EZB soll Preisstabilität in 2001 weiter beobachten
Welteke warnt vor Preisrisiken im Euroraum

Nach Ansicht von Bundesbank-Präsident Ernst Welteke muss die Europäische Zentralbank (EZB) die Risiken für die Preisstabilität im Euroraum weiter beobachten und klein halten. Damit solle möglichen negativen Effekten durch den hohen Ölpreis begegnet werden, schrieb Welteke im Vorwort zum Jahresbericht der Deutschen Bundesbank, der am Dienstag in Frankfurt vorgelegt wurde.

dpa-afx FRANKFURT. Die Geldpolitik der "ruhigen Hand" sei ein Beitrag dazu, die Erwartungen an den Finanzmärkten stabil zu halten, hieß es. In der vergangenen Woche hatte Welteke auf der Bilanzpressekonferenz der Bundesbank gesagt, dass die Preisrisiken im Euroraum zwar nachgelassen hätten, jedoch nicht verschwunden seien. Als bedrohende Faktoren für die Preisstabilität nannte der Bundesbankpräsident die BSE-Krise und mögliche Effekte durch den höheren Ölpreis.

Die EZB habe ihre Leitzinsen zuletzt unverändert gelassen angesichts eines nachlassenden Wachstums der Geldmenge M3 im Euroraum, heißt es im Jahresbericht der Bundesbank. Jedoch seien die Unsicherheiten für das Euro-System sehr hoch geblieben, schrieben die Bundesbanker. Die Agrarkrise habe den Inflationsdruck in Deutschland erhöht, wobei jedoch die Effekte durch die jüngsten Ölpreisanstiege bereits überwunden seien. Die gegenwärtig komplizierte Situation im Agrarsektor habe erhebliche Auswirkungen auf die deutschen Nahrungsmittelpreise.

Trotz der aktuell zu beobachtenden konjunkturellen Abkühlung im Euroraum sei nicht mit einer andauernden und markanten wirtschaftlichen Schwäche des Euro-Währungsgebietes zu rechnen, heißt es im Jahresbericht. Vielmehr gebe es Anzeichen dafür, dass die Wirtschaft der Eurozone im Jahr 2001 weiter mit einer beachtlichen Rate wachsen werde. So sei von einem verstärkten Privatkonsum auszugehen, der durch steuerliche Erleichterungen im laufenden Jahr und eine Reduzierung der Ölpreise stimuliert werden dürfte.

Konjunkturabschwächung der USA hat starken Einfluß

Unabhängig davon seien die Wachstumrisiken für die europäische Wirtschaft gewachsen angesichts der konjunkturellen Abkühlung in den USA. Sollte es in den Vereinigten Staaten zu einer harten Landung der Wirtschaft kommen, würde das die ökonomische Entwicklung des Euroraumes zeitweise stören.

Die Abschwächung der US-Wirtschaft werde indes einen stärkeren Einfluss auf die deutsche Wirtschaft haben, als die sechs führenden Wirtschaftsinstitute in ihren Herbstgutachten noch erwartet hätten, schreibt die Bundesbank. Die deutsche Wirtschaft sei für den internationalen Wettbewerb weiterhin gut gerüstet. Zusammen mit stabilen Lohnstückkosten dürfte dies für eine "Fortsetzung des Wachstumsprozesses" sorgen. Positiv werten die Bundesbank-Volkswirte, dass die Belastungen seitens der Bauwirtschaft nicht mehr so stark zu Buche schlagen.

Die voneinander abweichenden Inflationsraten im Euroraum habe zu Forderungen an die EZB geführt, ihre Preisstabilitäts-Kriterien großzügiger zu formulieren. Jedoch sei ein Anweichen vom derzeitigen EZB-Referenzwert für die Inflationsentwicklung von 2,0% keine Option, obgleich die Differenzen zwischen den Inflationsraten gewiss nicht klein seien. Ein solcher Schritt würde die Glaubwürdigkeit der Notenbank aufs Spiel setzen, erklärte die Bundesbank. Die Leitzinserhöhungen der EZB im vergangene Jahr seien nicht Ausdruck einer wirklich restriktiven Geldpolitik gewesen. Vielmehr seien die Risiken für die Preisstabilität im Jahr 2000 stärker gestiegen als erwartet.

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