EZB sieht keine Inflationsgefahr
Euro auf neuem Tiefstand

Der Euro ist am Montagnachmittag (MEZ) vorübergehend unter 0,8768 Dollar und damit auf seinen tiefsten Stand seit drei Monaten gefallen. Händlern zufolge profitierte die US-Währung einerseits von wachsender Zuversicht mit Blick auf die US-Konjunktur.

Reuters FRANKFURT. Andererseits hätten die raschen militärischen Erfolge der von den USA unterstützten Nordallianz in Afghanistan den Dollar beflügelt. Auch Aktienmärkte und Geldpolitik machten Analysten für den Aufschwung des Dollar verantwortlich. EZB-Chefvolkswirt Otmar Issing sieht indes keine Inflationsgefahr, die vom derzeitigen Kursniveau des Euro ausgeht. Die Entwicklung des Euro hängt Händlern zufolge in dieser Woche vor allem vom Ifo-Geschäftsklimaindex ab.

Gegen 18.45 Uhr MEZ kostete ein Euro wieder 0,8797/99 Dollar, nachdem er zuvor auf sein Tief von 0,8767 Dollar gefallen war. Die EZB hatte den Referenzkurs auf 0,8793 Dollar festgesetzt nach 0,8840 Dollar zum Handelsschluss am Freitag in New York. Ein Dollar kostete 123,20/25 Yen nach 122,90 Yen am Freitag.

Von dem derzeitigen Kurs des Euro geht nach den Worten des Chefvolkswirts der Europäischen Zentralbank (EZB), Issing, keine Gefahr für die Inflation in der Euro-Zone aus. Gleichzeitig zeigte sich Issing überzeugt, der Euro werde zum Dollar steigen. "Wir sehen keine Inflationsgefahr beim derzeitigen Niveau des Eurokurses. Aber er wird nicht dort bleiben, wo er ist, er wird steigen. Wir sind überzeugt, dass der Außenwert des Euro steigen wird", sagte Issing.

"Wegen der erwarteten Wende der Konjunktur in den USA und des US-Militärengagements in Afghanistan weiten sich die Dollargewinne der vergangenen Woche aus", sagte Rob Hayward von ABN Amro in London. Nach Einschätzung von Ulrich Wortberg von der DZ Bank dürfte der Kursrückgang des Euro aber allmählich beendet sein. Wenn die Währung die Marke von 87,40 US-Cent nicht unterschreite, sei eine Aufwärtsbewegung zu erwarten. "Der Konjunkturoptimismus für die USA und der Pessimismus für die Euro-Zone sind übertrieben", sagte Wortberg. Die USA stehen nach den Worten von Bundesbankpräsident Ernst Welteke zwar kurz vor einer Rezession, aber bereits in wenigen Monaten könne die größte Volkswirtschaft der Welt wieder wachsen. "Ich habe keinen Zweifel daran, dass die US-Wirtschaft innerhalb weniger Monate wieder ein positives Wachstum aufweisen wird", sagte Welteke am Montag in Washington.

Spekulationen über weitere Leitzinssenkung in den USA

Auch die Entwicklung der US-Aktienmärkte und der Leitzinsen in den USA und Euro-Zone nannten Analysten als weitere Gründe für die Dollar-Gewinne. "Starke US-Aktienmärkte und ein größerer Abstand zwischen den Leitzinsen in den USA in Europa führen den Dollar nach oben", sagte Michael Rosenberg von Deutsche Banc Alex Brown in New York. In den USA gibt es nach Worten des Präsidenten der Notenbank von San Francisco, Robert Parry, noch Spielraum für niedrigere Leitzinsen, sollte die Konjunktur weiter schwach bleiben. Die US-Notenbank Fed hat in diesem Jahr als Reaktion auf die schwache Konjunktur bereits zehn Mal die Leitzinsen um insgesamt 450 Basispunkte auf 2,0 Prozent im Schlüsselzins gesenkt. In der Euro-Zone liegt der Schlüsselzins bei 3,25 Prozent, nachdem die EZB die Zinsen Anfang November um 50 Basispunkte zurückgenommen hatte.

Große Aufmerksamkeit gelte aus Sicht des Euro der Veröffentlichung des Ifo-Indexes am Mittwoch, sagten Händler. Sollte dieser unerwartet leicht steigen, könnte sich die Gemeinschaftswährung aufwärts bewegen, sagte Wortberg. Von Reuters befragte Volkswirte erwarten beim Ifo-Index für Oktober einen zum Vormonat unveränderten Stand von 85 Punkten. Im September war das Stimmungsbarometer auf den tiefsten Stand seit fast acht Jahren gefallen. Wortberg hielt einen Indexanstieg nicht für ausgeschlossen, nachdem in der vergangenen Woche der vergleichbare Stimmungsindex des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung gestiegen war.

Die am Donnerstag anstehenden Daten zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Deutschland im dritten Quartal sowie die BIP-Zahlen Frankreichs am Freitag dürften den Devisenmarkt nicht interessieren, da sie nur bereits Bekanntes dokumentierten. Die Bundesbank erwartet in Deutschland im dritten Vierteljahr wie schon im Vorquartal eine Stagnation im Quartalsvergleich.

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