EZB und ihre Kritiker: Belagert von der Wissenschaft

EZB und ihre Kritiker
Belagert von der Wissenschaft

Angriffe von allen Seiten: Die Europäische Zentralbank (EZB) steht einer breiten Front von Kritikern gegenüber. Aber auch wenn das Gesamtkonzept angezweifelt wird - Präsident Jean Trichet-Claude braucht den Widerstand kaum fürchten.

FRANKFURT. Wie viele "Säulen" braucht die Geldpolitik? Reicht es aus, die Inflation zu beobachten und danach die Leitzinsen zu steuern? Oder gehört die genaue Analyse der Geldmenge - das ist die so genannte zweite Säule - auch zur Kernaufgabe der Notenbanken?

An dieser Glaubensfrage entzünden sich die Gemüter der sonst so besonnenen Notenbanker und Geldtheoretiker. Im November kochte die Diskussion bei einer Forschungskonferenz der Europäischen Zentralbank (EZB) besonders hoch. Gnadenlos zerriss der amerikanische Ökonom Michael Woodford die "Zwei-Säulen-Strategie" der EZB in der Luft, und fast alle der auf EZB-Kosten eingeflogenen Granden des Fachs stimmten ihm zu. Während die EZB hartnäckig die Bundesbank-Tradition aufrecht erhält und der Geldmengenbeobachtung einen zentralen Platz in ihrer Strategie zuweist, sprechen Woodford und die meisten seiner Kollegen der Geldmenge jeden Nährwert ab.

Wer die Konferenz verfolgte, musste mit dem Eindruck nach Hause gehen: Was Europas Notenbanker tun, und was die führenden monetären Ökonomen außerhalb der EZB für richtig halten, hat so gut wie nichts miteinander zu tun. Belagert von allen Seiten wie das berühmte gallische Dorf aus dem Asterix-Comic wirkt die EZB - und ebenso uneinnehmbar. Eine dicke Mauer aus Tradition und Ideologie scheint sie gegen die Erkenntnisse der modernen Wissenschaft abzuschirmen.

Aber nicht nur mit ihrer berühmten zweiten Säule bietet EZB-Präsident Jean Trichet-Claude den Wissenschaftlern eine Angriffsfläche. Weil sie den Leitzins im Zuge des Wirtschaftsaufschwungs nur sehr langsam von zwei Prozent auf derzeit 3,5 Prozent angehoben hat, sieht sich die EZB ebenfalls Angriffen ausgesetzt. "Es ist unmöglich, die Trippelschritte der EZB seit Dezember 2005 zu rechtfertigen", verdammt Willem Buiter, renommierter Ökonomieprofessor an der London School of Economics, den "grausligen Gradualismus" der EZB. Buiter hat früher im Rat der Bank von England über den britischen Leitzins mitentschieden. Seiner Meinung nach sind die Leitzinsen im Euroraum immer noch zu niedrig.

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