Weltkonjunktur im Laufe des Jahres wieder Tritt fassen. Vor allem die expansive Geld- und Fiskalpolitik in den Vereinigten Staaten werde sich positiv auf das weltwirtschaftliche Klima auswirken, stellte Fels am Donnerstag in Köln in einem wirtschaftspolitischen Ausblick auf das Jahr 2002 fest.

Notenbankpräsident Duisenberg gab allerdings keine Signale, dass die Währungshüter die Leitzinsen demnächst weiter senken. "Die jüngsten Entwicklungen sind im aktuellen Zinsniveau berücksichtigt", sagte Duisenberg. Derzeit liegt der maßgebliche Zinssatz zur Versorgung der Kreditwirtschaft mit Zentralbankgeld bei 3,25 %. Duisenberg hatte in den vergangenen Wochen wiederholt betont, dass die EZB die Zinsen nur dann weiter herunterschrauben wird, wenn sich ihre Wachstums- und Inflationsprognosen als zu optimistisch erweisen. Davon gehen aber viele Banken aus. Sie rechnen damit, dass das Zinsniveau noch im ersten Quartal weiter sinkt, sobald weitere Wirtschaftsdaten den Optimismus der Währungshüter dämpfen.

Seine Wachstumserwartungen begründete der Notenbankpräsident mit der jüngsten Entwicklung an den Finanzmärkten. Außerdem werde der sich fortsetzende Rückgang der Inflationsrate die Kaufkraft der Konsumenten und damit die Binnennachfrage stärken. Auch die Finanzierungsbedingungen für die Wirtschaft seien sehr günstig.

Die Preisstabilität sieht Duisenberg nicht gefährdet. Die Teuerungsrate in der Eurozone werde im Jahresverlauf unter zwei Prozent fallen. Auch die Einführung des Eurobargeldes werde das Preisniveau nicht nachhaltig beeinflussen. Dazu sei der Wettbewerbsdruck im Einzelhandel zu stark und die Aufmerksamkeit der Verbraucher zu groß, meinte Duisenberg. Eine gewisse Sorge bereiten dem EZB-Chef allerdings einige anstehende Tarifverhandlungen. Lohnzurückhaltung seien wichtig für Beschäftigung und Preisstabilität, mahnte er die Gewerkschaften.

Die Finanzpolitiker in der Eurozone forderte er auf, mittelfristig am Ziel einer ausgeglichenen Haushaltspolitik festzuhalten. "Das ist in der jetzigen Schwäche eine besondere Aufgabe für Länder ohne ausgeglichenen Haushalt, aber mittelfristig stärkt es das Vertrauen der Verbraucher und Anleger", sagte er. Die Reformen seien notwendig, um Raum für Steuersenkungen schaffen und die Kosten für die alternde Bevölkerung zu bewältigen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%