EZB und IWF sehen Erholung der Weltkonjunktur im zweiten Halbjahr
Forscher sehen nur Restrisiken für Erholung

Immer lauter werden die Stimmen, die für das laufende Jahr einen allmählichen Aufschwung erwarten. Allerdings sehen Notenbanker und Wirtschaftsforscher nach wie vor auch einige Gefahren für die Konjunktur. Das Rheinisch-Westfälische Wirtschaftsforschungsinstitut (RWI) fordert daher eine weitere Zinssenkung in Europa.

ost/pbs DÜSSELDORF. Fast alle sind einer Meinung: Notenbanker, Politiker und Wirtschaftsforscher haben sich am Montag vorsichtig optimistisch zur Konjunktur-Entwicklung in der Welt, der Euro-Zone und in Deutschland geäußert. "Es gibt mehr und mehr Anzeichen, dass der weltweite Wirtschaftsabschwung Ende 2001 zu Ende gegangen ist", sagte Wim Duisenberg, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), am Montag in Peking. Die Weltwirtschaft befinde sich "in oder kurz vor einer Konjunkturwende", sagte die Vizepräsidentin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Anne Krueger am Montag in London.

Im laufenden Jahr rechnet Duisenberg mit einer "milden Erholung" der Weltwirtschaft, 2003 werde das Wachstum dann weiter an Fahrt gewinnen. Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) schätzt die Entwicklung für Deutschland ähnlich ein: Ab der Jahresmitte werde das Wachstum an Fahrt gewinnen, im Jahresschnitt wachse die Wirtschaft um 0,8 %. Mit dieser Prognose liegen die Essener Forscher im Mittelfeld der sechs führenden deutschen Forschungsinstitute - die Spanne reicht von 0,6 bis 1,2 %. Für 2003 erwarten die Ruhrgebietsökonomen dann ein Plus von 2,6 %. Dazu werde auch die Erholung der Bauwirtschaft beitragen. Noch optimistischer gibt sich das Bundesfinanzministerium (BMF) in seinem aktuellen Monatsbericht: Im kommenden Jahr werde die deutsche Wirtschaft um 2,9 % zulegen.

Allerdings sehen sowohl Duisenberg als auch das RWI Risiken für den Aufschwung. Der EZB-Präsident warnte vor mehreren Ungleichgewichten, die aus seiner Sicht die Gefahr eines Abschwung der Weltwirtschaft bergen. Der EZB-Präsident nannte die dauerhaft hohen Leistungsbilanzdefizite in einigen Industrieländern, die immense Verschuldung von Privathaushalten sowie Unternehmen, den instabilen Finanzsektor und Überinvestitionen in manchen Branchen.

Auch die Essener Forscher halten "die Gefahr einer Verschärfung der Rezession" für "nicht unerheblich". Dies gelte selbst dann, wenn der Ifo-Geschäftsklima-Index am Dienstag zum dritten Mal in Folge steigen sollte, sagt Elke Schäfer-Jäckel, Konjunktur-Expertin vom RWI. "Die Abwärtstendenzen in den großen Industrieländern könnten sich gegenseitig verstärken und damit die globale Nachfrage weiter zurückgehen", begründet das RWI. Sorge bereitet den Essener Forschern vor allem die aktuell "hohe Verunsicherung von Unternehmen und Verbrauchern".

Wenn sich die Weltkonjunktur nicht, wie vom RWI in seinem Basisszenario erwartet, schon in diesen Monaten, sondern erst ein halbes Jahr später erholen sollte, würde das 1/2 % Wachstum in diesem und 1/4 % 2003 kosten. Daher empfiehlt das RWI eine weitere Senkung der Leitzinsen im Euro-Raum. Der Spielraum betrage noch 1/2 Prozentpunkt, zumal es keine Inflationstendenzen gebe. Die aktuellen Lohnforderungen dagegen seien angesichts der Konjunkturrisiken "alles andere als hilfreich".

Beim der Arbeitslosigkeit gibt es erst für das nächste Jahr Entwarnung. 2002 rechnet das RWI noch mit 70 000 zusätzlichen Arbeitslosen. 2003 werden dann die Zahl der Beschäftigten um 250 000 zunehmen und gleichzeitig die Zahl der Arbeitslosen um 200 000 auf 3,72 Millionen sinken. Die Teuerung dürfte im Zuge der Konjunkturerholung auf 1,8 von 1,6 % anziehen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%